AUSSTELLUNG: Zum Fliessen kommt das Spiegeln hinzu

Die Amriswiler Künstlerin Ute Klein zeigt in der Galerie Bleisch neue Arbeiten der letzten zwei Jahre. Sich mit ihren Bildern zu beschäftigen heisst auch: der Kunst nachzuspüren, wie Farben auf Farben reagieren.
Martin Preisser
Ute Klein reagiert mit ihren Spiegelarbeiten auch auf die Raumsituation der Galerie. (Bild: Sabrina Stübi)

Ute Klein reagiert mit ihren Spiegelarbeiten auch auf die Raumsituation der Galerie. (Bild: Sabrina Stübi)

Ein Markenzeichen ihrer Kunst der letzten Jahre ist das Fliessenlassen der Farben anstatt diese mit dem Pinsel aufzutragen. Diesen Fluss der Farben gibt es auch in den neuen Arbeiten. «Aus anderem Licht» heisst ein Bild Ute Kleins. Und tatsächlich scheinen die fliessenden Farben im Vergleich zu früheren Bespielen ruhiger und von gedeckterer Tönung.

Das Fliessen beherrscht Ute Klein sichtbar noch erfahrener und virtuoser. Vielen Farbflüssen sieht man das Fliessen nicht mehr direkt an. «Jenseits polar» ist eine solche Arbeit, die auch beweist, dass das Fliessen hintergründiger geworden ist. Wie ­angehaltener treibender Sand wirkt da eine Farbbahn. Viele der neuen Bilder entfalten beim längeren Betrachten eine ­Strahlkraft, die durch Farbtiefe entsteht. Die speziellen Farbkombinationen erlauben ein Zoomen zwischen verhüllt und enthüllt.

Ute Klein ist eine Künstlerin, die seit Jahren an ihrer Vorstellung von Farbe arbeitet. Auch die aktuellen Arbeiten zeigen, dass hier eine Malerin unterwegs ist, die ihren Weg nicht gehetzt oder beeinflusst geht, sondern die eigene Bildsprache in entspannter und doch konzentrierter Haltung weiterentwickelt. Mit «Wandeln» sind viele Bilder betitelt. Es sind allesamt die Werke, bei denen Ute Klein neu mit Spiegeln arbeitet.

Die von abstrakt bis organisch, von kalkuliert bis zufällig wirkenden Formen zerflossener Farbe werden auf den Spiegelbildern zu unbemalten Spiegelflächen, also quasi zu Negativen von vorher Gemaltem.

Geschickt sind diese kleinformatigen Arbeiten so gehängt, dass sich in den «leeren» Spiegelflächen Farben und Formen anderer Bilder, aber einfach auch Ausschnitte der sich spiegelnden Aussenwelt ergeben. Ähnlich wie der Zufall bei der fliessenden Farbe eine gewisse, in den neueren Arbeiten virtuoser kalkulierte Rolle spielt, erzeugen die Spiegelbilder eine überraschende Zusatzwirkung, die sich der Steuerung durch die Künstlerin entzieht.

Der Reiz der Ausstellung in den neuen Räumen der Galerie Bleisch liegt wiederum in einem speziellen Farbenrausch, den Ute Klein intensiv, aber auch ruhig, oft fast meditativ gestaltet. Das Wechselspiel zwischen den hingeflossenen wie spiegelnden Motiven und der Farbe selbst ist ein weiterer Anziehungspunkt dieser konsequenten Farbkunst Ute Kleins.

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

Hinweis Bis 17.3., Galerie Bleisch, ­Grabenstrasse 2, Arbon. Mi–Fr 14–18, Sa 11–16 Uhr. So, 4.3., 11 Uhr: Rundgang mit der Künstlerin.

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