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AUSTROPOP: Tote singen lauter

Vor 20 Jahren setzte ein Autounfall dem Leben des Popstars Falco alias Johann «Hans» Hölzel ein jähes Ende. Sein ehemaliger Manager Horst Bork sagt, wie exzentrisch der Sänger wirklich war.
Olaf Neumann
«I mog nit», sagte Falco, als Madonna anfragte, ob er mit ihr ein Duett singe. (Bild: EPA (Augsburg, 12. Oktober 1985))

«I mog nit», sagte Falco, als Madonna anfragte, ob er mit ihr ein Duett singe. (Bild: EPA (Augsburg, 12. Oktober 1985))

Interview: Olaf Neumann

Am 6. Februar 1998 starb Johann «Hans» Hölzel alias Falco. Der Wiener ist für den Austropop nach wie vor massgebend. Bands wie Wanda und Bilderbuch haben sein Erbe angetreten. Zum 20. Todestag erscheint die ­Tri­bute-Platte «Falco Coming Home». Zudem geht «Falco – das Musical» in die nächste Runde. Sein langjähriger Manager Horst Bork erinnert sich nicht nur an angenehme Erlebnisse.

Horst Bork, war Falco ein schwieriger Künstler?

Falco war nicht schwierig, er war sehr professionell, wenn es um seine Karriere ging. Da wusste er genau, was er wollte, und hat alles dafür getan, es umzusetzen. Schwierig war er nur bei Details.

Falco liess einen Plattendeal für sechs Millionen Dollar platzen und verweigerte sich einem Duett mit Madonna. Welche Vorstellungen hatte er von Karriere?

Er hatte sicher auch Vorstellungen von seiner Karriere, die sich mit meinen nicht gedeckt haben. Manager denken anders als Künstler. Falco war aber stets offen für vernünftige Argumente.

Wie sehr haben Sie versucht, ihn zu ergründen?

Man versucht bei jedem Menschen, mit dem man über lange Jahre privat oder geschäftlich zu tun hat, hinter die Fassade zu gucken. Mir ist das bei Falco gelungen, aber es gab auch Bereiche, die mir verborgen blieben. Zum Beispiel sein Privatleben. Ich habe oft den Kopf geschüttelt und gedacht: «Das verstehe ich nicht.»

Falco hatte einen selbstzerstörerischen Anteil, den er nicht kontrollieren konnte. War das seine Art, mit dem Druck umzugehen?

Ich glaube, dass aus dem Druck, der sich da aufgebaut hat, grosse Selbstzweifel herausgewachsen sind. Dem Druck konnte er nur schwer standhalten. Als dann bei Falco die ganz grossen Erfolge ausblieben, hat ihn das unwahrscheinlich getroffen.

Einmal rauschte er mit seinem Peugeot 205 durch die Glasschiebetür eines bekannten Wiener Hotels und blieb kurz vor der Bar stehen. Oder er zerschlug all seine Gold- und Platinplatten. An welche Katastrophe erinnern Sie sich besonders gut?

Da gab es einige. Etwa als er in Tokio im Hotel die Sprinkleranlage ausgelöst hat, weil er ein brennendes Stück Papier unter die Tür geschoben hat. Es gibt mit populären Künstlern immer Erlebnisse, die nicht so angenehm sind.

Wie bewerten Sie Falcos musikalischen Einfluss?

Falco war nie Bestandteil der damals populären «Deutschen Welle», dieser hat er sich nie zugehörig gefühlt. Sein Beispiel, neue Wege zu gehen und alle musikalischen Konventionen ausser acht zu lassen, hat sicher eine Generation von Musikerinnen und Musikern beeinflusst. Er hat mit unverschämter Selbstverständlichkeit seinen Weg gesucht und gefunden.

Worauf haben Sie bei der Zusammenarbeit mit Falco besonderen Wert gelegt?

Als Künstler wird man unter anderem am Erfolg gemessen. Der Künstler erwartet auch, dass man als Manager den Erfolg nicht ­verwaltet, sondern weiterführt. Falco hat keinen Hehl daraus ­gemacht, dass sein Hauptaugenmerk auf den Einnahmen lag. Was ja nichts Negatives ist für ­einen Künstler.

Als deutschsprachiger Sänger peilte er von Anfang an eine Weltkarriere an. Muss man im Musikgeschäft grössenwahnsinnig sein?

Grössenwahn ist sicher nicht sehr hilfreich, aber eine Portion Mut bis hin zum Übermut gehört ­unbedingt dazu. Aber auch eine übergrosse Portion Übermut ist ohne die richtigen Titel zur rechten Zeit ohne Wirkung. Erfolg in Falcos Dimensionen funktioniert nur, wenn alle Parameter im entscheidenden Moment deckungsgleich sind, dann kann etwas Grossartiges passieren.

Nur ein toter Star bewegt mehr als ein lebender, siehe Michael Jackson.

Es ist in der Branche ein offenes Geheimnis, dass Künstler nach ihrem Tod sehr gut verkaufen. Plattenfirmen sind keine karikativen Einrichtungen. Warum sollten sie nicht die Früchte ihrer Investitionen ernten?

Was hat «Falco – Das Musical» dem Mythos Falco noch hinzuzufügen?

Natürlich soll das Musical in erster Linie unterhalten und den Star mit seinen markantesten Hits rühmen. Auf der anderen Seite gibt es die Schattenseiten in Falcos Leben, die man nicht verschweigen kann. «Falco – Das Musical» gibt Einblick in die Gefühlswelt von Hans Hölzel und setzt gerade damit dem Weltstar Falco ein würdiges Denkmal. Dabei geht es schrill, bildgewaltig und ein wenig verrückt zur Sache.

Falco – das Musical

Basel, Musical-Theater: 15.2., Singen DE, Stadthalle: 16.2., Zürich, Halle 622: 17.2., Bregenz, Festspielhaus: 21.2.; jeweils 20 Uhr.

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