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Aus der Zeit gefallen: Auf den Spuren der Thurgauer Künstlerin Martha Haffter

Der Kunstverein Frauenfeld spürt der grossen Thurgauer Künstlerin Martha Haffter nach.
Dieter Langhart
Kuratorin Milena Oehy hinter Martha Haffters Staffelei und einem ihrer Selbstporträts. (Bild: Dieter Langhart)

Kuratorin Milena Oehy hinter Martha Haffters Staffelei und einem ihrer Selbstporträts. (Bild: Dieter Langhart)

Die Lippen sind zusammengekniffen, die Augen blicken ernst, fast traurig von der Leinwand: Martha Haffter im Selbstbildnis. Die Frauenfelderin war die berühmteste Thurgauer Künstlerin in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – wohl kaum eine Stube im weiteren Umkreis, in der nicht eines ihrer zahllosen Bilder hängt. Der Kunstverein Frauenfeld hat Private um Leihgaben gebeten für eine umfassende Ausstellung dieser Künstlerin (1873–1951), die aus der Zeit gefallen scheint. Auf den Aufruf hin haben sich zahlreiche Privatsammler gemeldet. «Wir hätten unsere Räume mehrfach füllen können», sagt Kunsthistorikerin Milena Oehy, die die Ausstellung kuratiert.

Martha Haffter macht keine der neuen Kunstströmungen mit, obwohl sie jeden Frühling zwei, drei Monate in Paris verbringt; ihr Onkel, der Arzt Elias Haffter, kommt dafür auf – ihre Eltern fördern sie nicht. Da geht sie gern in die Oper, ins Theater, besucht Akademien, kommt in Sichtkontakt mit der Avantgarde, die mit den Maltraditionen brechen – doch sie behält ihre «isolierte Kunstauffassung», wie es Milena Oehy ausdrückt.

Zahlreiche Ausstellungen, dann wird sie überholt

Martha Haffter lässt die Expressionisten, Futuristen oder Surrealisten aussen vor, bleibt laut Oehy dem Ideal «einer vaterländischen und akademischen Kunst» treu, das die Schweiz nach aussen vertritt, bleibt eine Impressionistin bis zum Schluss. 1946 schreibt sie dem Redaktor des Kunstlexikons: «Ich habe nie das Geringste getan, um bekannt zu werden, sondern habe einfach für mich Freude gehabt an meiner Kunst.» Sie beteiligt sich fast jedes Jahre an wichtigen Ausstellungen in der Schweiz und in Frankreich, doch nach 1920 sind ihre lieblichen Bilder nicht mehr attraktiv genug für die Jurys.

Paris.

Paris.

Ältere Bewohner Frauenfelds erinnern sich noch an Martha Haffter, wie sie durch die Quartiere der Stadt zog auf der Suche nach alltäglichen, unspektakulären Motiven. Sie zeichnete und malte einen herben, nüchternen Thurgau. Aus Paris brachte sie Skizzen von Skulpturen und antiken Werken heim, die aber kaum je Menschen zeigten – ganz anders als daheim. «Martha Haffter war eine spannende Person», sagt Milena Oehy, «aber warum hat sie den Sprung in die Moderne nicht geschafft, oder nicht schaffen wollen?» Ihre in Sütterlinschrift verfassten Tagebücher liegen im Frauenarchiv. «In ihnen würden wir gewiss viel über diese Frau erfahren.»

Was hat sich verändert, was nicht?

Die Ausstellung «Auf den Spuren von Martha Haffter» – die erste seit jener vor zwanzig Jahren im Kunstmuseum Thurgau – konzentriert sich darauf, wie sich die Künstlerin mit ihrer Umgebung auseinandergesetzt hat. Kuratorin Milena Oehy hat bewusst keine Bildnisse ausgewählt, nur Selbstporträts. Ausgestellt sind Skizzen und Aquarelle, oft in kleinen Formaten gehalten: Häuser, Strassenszenen in Paris oder Frauenfeld. Spannend zu sehen: Was hat sich verändert, was nicht?

Frauenfeld: Promenade und evang. Kirche.

Frauenfeld: Promenade und evang. Kirche.

Doch was ist das? Das Bild einer dunkelhäutigen Frau sticht heraus. «Wir wissen nicht, wie es entstanden ist», sagt Oehy. «Martha Haffter hat ihre Bilder nie datiert und kaum je betitelt.»

Vernissage: Fr, 16.8., 17.30 Uhr, Bernerhaus, Frauenfeld; bis 6.10.
Sa, 17.8., 10–12/14–16 Uhr: Begegnung
Do, 29.8., 19–20 Uhr: Führung
Sa, 28.9. Frauenfelder Kulturtag: Schüler der Bildschule Frauenfeld zeigen Arbeiten, Bernerhaus und Bildschule
kunstverein-frauenfeld.ch

Urban Sketching

Das Publikum ist aufgefordert, an ausgewählten Stellen in der Frauenfelder Innenstadt, an denen Martha Haffter viele ihrer Werke skizzierte oder auf Karton festhielt, die eigene Motivwelt umzusetzen und die entstandenen Werke bis zum 21. September beim Kunstverein einzureichen. Eine Auswahl der eingelieferten Werke wird am Frauenfelder Kulturtag, 28. September, im Bernerhaus ausgestellt. Weitere Infos auf den Plakatständern an der Promenade, auf dem Rathausplatz, im Sauren Winkel sowie in der Ausstellung. (dl)

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