BANDXOST: Grunge zieht noch immer

Die Band Catalyst hat in der Grabenhalle den Final des Nachwuchswettbewerbs gewonnen. Sie erinnert an Nirvana und besteht aus nur zwei Musikern – war aber dennoch die lauteste Gruppe.

Michael Hug
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Rauhe Stimme, verzerrte Gitarrenklänge: Dominic Ende von der Siegerband Catalyst lässt es in der Grabenhalle krachen. (Bild: Raphael Müller)

Rauhe Stimme, verzerrte Gitarrenklänge: Dominic Ende von der Siegerband Catalyst lässt es in der Grabenhalle krachen. (Bild: Raphael Müller)

Richtige Rock ’n’ Roll-Bands mit vier bis fünf Musikern scheinen bei der Jury nicht beliebt. Letztes Jahr hatte ein Solist gewonnen. Diesmal war es eine Miniband, die gerade mal aus zwei Mitgliedern besteht: Ramon Wehrle und Dominic Ende. Die beiden bilden die Grunge-Formation Catalyst. Die erst vor zwei Jahren gegründete Band kommt aus St. Gallen, gibt aber an, dass ihre Heimat der Probenraum sei. Den einen und anderen Auftritt in der engeren Heimat – ausserhalb des Probenraums – hat das Nirvana-Faksimile bereits hinter sich. Zweifellos war der Gig beim bandXost-Final vom vergangenen Samstag in der St. Galler Grabenhalle der bis dahin lauteste, aufsehenerregendste und vielleicht sogar nachhaltigste.

Jung und ehrgeizig, ­ aber ohne Geld

Der Sieg beim Wettbewerb der Ostschweizer Nachwuchsbands ist nicht nur einfach ein Sieg in einem Rennen unter seinesgleichen. Der erste Platz ist auch mit materiellen Beigaben verbunden. Der Hauptsponsor des Anlasses lockt mit einem namhaften Beitrag für eine CD-Produktion und Unterstützung für Auftritte in der weiteren Region. Zudem zieht ein solcher Sieg natürlich auch viel Werbung und Presse nach sich. So etwas ist immer willkommen, wenn man am Anfang der Erfolgsleiter steht, jung und ehrgeizig ist, aber kein Geld für grössere Sprünge hat. Ausserdem ist die Konkurrenz gross, was an der Beteiligung für den alljährlich durchgeführten Contest abzulesen ist: Knapp 50 Bands nahmen an den acht lokalen Ausscheidungen während des Jahres teil. Die jeweiligen Sieger wurden am Samstag zum Final geladen. Sie kommen aus Frauenfeld, Schaffhausen, Kreuzlingen, Flawil und St. Gallen.

Und nun das grosse Final. Acht Bands, für jede sind 15 Minuten Performance geplant, was gerade für drei Stücke reicht, ­keine Zugaben. Innert Sekunden von null auf hundert, dann mit Vollgas durchziehen. Dazwischen Umbau auf der Bühne und Rauchpause. Vier Stunden dauern die Auftritte der Bewerberinnen und Bewerber, dann zieht sich die Jury in die Katakomben der Halle zurück. Währenddessen spielt und singt oben auf der Bühne der letztjährige Sieger Marius Bär. Fast eine Stunde nach Mitternacht erfolgt die Bekanntgabe der Gewinner: Catalyst holen den ersten Platz, Afternoon Daydreams aus dem Rheintal landen auf Platz zwei, und Hielo schafft es auf den dritten Rand.

Dabei zeigt sich, dass Heavy Metal und Brachial-Grunge noch längst nicht tot sind, auch wenn es manche ihre einstigen Protagonisten sind. Die harten, dunklen, durchdringenden und lauten Töne sind bei der Jugend noch immer hoch im Kurs, unschwer war das an den verzückten Reaktionen des Publikums abzulesen. Der Andrang in der Grabenhalle war so gross, dass einige Leute gegen Mitte des Abends sogar an der Tür abgewiesen werden mussten.

«Es ist hammergeil, dass wir hier auftreten dürfen»

Dafür scheinen Rap und Hip- Hop, Singer-Songwriter oder Pop ziemlich out zu sein. Laut und markerschütternd, dabei aber immer auch emotionell, wütend und ungehalten, ist gefragt. Auch bei der Jury, die letztendlich über Qualität und Entwicklungschancen der Sieger befindet, findet der harte Stil Anklang. Spielfreude, Ehrgeiz und Leidenschaft der jungen Musikerinnen und Musiker sind beeindruckend. Für die Auftretenden selbst ist der Kurzeinsatz auf der bandXost-Bühne eine wertvolle Erfahrung. «Es ist hammergeil, hier überhaupt auftreten zu können», sagte Sven Rupp von der Flawiler Metal-Band The rule. Es war für ihn und seine beiden Brüder erst der zweite Auftritt vor Publikum. Ihr Manager – Vater Marcel Rupp – wird für weitere sorgen.

Michael Hug

ostschweizerkultur@tagblatt.ch