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AUSSTELLUNG: Hier kommt alles zusammen

Ein besonderer, ein unüblicher Kunstort ist das Haus zur Glocke in Steckborn. Gespräche statt Hingucker, Suppe statt Cüpli, Austausch statt Soloausstellungen.
Dieter Langhart
«Wer die Arbeit macht» im Haus zur Glocke, Steckborn: Kuratorin Judit Villiger und Künstler Othmar Eder stehen auf einer Bodenarbeit Werner Widmers. (Bild: Dieter Langhart)

«Wer die Arbeit macht» im Haus zur Glocke, Steckborn: Kuratorin Judit Villiger und Künstler Othmar Eder stehen auf einer Bodenarbeit Werner Widmers. (Bild: Dieter Langhart)

Dieter Langhart

dieter.langhart

@tagblatt.ch

Aus Weltladen mach Weltbegegnung. Aus Riegelhaus mach einen Kunstort. Aus Nabelschau mach Diskussion über Kunst. Das wollte Judit Villiger, das hat sie gemacht im Haus des früheren Gloggelade, eines genossenschaftlich geführten Bioladens. Judit Villiger hat das Haus gekauft (sie wohnt gleich gegenüber) und hat es umgebaut. Dezent, so dass es weiter seine Geschichte atmet.

Die Künstlerin und Dozentin für Kunstpädagogik ist in Zürich daheim und in Steckborn. Und seit über einem Jahr führt sie Künstler zusammen und bringt sie mit Besuchern zusammen im Haus zur Glocke mitten im Städtli Steckborn, unterstützt unter anderem von der Thurgauer Kulturstiftung.

«Das ist keine Galerie, kein White Cube, eher ein Offspace», sagt sie. Keine Einzelausstellungen – Künstler sollen sich miteinander auseinandersetzen, sollen miteinander besprechen, was sie ausstellen, sollen diskutieren, was Kunst ist. Im zweiten Jahr geht es Judit Villiger um die künstlerische Arbeit, um Arbeitsformen in der Kunst. Wo Arbeit passiert. «Wer die Arbeit macht» heisst ihre fünfte Ausstellung.

Ein Fussboden, ganz aus Zucker

An einer Wand sind vier Tapetenschichten erkennbar – eine davon, ein Mäanderornament, erinnert an Werner Widmers Bodenarbeit im zweiten Stockwerk. Oder ist es umgekehrt? Oder Zufall? Der Künstler aus Eschlikon hat mit braunen und weissen Zuckerwürfeln den Zwischenboden ausgelegt. Lückenlos. Ist es ein Labyrinth, ein QR-Code, ein antikes Mosaik? Werner Widmer versperrt damit Räume und öffnet sie. Und nach der Ausstellung wird aus dem rezyklierten Zucker Futter für Bienen.

Man muss über diesen Boden gehen, will man in den nächsten Raum gelangen. Da zeigt Othmar Eder ebenfalls Pflästerungen – weitaus stabilere. Während seiner Aufenthalte in Lissabon hat der Stettfurter Künstler Steinsetzer gefilmt, die mit unglaublicher Geschwindigkeit Pflaster legen. Das Video projiziert Eder auf den Holzboden, und an der Wand hängen Zeichnungen von verlegten Steinen und Fussabdrücken im Sand. Wie Stillleben. Zwei Künstler, die auch schon zusammengearbeitet haben und jetzt raffiniert aufeinander eingehen.

Suppe schöpfen und die Arbeit enthüllen

Kontraste aus Textilkunst hängt die Künstlerin Lucia Lienhard von der Bosna Quilt-Werkstatt in Bregenz an die freien Wände im Haus: Quilts aus frechen Farben und frechen Formen von Frauen aus Goražde und Sarajewo.

Samstags lockt die Besenbeiz zum Gespräch, zum Austausch und zur Suppe eines der Künstler (oder seiner Frau). Und einmal wird die Suppe drüben im Phönix-Theater geschöpft, vor einem Konzert. Zuerst jedoch, zur Vernissage, liest Zsuzsanna Gahse einen Text zum Thema Arbeit. «Die Enthüllung der Arbeit» erscheint auch als Büchlein.

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