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AUSSTELLUNG: Heisser Zucker trifft auf Schnee

Die Kunsthalle Arbon eröffnet ihre Saison mit dem international renommierten Zürcher Künstler Bob Gramsma. Die Materialien für sein Werk hat er sich in der Region besorgt.
Daniel Lüthi
Hat sich für sein Kunstwerk die Hände verbrannt: Bob Gramsma und sein «Sugarsnow». (Bild: Daniel Lüthi)

Hat sich für sein Kunstwerk die Hände verbrannt: Bob Gramsma und sein «Sugarsnow». (Bild: Daniel Lüthi)

Daniel Lüthi

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Ein zentrales Element dieser ­Installation ist der Raum, der sie umgibt: Diese grosse alte Industriehalle, wo einst Blechpress­teile fabriziert wurden, für Schubkarren zum Beispiel. Eindrücklich seine Grösse und Ausstrahlung, faszinierend das Licht, das ihn durch die schrägen Oberlichter der markanten Scheddächer erhellt. «Mich interessiert die Auseinandersetzung mit einem Ort und seinen aktuellen Bedingungen», sagt Bob Gramsma, der oft auch aus «Unorten» neue, eigene Räume schafft. Sein imaginärer Raum aber geht auch diesmal weit über den Ort der Ausstellung hinaus. Er reicht bis ins nahe ­Naturschutzgebiet, die Zucker­rübenfelder im Umland, die Zuckerfabrik von Frauenfeld und bis in die Rorschacher Eissporthalle. Dort hat Gramsma das Material für sein Werk besorgt: Schnee als Abfallprodukt der Eisbahn, Zucker und Schilfhalme.

Auf die Idee, wie diese Materialien kombiniert werden können, muss einer zuerst mal kommen. Das hat etwas Geniales. Aber der Reihe nach, denn der Prozess ist mindestens so wichtig wie sein Resultat.

Aktion mit Risiken und Unsicherheiten

Mit Schubkarren – die vielleicht gerade hier einst produziert worden waren – werden einige Kubikmeter Schnee in die Halle transportiert. Gramsma formt den Haufen, schafft eine Oberfläche. Jetzt werden Schilfhalme hineingesteckt. Und schliesslich giessen der Künstler und seine Helfer den Zucker, den sie zusammen mit Wasser und Glukosesirup auf rund 150 Grad erhitzt und so ­flüssig gemacht haben, über die sichtbaren Teile der Schilfhalme in die sanften Formen des Schnees. Die Aktion ist eine absolute Premiere, sie dauert einen langen Tag und ist mit etlichen Unsicherheiten und Risiken verbunden. Sichtbar sind die Verbrennungen, die sich Gramsma auf seinen Händen beim Hantieren mit dem heissen Zucker geholt hat. In seinem Kopf hundert Fragen: Wird der Zucker hart? Hält er, wenn der Schnee unter ihm weggeschmolzen ist? Und was passiert mit den filigranen Schilfhalmen unter der etwa 220 Kilogramm schweren Last?

Improvisieren gehört bei Gramsma dazu, wie das Risiko. «Es gibt immer Realitäten, die meine Pläne ergänzen oder durchkreuzen, das ist Teil meines Schaffens», erklärt er. «Sugar­snow, OI#17239» wird sich weiter verändern und schliesslich ganz verschwinden. Bevor der Schnee wegschmolz, lag auf ihm eine dünne, bernsteinfarbige, mit Glasfasern - ja: auch aus der Region – verstärkte Platte mit Höhen und Tiefen, Hohlräumen und Auswuchtungen.

Eine Art Landschaft, die etwa einen halben Meter über dem Boden der Fabrikhalle «schwebt», Schilf sei Dank.

Räume sind Bob Gramsma wichtig – auch solche für die persönlichen Interpretationen derjenigen, die einem Werk begegnen. «Wer mit einer vorgefassten Meinung kommt, was Kunst ist und was nicht, wird wohl Mühe haben, einen Zugang zu finden», sagt der Künstler. «Sugarsnow OI#17239» lädt ein, Raum zu erleben, der auch über das Sichtbare, das Vorhandene hinausreicht. Bis hin zu ökologischen oder wirtschaftlichen Themen. Oder bis hin zur Frage: Wann ereignet sich Kunst?

Übrigens: Wenn jemand «Sugarsnow OI#17239» als Objekt ganz einfach schön finde in diesem so speziellen Umfeld, dann sei dies o. k., sagt Bob Gramsma. Für alle Beteiligten.

Bis 14. Mai, Kunsthalle Arbon. Fr 17–19, Sa/So 13–17 Uhr, ­Grabenstrasse 6. Making-of-Video auf Youtube, Suchen unter Gramsma, Arbon

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