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AUSSTELLUNG: Die Twin Towers sind zurück

In der Kunstzone der St. Galler Lokremise hat Bettina Pousttchi das World Trade Center installiert. Sie stellt damit Fragen nach dem Symbolgehalt von Architektur und nach dem Preis der Sicherheit.
Christina Genova
Bettina Pousttchi zwischen den Türmen des New Yorker World Trade Centers. (Bild: Ralph Ribi)

Bettina Pousttchi zwischen den Türmen des New Yorker World Trade Centers. (Bild: Ralph Ribi)

Christina Genova

christina.genova@tagblatt.ch

Man erkennt sie nicht auf den ersten Blick. Erst ist es nur eine Vermutung, denn Bettina Pousttchi hat die beiden Türme leicht verfremdet. Wenn sie Gewissheit wird, ist man perplex. Darf man das: die Twin Towers des New Yorker World Trade Centers wiederauferstehen lassen, 17 Jahre nachdem sie von Terroristen in Schutt und Asche gelegt wurden?

Bettina Pousttchi ist sich bewusst, das ihre Arbeit heikel ist: «Ein paar Jahre lang konnte man das nicht», sagt sie. Es ist nicht das erste Mal, dass die deutsch-iranische Künstlerin ein Gebäude zu neuem Leben erweckt. Zum ersten Mal tat sie dies 2009 an der Fassade der Temporären Kunsthalle in Berlin. Auf ihr war der eben erst abgerissene Palast der Republik zu sehen, gedruckt auf Papier. Sowohl Letzterer als auch das World Trade Center sind Gebäude, die in der kollektiven Erinnerung weiterleben, weil sie derart aufgeladen sind mit Geschichte und Symbolik. Das interessiert Bettina Pousttchi: «Es gibt wohl kein Gebäude auf der Welt, das unser Leben derart verändert hat.»

Das Fremde im Vertrauten

2.70 Meter auf 21 Meter messen die auf Stoffbahnen gedruckten Türme mitten in der Kunstzone der Lokremise. Sie sind an der Decke befestigt und laufen dann über den Boden fast bis zu den Fenstern. «9/11» ist eine Zäsur: Der Kalte Krieg ist definitiv zu Ende, der neue Feind ist der globale Terrorismus. Im Namen des Kampfes dagegen werden Menschenrechte verletzt, die Überwachung des öffentlichen Raumes und des Datenverkehrs hochgefahren. Es sind Themen, die auch im Stück «Lugano ­Paradiso» des Schweizer Autors Andreas Sauter aufgegriffen werden. Bettina Pousttchi nimmt mit ihrer Ausstellung «Protection» (Schutz) Bezug auf das Auftragswerk, das am 22. März in der Lok­remise uraufgeführt wird (siehe Kasten). Die Angst vor Terroranschlägen zeigt ihre Auswirkungen auch in den europäischen Innenstädten. Fussgängerzonen werden mit Betonpollern aufgerüstet. Bettina Pousttchi arbeitet ebenfalls mit Pollern, aber solchen aus Metall. Auch Fahrradbügel und Baumschutzbügel verwendet sie. Die Künstlerin interessiert sich für dieses Mobiliar im städtischen Raum, das uns so vertraut ist, dass wir es kaum mehr wahrnehmen. In einer Metallwerkstatt verdrehte sie die Objekte mit der Blechwalze in­einander und verschweisste sie. Die einen wurden poliert, die andern lackiert, so dass der Prozess der Verfremdung nicht mehr nachvollziehbar ist. Was entsteht, ist eine Zeichnung im Raum, rätselhaft und vertraut zugleich.

Wie viel Fremdheit gibt es im Vertrauten, wie viel Vertrautheit im Fremden? Diese Frage stellt sich auch bei der Betrachtung der Wandreliefs aus gebranntem Ton im Eingangbereich, die an Ornamente aus dem arabischen Kulturraum erinnern. Tatsächlich hat Bettina Pousttchi die Strukturen von Fachwerkhäusern aus Frankfurt abgeleitet. Doch die Holzkonstruktionen sind nur Dekor. Die im Krieg zerstörten Häuser wurden wiederaufgebaut aus Stahl und Beton. Der Schein von etwas Althergebrachtem soll wohl den von einer rasant sich verändernden Welt Verunsicherten ein wenig Trost bieten.

«Protection», bis 17.6.

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