AUSSTELLUNG: Zwischen Behausung und Freiheit

Kaum ein Werk ist so unterschiedlich wie das Katharina Rapps. Häuser aber kehren immer wieder, sind wie ein roter Faden in Malerei und Objekten. Jetzt zeigt der Kunstverein Frauenfeld die Winterthurer Künstlerin.

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Malen als Tagebuch: Katharina Rapp. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Malen als Tagebuch: Katharina Rapp. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Jeder Raum im Berner Haus soll anders sein. Katharina Rapp ringt beim Hängen mit dem Platz und der thematischen Bündelung, als werde sie von ihrer eigenen Kunst überwältigt. Sichtbar ist ein ungemeiner Gestaltungswille, eine ungebrochene Freude am Ausprobieren. Sie erinnert sich bei jedem Werk an Ort, Stimmung, das Drum-und-dran. Hier farbenfrohe Impressionen aus Italien, wo sie ein Häuschen hat, aus Hawaii, wo sie fast jedes Jahr ist (stets beginnt sie mit einer schwarzen Fläche); da Herbstbilder mit tiefem Blau; drüben Träume, mit Tusche skizziert, «wenn mir mein Mann abends vorliest»; sodann Assemblagen und Einzelobjekte aus Funden im Wald oder am Strand, auch textile Arbeiten.

«Bei sich selber sein – und in der Welt sein»

Und immer wieder Häuser: gemalt oder, häufiger, als Objekte. Fast immer ragen Drähte aus ihnen, Antennen gleich. «Sie symbolisieren die Quelle der Inspiration», sagt die Künstlerin. Weshalb immer wieder Häuser, was bedeutet ihr das Haus? «Es steht für das Behaustsein, das Daheimsein, für Schutz und Geborgenheit, für Erdung.» Das Haus ist ihr ein Rückzugsort, obwohl sie ebenso gern fort geht. Es kann aber auch für das Gegenteil stehen, für das Eingesperrtsein wie bei einem Vogel.

Katharina Rapps Werke sind ein Tagebuch. Die Künstlerin, eine Quereinsteigerin, malt ihr Leben und wie ihr das Leben widerfährt. «Wenn ich unterwegs bin, muss ich mich immer um­sehen.» Ein Schatz von wahrgenommenen Formen und Eindrücken kommt zusammen, der auf Umwandlung wartet. Keine Menschen – deren Befindlichkeit drücken die Häuser aus. Oxyd-Kurator Peter Killer fasst Katharina Rapps Ausgleich in einer Monografie zusammen: «Bei sich selber sein – und in der Welt sein.»

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Vernissage: Sa, 11.11., 17.30 Uhr, Bankplatz 5, Frauenfeld; bis 10.12. Sa 10–12/14–17, So 14–17 Uhr