Ausgeplumpst im Zug

Es stinkt. Und sein Besuch ist eine Tortur, vor allem im Sommer. Man bringt es möglichst schnell hinter sich, hält sich dabei die Nase zu. Die Rede ist vom Plumpsklo, auch Fallrohrtoilette genannt.

Melissa Müller
Merken
Drucken
Teilen
Bild: Melissa Müller

Bild: Melissa Müller

Es stinkt. Und sein Besuch ist eine Tortur, vor allem im Sommer. Man bringt es möglichst schnell hinter sich, hält sich dabei die Nase zu. Die Rede ist vom Plumpsklo, auch Fallrohrtoilette genannt. Zu Grossmutters Zeiten noch Standard in vielen Häusern, trifft man es heute eher selten an: Auf der Alp, im Pfadilager, in einem alten Bauernhaus – oder beim Zugfahren. Gut, wenn man eine Schachtel Zündhölzli dabei hat, um den Geruch zu übertünchen. Die Plumpsklo-Abfälle auf den Gleisen führten schon zu unangenehmen Situationen: Vor fünf Jahren sickerten Kot und Urin im Zürcher Hauptbahnhof durch und belästigten die Bauarbeiter im Untergrund – worauf die Männer streikten. SBB-Chef Andreas Meyer versprach, dass die Plumpsklos möglichst schnell aus dem Verkehr gezogen werden.

Die offenen WCs sind bei den SBB tatsächlich ein Auslaufmodell: Von 2009 bis 2014 investierten die Schweizerischen Bundesbahnen 14 Millionen Franken, um die Entsorgungsanlagen und WC-Systeme zu modernisieren. Das Plumpsklo im Zug ist also vom Aussterben bedroht. Man wird ihm kaum nachtrauern. Denn an einem Ort wird man es weiterhin finden, in Form verdreckter Chemietoiletten: Am Rand von Konzerten und Festivals. Und ja, die Bauarbeiter, denen dürfte das chemische Plumpsklo auch noch ziemlich lange erhalten bleiben.