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AUSSTELLUNG: Götter, Menschen und Madonnen

Valentin Magaro zeigt in der Arboner Galerie Adrian Bleisch «Arbeiten auf Papier». Der Ausstellungstitel ist eine glatte Untertreibung – in einem einzigen Raum tun sich Welten auf. Welten-Räume.
Dieter Langhart
«Es passiert einfach»: Galerist Adrian Bleisch vor einer Werkserie Valentin Magaros. (Bild: Dieter Langhart)

«Es passiert einfach»: Galerist Adrian Bleisch vor einer Werkserie Valentin Magaros. (Bild: Dieter Langhart)

Dieter Langhart

Wer in den unteren Ausstellungsraum der Galerie Adrian Bleisch kommt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Eine Welt tut sich ihm auf. Nein – ganze Welten tun sich ihm auf. Welten, die so real sind, weil sie so sein könnten. Weil sie sich der Künstler Valentin Magaro so ausgedacht hat. Vorweg: in seinen Welten kommen Frauen und Madonnen vor, Affen und balinesische Götter, Stadtpläne und Totenköpfe.

Valentin Magaros gezeichnete, collagierte und gemalte Welten zeugen von einer unbändigen Fantasie, die jedoch mit Fantasy nichts am Hut hat. Auch wenn der Künstler seiner Handschrift treu bleibt, zeugen seine Arbeiten von einer ungebrochenen Neugier am Menschen und seiner Welt, zeugen vom Ausprobieren und Variieren.

Hamburger Stadtplan und ein Drachenhahn

Wie zeigt sich Valentin Magaros Handschrift? Nehmen wir die dreidimensionalen Kastenbilder: Das Motiv der Frauengestalt (es ist seine Ehefrau) wandert von Bild zu Bild: nie gleich, aber stets erkennbar. Dasselbe tut der Affe, das andere Motiv. Nehmen wir eine Serie von Collagen – in jedem Bild steckt ein Stück Stadtplan von Hamburg. Warum? Der Künstler gibt uns Rätsel auf, deckt uns mit Anspielungen ein, doch nie zieht er uns den Boden unter den Füssen weg. Da mag ein Totenkopf neben einer liegenden Frauenfigur zu sehen sein – unheimlich ist das keineswegs, nicht grauslig und nicht provokativ und erst recht nicht wie ein grelles Lachen. Valentin Magaros Humor ist das feine Lächeln eines ernsthaften Menschen.

«Es passiert einfach», hat Valentin Magaro zu Galerist Adrian Bleisch gesagt. Und meinte zum Beispiel jene Fünferserie mit Variationen über ein Fabelwesen, eine Kreuzung aus einem Hahn und einem Drachen – auf jedem Bild sind andere Füsse. Noch ein Tier, gewiss kein anmutiges, in dreifacher Ausführung. Auf einem Tisch mitten im Ausstellungsraum liegen Bleistiftskizzen, die der Künstler von einer Reise nach Bali mitgebracht hat. Alles dreht sich um Haniman, den Affengott. Magaro hat ihn auch in Holz daheim, in mehrfacher Ausführung.

Eigene Bildsprache zwischen figürlich und abstrakt

Als erstes hat er das wissenschaftliche Zeichnen gelernt, und er ist im Herzen und auf Papier Zeichner geblieben: Valentin Magaro, 1972 in Münsterlingen geboren und in Winterthur lebend. Die Exaktheit hat er als Künstler beibehalten, auch die naturgetreue Wiedergabe, die damals gefordert war. Doch seither arbeitet er an einer eigenständigen Bildsprache, die figürliche und abstrakte Elemente vereint und verwebt. Steht man vor einer Zeichnung oder Collage Magaros, ist die Handschrift unverkennbar.

Auch wenn er dreidimensional arbeitet, die Zeichenebene ist stets vorhanden und dominant. Eine eigenwillige und reizvolle Verbindung von Fläche und Räumlichkeit entsteht – und Raum bedeutet diesem Künstler stets auch Welt und Weltsicht, bedeutet Kosmos, aber nicht Unendlichkeit.

Valentin Magaro sagt: «Seit den Anfängen meiner künstlerischen Auseinandersetzungen interessiert mich die Erfindung des inhaltlichen und formalen Bildraumes.» Für ihn ist die Bildfläche ein «Träger von Ideen und Vorstellungen – eine Bühnenwelt, in der Bildfragmente auftauchen und wieder verschwinden». Bei seinen «virtuellen Bilderreisen» stelle sich ihm stets die gleiche Frage: «Was war eigentlich zuerst: die Welt oder ihr Abbild?» Für ihn hält sie stets beide Antworten bereit, und daraus schöpft er immer wieder neue Variationen und Kombinationen.

«Auf den ersten Blick wirken Valentin Magaros Kompositionen übersichtlich und homogen», sagt Adrian Bleisch. «Doch dieser erste Blick täuscht, denn die Bilder zerfallen letztlich in ihre Bestandteile und spiegeln so die Unübersichtlichkeit der Wahrnehmung unserer Welt.»

Ein ehrlicher und ­beharrlicher Zeichner

Und dann sieht der Besucher die hintere Wand mit Zeichnungen zu einem Motiv. Siebenundzwanzig Frauenfiguren blicken ihn an, die Arme ausgebreitet. Seit längerem ist Valentin Magaro fasziniert von der «Ravensburger Schutzmantelmadonna» des spätgotischen Bildhauers Michel Erhart; die Serie, die eigens für diese Ausstellung entstanden ist, soll der Beginn einer vertieften Auseinandersetzung sein, sagt Adrian Bleisch. Er kennt Valentin Magaro seit zehn Jahren, seit dem Adolf-Dietrich-Förderpreis. «Für mich ist es äusserst spannend, seinen Weg mitzuverfolgen.» Den Weg eines der ehrlichsten und konsequentesten Zeichner.

Valentin Magaro: Arbeiten auf Papier, Galerie Bleisch, ­Schlossgasse 4, Arbon. Bis 15.7. Mi–Fr 14–18, Sa 11–16 Uhr galeriebleisch.ch valentinmagaro.ch

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