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Auslotungen von Stille

Im Geschäftshaus Stahl zeigt der St. Galler Künstler Walter Angehrn unter dem Titel «Zwischen den Jahren» neue Arbeiten. Mit klaren Materialien und kalkulierten Formen antwortet er auf poetische, offene und geheimnisvolle Fotografien.
Martin Preisser
Viel Raum zum Atmen hat Walter Angehrns Kunst auch durch die grosszügige Ausstellungsfläche. (Bilder: Urs Bucher)

Viel Raum zum Atmen hat Walter Angehrns Kunst auch durch die grosszügige Ausstellungsfläche. (Bilder: Urs Bucher)

Man könnte meinen, der Schriftsteller Werner Lutz habe mit folgender Zeile auf die Ausstellung von Walter Angehrn reagiert: «Wer Stille betreten will, zieht besser die Schuhe aus», schreibt Lutz im Gedichtband «Bleistiftgespinste». Stille lotet die Ausstellung «Zwischen den Jahren» aus – und Zwischen-Räume. Nach vier Jahren Stille meldet sich Walter Angehrn mit neuer Kunst zurück. Es sind Arbeiten, die Felder der Versenkung und des Innehaltens abgrenzen und definieren.

Fotos wollen Antworten

Angehrn geht von sogenannten Schüttelfotos aus, von nicht gesteuert oder kontrolliert eingefangenen schnellen Bildern, die kürzeste Augenblicke bannen, jedem Kalkül entzogen. Diese Fotografien (alle Unikate) strahlen Poesie, Weite, Offenheit, ja Geheimnis aus. Und doch würden sie sich alleine noch nicht genügen. Das spürt der Künstler Walter Angehrn mit grosser Sensibilität und hat sozusagen in die Fotografien hineingelauscht, auf ihren Ruf gehört, auf ihre Fragen reagiert.

Und er antwortet mit klaren Formen, strengen Strukturen, mit präziser und überlegter Malerei, die das gesamte Ensemble erst in die genaue Balance heben. Und erst im spannungsvollen Dialog zwischen lyrischem Digitalbild und strenger Gegenform entsteht das Dritte, der Zwischen-Raum, das Schwebende dieser Arbeiten, die jede für sich in ihren Bann zu ziehen vermögen. Geht es in den Fotografien um kurz zitierte Bewegungen, gibt die dazugehörende Malerei Halt und Stabilität. Die Arbeiten sind sehr ästhetisch gedacht, auf jedes Detail hat sich der Künstler konzentriert.

Und bei den Gegenpolen zur Fotografie findet Walter Angehrn vielfältige Lösungen. Eingefärbtes Bienenwachs kommentiert da das Fotografierte, ausgreifend installiert der Künstler Alubleche, die mit Spritzlack bearbeitet sind. Holz, Bitumen, Acryl, Marmor oder Spiegelblech: Walter Angehrns Umgang mit den Materialien, die das Fotografierte wie zu «erden» scheinen, ist durchdacht; keine genaue Kante, keine bewusste Faltung, keine Pinselstrichrichtung gibt es da, die nicht auf ein Detail in der jeweils dazugehörenden Fotografie reagieren würde. Bei aller Schönheit ist da nichts süsslich oder grell, aber alles stets absichtsvoll feinsinnig.

Eifersüchtige Divas

«Zwischen den Jahren», das sind ausgemessene Ruhefelder von feiner Schwebe. Alles Laute scheint diese Arbeiten zu stören. Weit auseinander gehängt sind sie in der für diese Schau bestens geeigneten Geschäftsetage. Diese Bilder stehen jedes für sich und dürfen sich nicht zu nahe kommen. «Eifersüchtig» würden sie ihren Platz behaupten, sagt der Künstler und nennt eines seiner Werke – durchaus unironisch gemeint – gar eine «Diva».

Bis 27. Januar. Di–Fr, 11–14 und 17–19; Sa+So, 11–17 Uhr, oder nach Vereinbarung 071 222 72 10 (Haus Stahl, Feldlistrasse 2, 4. OG)

Walter Angehrn (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Walter Angehrn (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

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