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Bachkantate in Teufen:
Die geheime Rechenkunst der Seele

Rudolf Lutz dirigierte am Freitagabend die Kantate BWV 17 "Wer Dank opfert" in der Evangelischen Kirche Teufen - zur gleichen Zeit wurde ihm in Abwesenheit der Schweizer Musikpreis 2019 in Basel verliehen.
Bettina Kugler
Dirigent Rudolf Lutz musiziert lieber, als sich feiern zu lassen. Bild: J. S. Bach-Stiftung

Dirigent Rudolf Lutz musiziert lieber, als sich feiern zu lassen. Bild: J. S. Bach-Stiftung

Für den Mathematiker und Philosophen Leibniz war Musik kein Zeitvertreib, nicht nur Vergnügen und Verschönerung von Fest- und Alltag. Sondern die "versteckte arithmetische Arbeit der Seele, die nicht merkt, dass sie rechnet". Eine Kunst also, in der die Zahl Struktur und Ordnung gibt - aber mit emotionalen Zwischenräumen, die sich nicht formelhaft erfassen lassen. Dort nämlich, wo sie bewegt: wo sie Freude, Geborgenheit, Dankbarkeit, Staunen auslöst in denen, die sie zum Klingen bringen oder hören.

Vanessa Wood, ETH-Professorin mit Schwerpunkt Elektrotechnik und Informationstechnologie, brachte in ihrer Reflexion zur Bachkantate BWV 17 am Freitagabend in Teufen den Satz aus dem Jahrhundert der Aufklärung in Resonanz mit der Gegenwart komponierender Computerprogramme - und mit der Präsenz eine überaus lebendigen, die Rechenarbeit der Seele in Gang setzenden Kantatenaufführung unter der Leitung von Rudolf Lutz. Der eigentlich an diesem Abend in Basel hätte sein müssen. Dort fand die Verleihung des Schweizer Musikpreises statt, und Lutz ist einer der 15 diesjährigen Preisträger. Doch lieber preist er selbst: musikalisch, und welche Kantate würde besser zur Feier der Stunde passen als BWV 17, "Wer Dank opfert, der preiset mich"?

Leicht wie ein Windhauch: der Schlusschoral

Stehende Ovationen bekam Lutz dann auch in Teufen, für den Musikpreis ebenso wie für die Kantate. Dabei endet diese seelenruhig, in Demut und Bescheidenheit, die Vergänglichkeit irdischen Ruhms geradezu zärtlich betrachtend: "Gott weiss, wir sind nur Staub", heisst es da im abschliessenden Choral. "Gleich wie das Gras vom Rechen, ein Blum und fallend Laub, der Wind nur drüber wehet, so ist es nimmer da." Sacht wie ein Windhauch singt der Chor das, lässt alle Schönheit und Fröhlichkeit der Welt, die in der Kantate zum Klingen kommt, ergeben hinter sich. Die rechnende Seele hält den Atem an.

Die Solisten kamen am Freitag aus den eigenen Reihen des Chors. Tenor Sören Richter, konnte sich im vollen Strahlklang der Streicher unforciert natürlich behaupten. Altus Jan Börner stellt nach dem Eingangschor geschmeidig das Gotteslob der sichtbaren Welt vor Augen - und gibt der Referentin Vanessa Wood das Stichwort für die Reflexion: die Ordnung der Natur als Spiegel göttlicher Ordnung.

Deutlich und klar sprach Daniel Pérez stellvertretend im Bassrezitativ das grosse Dankgebet, das sich durch die Kantate wie ein roter Faden zieht. Flinkheit erforderte die Arie "Herr, deine Güte reicht so weit der Himmel ist" von Sopranistin Noëmi Sohn Nad: der Wind, der hier die Wolken weithin ziehen lässt, wirbelt etliche Stärken höher als im schwebenden Schlusschoral, prächtig umspielt von den zwei konzertierenden Violinen.

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