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AUSSTELLUNG: Malend Alltagseindrücke verarbeiten

Kluge Reduktion und Vereinfachung zeichnen die Werke des St. Galler Künstlers Alfred Sturzenegger aus. In seiner aktuellen Werkschau im Architekturforum Ostschweiz zeigt er über 50 seiner zumeist abstrakten Arbeiten und treibt Reduktion auf die Spitze.
Monochrome Farbflächen, flüchtige Improvisationen: Kunstwerke von Alfred Sturzenegger. (Bild: Urs Bucher)

Monochrome Farbflächen, flüchtige Improvisationen: Kunstwerke von Alfred Sturzenegger. (Bild: Urs Bucher)

Wir leben in Zeiten, in der Kunst mit Mega-Hybris, Protzertum und Materialschlachten zu kämpfen hat. Ein abschreckendes Beispiel dafür lieferte eben erst Damian Hirst an der Biennale in ­Venedig. Manch Kunstfreund schüttelt angesichts dessen bedauernd den Kopf und sehnt sich nach Kunst, die mit kluger Reduktion und Vereinfachung aufwartet.

Einer, der sich diesem Ansatz seit langem verschrieben hat, ist Alfred Sturzenegger. In seiner aktuellen Ausstellung im Architekturforum Ostschweiz zeigt der in St. Gallen lebende Künstler über 50 zumeist abstrakte Arbeiten auf Papier, die sich aufs Minimum beschränken.

Dies tun sie allerdings so stark, dass der Betrachter nur schwer einen Zugang zu ihnen findet. In zartesten Linien sind in einem der Rahmen an der Wand vier Pfeile zu sehen. Kaum wahrnehmbar sind sie, so fein ist der Strich auf dem Blatt. An anderer Stelle ist eine gänzlich in Rot gehaltene Farbfläche platziert, und wieder anderswo hockt mittig ein grüner Fleck auf dem Papier. Mit einem soliden Grundstock an kunsthistorischen Kenntnissen kann man sich gut mit solchen Arbeiten befassen. Man findet monochrome Farbflächen und Leerstellen, die man in Verbindung mit der sogenannten ­«Minimal Art» bringen kann. Auch stösst man auf flüchtige, improvisierte Strichkompositionen und Materialtexturen. Sie ­erinnern an die abstrakte Kunst des «Informel», an Künstler wie Hans Hartung oder Christian Jouhet und lassen Spannungsverhältnisse zwischen Farben und Linien aufflackern. Schliesslich erkennt man Bezüge zum «Tachismus», einer Variante des «Informel», der der französische Kunstkritiker Pierre Guéguen den Namen gegeben hat. Mit ihr umschreibt man, wenn Künstler spontane Empfindungen mittels Farbflecken auf dem Bildträger abbilden.

Reduktion auf die Spitze getrieben

«Ideen allein können Kunstwerke sein», hat Sol Le Witt, Begründer der Konzeptkunst, schon 1969 gesagt. Seine Worte kann man beherzigen und Sturzeneggers Arbeiten dahingehend würdigen, arbeitet der Künstler ja mit dem Konzept vom «Besonderen im Alltäglichen»: Zeichnend, malend und collagierend verarbeitet er aufgefundene Alltagseindrücke in seiner Kunst weiter.

Ohne theoretisches Wissen steht man aber recht ratlos vor den Bildern. Hier ist Reduktion so auf die Spitze getrieben, dass selbst einzelne Werke in sich verloren wirken und keinen Anschluss an ihren Nachbarn finden. Da ändert auch die Vielzahl von Arbeiten an der Wand und die Vielfalt der Ausdrucksweisen in den Rahmen nur wenig. Man rätselt, nach welchen Kriterien der Künstler seine Elemente ausgewählt hat. In welchem Moment wurde für ihn etwas darstellenswert? Nachdenklich steht man etwa vor einer Serie mit sechs ­gerahmten Kartontafeln. Eine Erläuterung würde hier helfen, um auch ohne Fachkenntnisse den Zugang zu den Botschaften zu finden. Da diese ausbleibt, ­verharren die meisten Arbeiten hermetisch abgeschlossen für sich.

Wünschenswert wäre auch gewesen, die Beschaffenheit des Ausstellungssaals stärker für die Szenografie zu nutzen. Die Säulen, die Flächen zwischen den Fenstern ebenso wie der karge Boden hätten für einen spannungsvollen Dialog zwischen Gesamtwerk und Raum intensiver ausgelotet werden dürfen.

Dorothee Haarer

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Ausstellung Alfred Sturzenegger, Architekturforum Ostschweiz, St. Gallen, bis 10. Dezember, Di–So 14–17 Uhr, www.a-f-o.ch

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