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AUSSTELLUNG: Heisses Eisen «Heimat»

Daniel Ammann und Konstantin Papageorgiou haben zusammengespannt und durchleuchten in der Galerie vor der Klostermauer mit «Hi-mat, Highmat, Heimat» diesen Begriff auf vielfältige Weise.
Dorothee Haarer
Ammann/Papageorgiou mit einer Auswahl ihrer Arbeiten. (Bild: Daniel Ammann (Herisau, 16. Oktober 2017))

Ammann/Papageorgiou mit einer Auswahl ihrer Arbeiten. (Bild: Daniel Ammann (Herisau, 16. Oktober 2017))

Dorothee Haarer

ostschweizerkultur

@tagblatt.ch

Der Begriff Heimat wird in Zeiten von Krieg und Flucht zum emotionalen Minenfeld. «Dann erst recht!», scheint das Duo Daniel Ammann und Konstantin Papageorgiou zu denken – und führt mit «Hi-mat, Highmat, Heimat» trotzig-lustvoll vor, was «Heimat» liebens- und hassenswert macht.

«Wir sind uns schon immer bewusst, dass das Fleckchen Erde, das wir Heimat nennen, privilegiert ist. Und dass wir davon profitieren, dass anderswo die Heimat eines Unbekannten für unseren Wohlstand ausgebeutet wird. Neues Beispiel: «Paradise Papers …», erklärt Daniel Ammann. Und Konstantin Papageorgiou ergänzt: «Das Wort Heimat ist ja mehrheitlich positiv. Es steckt aber halt auch Dunkles drin. Mit unseren Arbeiten sowie dem Wortspiel im Ausstellungstitel wollen wir die Besucher zum Nachdenken anregen. Wenn auch ein kritischer Gedanke dabei rauskommt, umso besser.»

Welche Gedanken die beiden befreundeten Ausstellungsmacher zum Thema «Heimat» in sich tragen, zeigt die Vielseitigkeit der Exponate, die man in der St. Galler Galerie vor der Klostermauer zu sehen bekommt. Ein Beispiel ist das «Goldene Kalb» im Erdgeschoss der Galerie: eine Installation mit goldfarbenem Rindvieh, das zahllose Geldscheine in ein Fass ohne Boden scheisst. Es könnte kaum ein treffenderes Sinnbild für die Gier vieler liefern, welche die Schweiz ihre Heimat nennen und gedankenlosen Anspruch auf den hiesigen Wohlstand erheben.

Gebäck, Brauchtum und Star Wars

Daneben hängt eine Fotoserie mit Backwaren. «Spitzbuben», um genau zu sein. Fast jedem Gebäck-Gesicht fehlt allerdings der untere Teil, quasi die Mundpartie. Sie wurde nämlich weggebissen. Dadurch wirkt die ganze ­Erscheinung beschädigt und ­unglücklich. Das heimatliche Wohlgefühl, welches sich so gut mit einem intakten Naschwerk verbinden liesse, weicht einer Melancholie, die bedrückt.

Um heimatliches Brauchtum geht es im 1. Stock. Neben Silvesterchläusen hängen Scherenschnitte mit Appenzeller Motiven an der Wand. Gut gemacht, denkt man schnell, doch neu ist das nicht. Erst beim zweiten Blick entpuppen sich die vermeintlichen Papierbasteleien als digitale Drucke mit überraschenden Motiven. Denn über Gebirgszügen kreisen Kriegsbomber am Himmel und werfen Geschenke ab. Und irgendwo saust ein Sternenkreuzer à la Star Wars durch die Luft. Schelmisch spielt das Künstlerduo mit dem, was man «kul­turelle Heimat» nennen könnte und vermischt alte Traditionen mit neuen Einflüssen.

«Hi-mat, Highmat, Heimat» ist eine emotionale, heterogene Schau voller Werke und Aussagen, die mal gefällig, mal poppig, mal subtil sind. Der, der sich eine durchkomponierte und einem strikten Konzept folgende Ausstellung wünscht, ist hier fehl am Platz. Wer aber gewillt ist, einen Werk-Mix auf sich wirken zu lassen, den man getrost als «räumliche Assemblage» auffassen darf, wird an diesem bunten Durchleuchten des Heimatbegriffs – von liebevoll bis bissig – sein staunendes Vergnügen haben.

Bis 26.11., Galerie vor der Klostermauer, St. Gallen, Do/Fr 18-20, Sa 11–15, So 11–13 Uhr; So-Apéro, 19.11., 11–13 Uhr

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