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AUSSTELLUNG: Die Schönheit von Werden und Vergehen

Die Thurgauer Fotografin Simone Kappeler vermittelt in ihren Werken ein Gefühl positiver Langsamkeit. In der Galerie Widmertheodoridis begegnet sie nun künstlerisch dem finnischen Filmer Mika Taanila.
Lucia Angela Cavegn
Vernissage in Eschlikon: Fotografin Simone Kappeler mit Galerist Jordanis Theodoridis vor ihren Werken. (Bild: Werner Widmer/PD)

Vernissage in Eschlikon: Fotografin Simone Kappeler mit Galerist Jordanis Theodoridis vor ihren Werken. (Bild: Werner Widmer/PD)

Lucia Angela Cavegn

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Was verbindet die Thurgauer Fotografin Simone Kappeler (geboren 1952) mit dem finnischen Filmemacher Mika Taanila (1965)? Eine künstlerische Begegnung in Eschlikon. Simone Kappeler verweist mit «Fleur» auf den Naturbezug ihrer neuesten Arbeiten, während Mika Taanila mit dem wortverdrehten Zitat «The Earth Who Fell To Man» auf einen Kultfilm der Siebzigerjahre anspielt, in dem David Bowie die Hauptrolle spielte.

In der Galerie Widmertheodoridis treffen zwei künstlerische Positionen aufeinander, die sich mit Zeit und Vergänglichkeit und der Geschichte von Fotografie und Film auseinandersetzen.

Einmalig und so blau wie der Himmel

Simone Kappelers neueste Werkgruppe besteht aus Cyanotypien, auch Blaudruck genannt. Dieses fotochemische wurde 1842 vom englischen Naturwissenschafter Sir John Herschel entdeckt und bald von der Botanikerin Anna Atkins für die wissenschaftliche Dokumentation von Pflanzen ­genutzt. Die Cyanotopie kommt ohne Kamera aus, setzt aber ein hohes Mass an handwerklichem Geschick und Erfahrung voraus.

Wie ihre historische Vorgängerin hat Simone Kappeler zuerst das Papier mit einer lichtempfindlichen Lösung beschichtet und es dann im Grünen belichtet. Die Aufnahme, eigentlich ein Fotogramm, bildet den Schattenwurf ab. Wo Schatten auf das Papier fallen, bleibt das Papier unbelichtet und weiss, während die dem Sonnenlicht ausgesetzten Partien chemisch reagieren und sich verfärben. Nach Wässerung und Fixierung hat man ein blautoniges Negativbild mit umgekehrten Helligkeitswerten. Die Schwierigkeit liegt darin, das richtige Verhältnis von Sonneneinstrahlung, Lichtempfindlichkeit des Papiers und Belichtungszeit zu ermitteln – gross ist der Ausschuss. Ein Windstoss, und die Aufnahme ist im Eimer. Jede Cyanotypie ist ein Unikat. Sie kann nicht bearbeitet und ausgedruckt werden und hat etwas Unwiderrufliches, nicht Wiederholbares, Einmaliges.

Die Vegetation in gespenstischem Licht

Simone Kappeler ist eine ausgesprochen experimentierfreudige Künstlerin, die an die Grenze der Fotografie geht und so beinahe in den Bereich der Malerei vorstösst. Nach einem Studium der Germanistik und Kunstgeschichte in Zürich absolvierte sie die Fachklasse für Fotografie an der Schule für Gestaltung. Statt sich der kommerziellen Fotografie zu widmen, erprobte sie in den Achtzigerjahren die unscharfe Ästhetik der billigen Plastikkamera Diana, dann lotete sie die Möglichkeiten der Falschfarbenfotografie im Infrarotbereich aus und schuf Röntgenbilder von Blumen. In den vergangenen Jahren folgten Versuche mit abgelaufenen Schwarz-Weiss-Polaroid-Filmen und Nachtaufnahmen mit Unterbelichtungen.

Die im eigenen Garten aufgenommenen Nachtaufnahmen ­rücken die Vegetation in ein gespenstisches Licht. Entgegen der Schnelllebigkeit unserer Zeit vermitteln Simone Kappelers Arbeiten ein Gefühl positiver Langsamkeit.Mit ihrer Vorliebe für Blau und berückende Stimmungen outet sich die Künstlerin als romantische Seele. Ihre visionären und andeutungsreichen Aufnahmen erzählen von der Vergänglichkeit, die sich – einer Sonnenfinsternis gleich – als Schatten über die Heiterkeit legt. Der Tag kippt in die Nacht, die Idylle in Melancholie, das Dasein in Verschwinden. Die einzige Konstante ist die Veränderung – auch im Schaffen der Künstlerin.

Reif heisst schön und meint das pralle Leben

Fotografie und Fotosynthese teilen sich die Faktoren Licht und Zeit. Jordanis Theodoridis, der die Galerie mit Werner Widmer führt, erklärte an der Vernissage, dass das griechische Wort órimos reif und schön bedeute. Besonders angebracht ist die synonyme Verwendung von reif und schön bei Früchten wie etwa den «Quitten», deren Sinnlichkeit für das pralle Leben steht.

Mika Taanilas Ausstellung umfasst unter anderem die gleichnamige Videoinstallation, die Filme «My Silence» und «Optical Sound» und Objekte aus antiquarischen Büchern. Am Ostersamstag ab 18 Uhr zeigt die Galerie den Film «Tectonic Plate» auf Grossleinwand.

Hinweis Simone Kappeler/Mika Taanila, GalerieWidmertheodoridis, Eschlikon, bis 28.4. Infos unter 0010.ch

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