AUSSTELLUNG: Himmelsbläue und Erdenschwere

Zum 25. Geburtstag schenkt sich die IG Halle in Rapperswil unter anderem eine Reise zum Mond und zum Vulkan Stromboli. Kunst von Markus Lüpertz bis Roman Signer macht es möglich.

Christina Genova
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Himmelstor: Andreas Hofers Hommage an Fra Angelico. (Bild: PD)

Himmelstor: Andreas Hofers Hommage an Fra Angelico. (Bild: PD)

Christina Genova

christina.genova

@tagblatt.ch

Nicht ganz aus heiterem Himmel, doch aus dem spontanen Impuls heraus, die ehemalige Giesserei der Firma Gebert in Rapperswil mit Ausstellungen zu bespielen, taten sich 1992 ein paar Kulturinteressierte zusammen und gründeten die IG Halle. 25 Jahre und rund 110 Ausstellungen später scheint deshalb «Out of the Blue» ein recht passender Titel für die Geburtstagsausstellung im Kunstzeughaus Rapperswil, wo die IG Halle seit 2008 Unterschlupf findet. Kuratiert hat die Schau Kulturwissenschafter ­Peter Röllin, der dem Verein seit dessen Gründung vorsteht. Ab August übergibt er die Leitung an Guido Baumgartner und Charly Hochstrasser, bleibt aber weiterhin im Vorstand tätig. «Ich will eine Balance zwischen Erdenschwere und Heiterkeit», sagt Röllin über sein Ausstellungskonzept, das 16 Kunstschaffende vereint und das er auf die Kurzformel «Himmel oben – Himmel unten» bringt.

In 90 Minuten durchs Weltall

Meisterhaft gelingt es Roman Signer in seiner Kunst, die Kräfte des Himmels und der Erde sichtbar zu machen. In der mit Stefan Rohner produzierten Arbeit «Stromboli» schiesst er mit Raketen rote Bänder über den Vulkan. In einer neuen, in Rapperswil erstmals öffentlich gezeigten Arbeit spannen zwei Ventilatoren einen Regenschirm abwechselnd auf und wieder zusammen. Den Himmel unter die Erde bringt Thomas Stricker. Der St. Galler, der in Düsseldorf lebt, hat dort 2016 den U-Bahnhof Benrather Strasse gestaltet. Im Untergrund kann man sich auf eine 90-minütige Reise durchs Weltall begeben – von der Venus zu fernen Sternennebeln und schliesslich zurück zur Sonne. 600 Millionen Menschen verfolgten am 21. Juli 1969 die Mondlandung am Fernsehen. Der damals 26-jährige von Pop-Art beeinflusste Edy Brunner dokumentierte die Liveübertragung in 23688 kleinformatigen Farbfotos. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf die Israelin Naomi Leshem den Verlust ihres Mannes. Sie verarbeitet ihn in ­berückenden Fotografien: Der tiefblaue, weite Himmel über der Startbahn des Flughafens ist Trost und Memento mori zugleich. In die Unendlichkeit geöffnet wird der Himmelsraum durch Andreas Hofer. Sein Werk ist eine Hommage an die Farbenwelt des Fra Angelico, eines Malers der Frührenaissance. Der vom Informel geprägte Werner Schmidt beschäftigt sich in einem Zyklus mit dem transzendentalen Himmelblau, der Farbe «Techeleth», die in der hebräischen Bibel mehrfach erwähnt wird. Einblicke in den Himmel als Ort des Göttlichen erlauben die barocken Kirchenmaler. Ihre Himmelsvorstellungen dokumentiert Edy Brunner, indem er alle Kirchendecken im Vallemaggia fotografierte.

Etwas gar plakativ weist Kurator Peter Röllin mit einer Installation auf die ganz und gar nicht himmlischen Seiten der Religionen hin. Von einem hölzernen Koranpult scheint Blut zu tropfen. Im Namen des Glaubens wurde jedoch nicht nur im Islam, sondern auch im Christentum und in anderen Religionen gemordet.

Vernissage, So, 21.5., 11.30 Uhr, Kunstzeughaus Rapperswil; bis 30. Juli. Rahmenprogramm unter www.ighalle.ch