Backe, backe Hundekuchen

Simon Gisler macht Staubwolken aus Mehl, Daniel R. Schneider die Musik dazu – und Hund Martha knetet unsichtbar mit. Das Kinderstück «Gopf, Martha!» im Theaterhaus Thurgau ist eine bürliwarme Geschichte für alle, die nicht so gern sie selber sind.

Bettina Kugler
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Auch Bäcker möchten mal ausschlafen: Simon Gisler träumt schön und lässt Martha werkeln. (Bild: Andrea Stalder (Weinfelden, 5. Februar 2019))

Auch Bäcker möchten mal ausschlafen: Simon Gisler träumt schön und lässt Martha werkeln. (Bild: Andrea Stalder (Weinfelden, 5. Februar 2019))

Scherzfrage: Was ist der Unterschied zwischen einem Bäcker und einem Teppich? Ganz einfach – der Bäcker muss früh aufstehen, der Teppich darf liegen bleiben. In der neuen Eigenproduktion des Theaters Bilitz unter der Regie von Agnes Caduff heisst der Teppich Martha, ist des Bäckers Hund und liegt immer gerade da, wo der noch schlaftrunkene Meister hin muss.

Wir im Publikum sehen die Hundedame allerdings genauso wenig wie der Bäcker selbst. Höchstens ein Wau, ein Schnaufen oder Jaulen ist ab und zu aus dem Hintergrund von Schauspieler und Musiker Daniel R. Schneider zu hören. Und dann, «Gopf, Martha!», purzeln schon wieder die Bürli durch die Backstube; womöglich sind Hundehaare im Teig. Am liebsten würde Martha selber rühren und kneten, Törtli backen, Crème aus der Schüssel lecken. Der Bäcker dagegen läge lieber faul in der Sonne oder ginge mit den Buben tschutten. Wie ungerecht doch das Leben ist!

«Ich wett, ich hett ... ich wett, ich wär ...»

Zu zweit, in aller Seelenruhe, mit verspielten Umwegen und viel Musik erzählen Simon Gisler als Bäcker und Daniel R. Schneider in etlichen Nebenrollen vom Neid – ohne dass es allzu erzieherisch daherkäme. Wer jedoch kennt es nicht, das plötzliche dumpfe Gefühl: Was mach’ ich eigentlich hier tagaus, tagein, von Januar bis Dezember und das seit Jahren? Und hat es nicht jeder andere leichter, besser, schöner als ich? Sogar mein Hund?

Dabei hat die Backstube im Theaterhaus Thurgau doch etwas so heimelig Einladendes: Zuschauer ab fünf Jahren können sich dort 45 Minuten lang gut aufgehoben fühlen, können eintauchen in die Routinen eines alten, nahrhaften Handwerks (das schon Kleinen Spass macht). Sich einfühlen und wiedererkennen in Hund und Bäcker und sich «pfotieren» um Radau, Hektik, steile Spannungskurven. Die gibt es sonst an jeder Ecke. «Gopf, Martha!» dagegen setzt auf Herzenswärme, ruhigen Rhythmus und Klang. Beneidenswert!

Nächste Vorstellungen: 24.2., 17.15 Uhr; 27.2., 15.15 Uhr, Theaterhaus Thurgau, Weinfelden

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