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Sie arbeitete als Sekretärin für Elias Canetti

Die Berner Autorin Barbara Traber schreibt ihren neuen Roman wie einen autobiografischen Rechenschaftsbericht.
Charles Linsmayer
Die Schriftstellerin Barbara Traber. Aufgenommen 1998. (Bild: Keystone)

Die Schriftstellerin Barbara Traber. Aufgenommen 1998. (Bild: Keystone)

Genf und London waren die frühen prägenden Stationen der 1943 geborenen späteren Schriftstellerin Barbara Traber. Ihr Buch «Auf den Brücken der Freundschaft» lässt sich deshalb als Entwicklungsroman einer jungen Frau namens Eva lesen, die aus dem behüteten Berner Elternhaus in die Welt hinausfährt.

Es ist zugleich ein autobiografischer Rechenschaftsbericht über Trabers Begegnungen mit Literatur und Musik.

Vom Geigenunterricht der Handelsschülerin über die Mitwirkung der in Genf als Sekretärin arbeitenden jungen Frau bei den Jeunesses Musicales de Genève bis zur Auseinandersetzung mit dem Komponisten Franz Reizenstein, in dessen Londoner Haushalt sie als Au-pair-Girl tätig ist, erweist sich die klassische Musik als ein tragendes Element eines Lebenswegs, in dem die künstlerisch-musische Bestimmung hinter dem Broterwerb zurückstehen muss.

Noch bedeutsamer ist die Literatur. Schon die Genfer Sekretärin erkundet die Stadt auf den Spuren von Glausers «Tee der drei alten Damen» und befasst sich, ohne den Mut zu finden, den Dichter im Café anzusprechen, mit Georges Haldas. In England werden dem Au-pair-Girl die Gedichte von Elizabeth Barrett Browning zum Erlebnis, dass es sie beim Bügeln und Kochen leise vor sich hersagt.

Glücklos in der Liebe

Krönung des literarischen Selbststudiums ist die Bekanntschaft mit einem echten Dichter, mit Elias Canetti, für den Traber in den 1960er-Jahren in London als Sekretärin arbeitet. «Ich nahm alles begierig und fasziniert auf, was mir Canetti anvertraute», erinnert sie sich 60 Jahre später.

«Jede Begegnung mit dem ungeheuer belesenen Mann empfand ich als Bereicherung, und immer wieder stellte er mir bohrende Fragen, interessierte sich für alles, was mein Leben betraf und hatte mir längst das Geständnis entlockt, dass ich davon träumte, selbst einmal ein Buch zu schreiben.»

So faszinierend die musikalisch-literarischen Begegnungen sind: persönlich näher bringen einem Barbara Trabers Buch die Liebesbegegnungen. Jene mit dem hochgebildeten, aber unnahbaren Pierre in Genf und mit seinem Gegenpol Kurt, der die junge Frau auf einer Passfahrt mit seinen Küssen in die Flucht treibt.

Oder jene mit dem englischen Chemiker Frank, mit dem sich über sein Instrument, die Tuba, fachsimpeln liess, der aber seinerseits davonrannte, als er geküsst werden sollte. Schade, dass die Erzählung nicht bis zur erfüllten und mit einer langjährigen Ehe gekrönten Liebesgeschichte mit dem 2010 verstorbenen Berner Troubadour Markus Traber reicht.

Und statt den bulgarischen Reisen auf der Spur von Elias Canetti hätte man lieber etwas über Barbara Trabers Jahre als Flight-Attendant bei der TWA oder als Botschaftssekretärin in Lagos erfahren. Themen, die vielleicht in einem kommenden Buch behandelt werden.

Barbara Traber: «Auf den Brücken der Freundschaft», Waldgut, 259 Seiten.

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