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Migros-Musical: Baguette gegen das Patriarchat

Das Schweizer Musical «Supermarkt Ladies» will Frauenpower gegen Sexismus zeigen. Mit gar viel Verulkung rächen sich die Supermarkt-Frauen an ihrem Grüselchef.
Naomi Gregoris
Die Supermarkt-Ladies wollen sich nicht mehr bücken. (Foto: Erwin Züger)

Die Supermarkt-Ladies wollen sich nicht mehr bücken. (Foto: Erwin Züger)

Um zu begreifen, worum es in diesem Stück geht, braucht man nur einen Blick auf das Plakat zu werfen. Da stehen drei Frauen in weissen Kleidern, ein bisschen Stewardess, ein bisschen Krankenschwester. Posieren wie Charlie’s Angels, doch statt Waffen tragen sie: ein Baguette, eine Banane, einen Broccoli. Sie sehen trotzig aus, aber nicht unattraktiv. Sexy trotzig. Und sie sind divers: Eine ist dunkelhäutig, die andere älter als 40. Die in der Mitte sieht aus wie eine Miss-Schweiz-Kandidatin. Perfekt. Darunter die Leuchtschrift: «Supermarkt Ladies». Ladies, nicht Women. Das Signal ist klar: Respektiert sie, diese Ladies. Sie arbeiten zwar im Supermarkt, aber wartet nur bis die zuschlagen mit ihren Nahrungsmitteln! Wartet nur.

In die bunte Klischeefalle getappt

Gewartet werden muss tatsächlich eine Weile, denn zu Beginn dieses von der Migros präsentierten Musicals, in dem das Publikum per Klatschen entscheiden darf, wie es sich entwickelt, sind die Ladies wie gelähmt angesichts der unzähligen Gemeinheiten ihres Chefs Herrn Eggenschwiler. Der narzisstische Bösewicht fährt im aufgemotzten Elektromobil durch die Gänge seines Supermarkts und belästigt in fiesestem Ostschweizerdeutsch seine Angestellten.

Darunter sind nicht nur Conny (die Dunkelhäutige, gespielt von Fabienne Louves), Paula (Miss Schweiz, gespielt von Sandra Studer) und Ilse (die Reife, Gigi Moto), sondern eine bunte Palette weiterer Figuren, die die offensichtlich sorgfältig geplante Diversität der Besetzung zur Schau stellen müssen: Ein Italiener, dessen Substantive alle mit -li enden («Igg ’abe ’ier aine glaine Kucheli gebacken!»), ein Homosexueller, der sich ein Märli-Theater für die ganze Belegschaft ausdenken will und eine Deutsche, die die Schweiz ein tolles Land findet, obwohl sie «immer so gemobbt wird». Keine Sorge: Man darf später darüber abstimmen, ob sie in der Schweiz bleibt oder nicht.

Irgendwann landet der Grüselchef im Kühlraum

Schliesslich ist da noch Paulas Tochter Olga, die ursprünglich mit ihrem Freund Hassan nach Syrien abhauen wollte (O-Ton Paula: «meine Tochter wird dschihadisiert!»), von ihm aber verlassen wurde und jetzt Gott sei Dank doch nicht in der Burka enden muss. Chef Eggenschwiler be handelt sie alle wie Dreck, besonders die drei Ladies, die er mehrmals belästigt (indem er etwa als Kasperli ein bizarres Lied über Zauberhöhlen und Hexenlöcher singt) und systematisch schikaniert. Conny zum Beispiel – die Dunkelhäutige – träumt von einer Karriere als Schauspielerin und würde gern zum Vorsprechen von «Die weisse Massai», aber er lässt sie nicht (kleiner Spoiler: Sie geht dann doch, und bekommt das Engagement nicht – dafür eine Hauptrolle in «Die schwarze Spinne»).

Das darf natürlich nicht sein, die Ladies gehören emanzipiert und so kommt es, dass Eggen­schwiler irgendwann im Kühlraum landet und Paula in einem Anflug leichter Hysterie beschliesst, ihn da drin zu lassen. Aber natürlich stirbt der Kerl nicht, denn nicht einmal ein Sexgrüsel hat den Tod verdient. Eine Anklage hat er allerdings offenbar auch nicht verdient. Am Ende lautet seine Bestrafung: Vor dem Supermarkt Flyer verteilen, während die Frauen ihren Sieg feiern dürfen. Viva la Emanzipation! Aber wenn die Ausgangslage feministisch tut, dann dürften problematische Verulkungen keinen Platz haben.

Hinweis
Supermarkt Ladies, Vorstellungen 4. bis 8. Juni, Das Zelt, Kreuzbleiche St. Gallen

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