Baschi ohne Selbstmitleid

Mundart-Popstar Baschi über sein siebtes Album «Zwüsche dir und mir», sein neues Studio und warum er von einem Porsche träumt und keine komplizierten Songs mehr schreibt.

Reinhold Hönle
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Baschi: «Ich posiere im CD-Booklet auch mal im Tigerslip vor einer Villa, obwohl ich keinen Sixpack habe. (Bild: pd)

Baschi: «Ich posiere im CD-Booklet auch mal im Tigerslip vor einer Villa, obwohl ich keinen Sixpack habe. (Bild: pd)

Auf ihrer neuen CD geben Sie sich ungewohnt gesellschaftskritisch.

Sebastian Bürgin (Baschi): Ja, der Song «Zirkus Halligalli» etwa handelt davon, eine Bühne zu haben und im Rampenlicht zu stehen. Eine Metapher für den Wunsch nach Anerkennung und immer noch mehr «likes», den viele Junge haben. Wenn du dich nur noch in der virtuellen Welt bewegst, stehst du am Ende des Tages aber plötzlich allein da. «Single Mingle» entstand, nachdem ich gelesen hatte, dass ein Mingle kein Single mehr ist, sich aber nicht binden will. Viele von uns wollen sich nicht mehr festlegen, weil sie hoffen, dass noch etwas Besseres kommt, oder sie Angst haben, etwas anderes im Leben zu verpassen.

Entsprechen Sie selbst Ihrer Forderung, man solle lieber eine eigene Meinung als ein Statussymbol besitzen?

Bürgin: Natürlich träume ich auch von einem Porsche oder eine Finca auf Mallorca, aber das schliesst nicht aus, dass ich mir Gedanken über unsere Gesellschaft mache! Weil ich dabei nicht wie einer wirken will, der den Mahnfinger erhebt, und zudem über mich selbst lachen kann, posiere ich im CD-Booklet im Tigerslip vor einer Villa, obwohl ich kein Sixpack habe.

Sie scheinen mit «Zwüsche dir und mir» zu alter Stärke zurückgefunden zu haben.

Bürgin: Es war auch mein erklärtes Ziel, coole Popsongs zu machen, welche die Leute an den Konzerten mitsingen können, und ein oder zwei Hits auf dem Album zu haben, mit dem ich natürlich wieder auf Platz 1 will. Ausserdem wollte ich mal wieder über andere Dinge als nur über mein Selbstmitleid schreiben. Es würde ja nichts bringen, mich in irgendwelchen komplizieren Songs selbst zu verwirklichen.

Sie haben Ihr Album in Ihrem eigenen, neugegründeten Studio aufgenommen. Warum?

Bürgin: Als mein Gitarrist und Koproduzent Phil Merk und ich uns 2010 in einem kleinen Basler Studio – fünf Quadratmeter, Laptop, Boxen, ein paar Gitarren – eingemietet hatten, um dort die Songs von «Neui Wält» zu schreiben, hatten wir das Problem, dass dauernd Hip-Hop-Musiker, die dort verkehrten, «herein- trampten» und uns bei der Arbeit störten. Seither wollten wir gerne etwas Eigenes haben.

Wie haben Sie das Projekt überhaupt finanziert?

Bürgin: Phile und ich haben unsere Konten geplündert, Vorschüsse von der Urheberrechtsgesellschaft Suisa bezogen und die Rebel-Inc. GmbH gegründet. Dann haben wir dieses Studio in sieben Monaten aus dem Boden gestampft, mehrere Kilometer Kabel verlegt und 80 Steckdosen gesetzt. Das konnten wir natürlich nicht allein, sondern nur mit Hilfe von Freunden, die von der Technik mehr Ahnung haben.

Können Sie sich vorstellen, in ein paar Jahren nur noch im Hintergrund zu arbeiten?

Bürgin: Das ist sicher so angedacht. Wir arbeiten jetzt schon für andere, mehrheitlich junge Künstler, komponieren Radio-Jingles oder Musik für die Fernsehwerbung. Das ist eine Dienstleistung und hat mit Baschi nichts zu tun. Hier melde ich mich am Telefon mit Sebastian Bürgin, und mit diesem Namen unterschreibe ich auch, wenn ich Rechnungen verschicke.

Hat das Ende der langjährigen Beziehung zu Ihrer «MusicStar»-Liebe Katy Winter Energie für ein solches Projekt freigesetzt?

Bürgin: Planung und Bau fielen in die Zeit, als sich die Trennung bereits abzeichnete. Da ich nun so viel arbeite wie nie zuvor in meinem Leben, wäre es sicher schwierig, noch in einer festen Beziehung zu leben und jeden Tag zwischen Frick und Birsfelden pendeln zu müssen. Allerdings war es für mich auch eine Herausforderung, neben dem Studio in Basel eine Wohnung zu finden und mein neues Leben ohne Katy in den Griff zu bekommen, denn chaotisch bin ich nach wie vor!

Baschi: Zwüsche dir und mir», Universal Music, ab 28.8 im Handel