Ausgebremster Start und verspätete Premiere: Wie Corona die Lancierung der neuen Kinofilme der Ausserrhoder Thomas Karrer und Thomas Lüchinger verhinderte

Die Wochen des Stillstands sehen die beiden Filmemacher im Rückblick jedoch durchwegs positiv.

Geri Krebs
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Standbild aus «Paths of Life».

Standbild aus «Paths of Life».

PD

An den Solothurner Filmtagen in der letzten Januarwoche ging alles seinen gewohnten Gang. Filmschaffende präsentierten dem Publikum ihre neuen Werke, viele davon als Weltpremieren, so auch die beiden Ausserrhoder Thomas Lüchinger und Thomas Karrer.

Sie hatten mit «Paths of Life» und «Zwischenwelten» zwei Dokumentarfilme geschaffen, von denen jeder sich auf seine Art durch eine starke spirituelle Dimension auszeichnet. In Ersterem stehen vier Menschen im Zentrum, die aus schweren Lebenskrisen herausgefunden haben, der andere porträtiert acht Heiler aus der Ostschweiz, die jenseits der Schulmedizin tätig sind und dabei verblüffende Erfolge verzeichnen.

Während der in Lustmühle lebende Thomas Lüchinger zu den gestandenen Cineasten der Schweizer Filmszene gehört, ist Thomas Karrer ein Newcomer. Zwar hat der Trogner Filmemacher eine lange Filmografie an Auftrags-, Lehr- und Werbefilmen, doch einen Kinofilm hatte er bis anhin noch nie realisiert. Mit «Zwischenwelten» betrat er Neuland.

Geld für nochmalige Werbung fehlt

Sowohl Lüchinger wie Karrer betonen, wie schwierig es im Lockdown für sie gewesen sei, miterleben zu müssen, dass der ganze Promotionsaufwand für die Lancierung ihrer Filme in den Kinos weitgehend umsonst gewesen war. Thomas Lüchinger hat «Paths of Life», wie auch seine früheren Filme, selbst verliehen; zusammen mit Samuel Kellenberger betreibt er die Verleih- und Produktionsfirma «Roses for you». Thomas Karrer dagegen hat für «Zwischenwelten» mit Cineworx eine bekannte Schweizer Verleihfirma für Arthouse-Filme im Rücken, die auch als Produzentin tätig ist. Vorgesehen ist der Kinostart von «Zwischenwelten» nun für den 20.August.

Filmemacher Thomas Karrer.

Filmemacher Thomas Karrer.

PD

Thomas Karrer unterstreicht, wie froh er sei, dass er nun wenigstens wieder planen könne, auch wenn er und Cineworx mit der Promotion wieder bei null anfangen müssten. Thomas Lüchinger dagegen erzählt, wie er seinen Film Anfang März zum Kinostart noch an vier Orten persönlich vorstellen konnte: in Bern, St.Gallen, Heiden und Winterthur. Viele Leute hätten damals im Voraus reserviert, seien dann aber bereits aus Angst vor der beginnenden Pandemie den Vorführungen ferngeblieben. Jetzt, da seit dem 6.Juni die meisten Kinos wieder offen sind, läuft «Paths of Life» erneut an einigen Orten in der Ostschweiz.

Filmemacher Thomas Lüchinger.

Filmemacher Thomas Lüchinger.

Ralph Ribi

Mittel und Möglichkeiten, für den Film noch einmal Werbung zu machen, hat Thomas Lüchinger allerdings nicht, auch zeigt er sich eher skeptisch, was den Enthusiasmus der Kinogänger betrifft: «Viele Leute sind immer noch verunsichert und warten ab. Ausserdem hat der Lockdown zu einem Stau bei den Kinofilmen geführt. Da ist mein Film zum jetzigen Zeitpunkt halt nur einer von vielen.»

Die Wochen des Stillstands sehen Lüchinger und Karrer im Rückblick jedoch durchwegs positiv. Sie schwärmen von der Ruhe, dem Innehalten und der Entschleunigung. Die hätten sie genossen, nachdem einmal der erste Schock überwunden gewesen sei, dass nun gar nichts mehr ging.

Künstlerisch blieben beide in dieser Zeit nicht untätig: Während Lüchinger Visuals zum musikalischen Corona-Tagebuch seines Sohnes, des Pianisten Ephrem Lüchinger, beisteuerte, hat Karrer ein Auftragsvideo für die Ausstellung über Emma Kunz in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell realisiert. Beide gestehen, dass sie die positiven Seiten des Lockdowns bereits vermissten. Und Thomas Karrer macht gleich Werbung für seinen Film:

«‹Zwischenwelten› ist ideal für all jene, die der Entschleunigung in der Lockdown-Zeit nachtrauern.»

Nächste Aufführungen: Cameo Winterthur: So, 12. Juli, 11 Uhr und Mo 20. Juli, 20.15 Uhr; Kino Rosental Heiden: So, 26. Juli 2020, 19.30 Uhr.

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