Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Aus dem Rahmen gefallen

Früher führte sie die «Gallery One» im Neumarkt. Heute ist Sonja Kuriger selbständige Galeristin und Art Coach in Altendorf im Kanton Schwyz.
Brigitte Schmid-Gugler
Sonja Kuriger: Von der Poster-Verkäuferin zur Galeristin für zeitgenössische Kunst. (Bild: Urs Bucher)

Sonja Kuriger: Von der Poster-Verkäuferin zur Galeristin für zeitgenössische Kunst. (Bild: Urs Bucher)

Bei manchen St. Gallern dürfte er sich einstellen, der Wiedererkennungseffekt: «ist das nicht...das ist doch…»? Ja, es ist sie, die Frau – nunmehr sehr dezent gekleidet – die es damals, in den frühen Achtzigerjahren darauf angelegt hatte, aufzufallen. Ihr Outfit war, wie sie selber sagt, «krass», sie liebte den extrovertierten Auftritt, sie liebte es, ihr Äusseres in Szene zu setzen. Ihr hautenger Overall, waghalsig tief in den Rücken geschnitten, erweckte eines Tages die Aufmerksamkeit eines Kunden dermassen, dass dieser sie bat, sich doch bitte nochmals mit dem Rücken zu ihm umzudrehen. Es stellte sich heraus, dass es sich bei dem Kunden, der öfter in dem Laden verkehrte, aber kaum je ein Wort gesprochen hatte, um den bekannten Grazer Künstler Franz Felfer handelte, der die letzten Jahre seines Lebens in St. Gallen verbracht hatte. Er starb vor zehn Jahren. Sonja Kuriger wusste damals noch wenig über zeitgenössische Kunst und noch weniger über Menschen, die Kunst machten. Die in Rorschach Aufgewachsene war gerade mal neunzehn Jahre alt und hatte eben ihre Ausbildung als Dekorationsgestalterin abgeschlossen, als sie ins Geschäft ihres zukünftigen Mannes einstieg.

Selbst ist die Frau

Gemeinsam führte das Paar erst im St. Galler Neumarkt, später auch in Filialen in Winterthur und Basel das Poster- und Einrahmungsgeschäft «Gallery One». Der Verkauf von Kunstdrucken erlebte seine Hochblüte, und die teilweise dekorativen Bildstoffe boten sich an für spezielle Umrahmungen. Sonja Kuriger besann sich auf ihre Ausbildung; spezialisierte sich bald schon auf Eigenkreationen. Immer öfter tauschte sie ihre engen Overalls und hochhackigen Schuhe gegen einen Arbeitskittel, band ihre wilde Mähne zu einem Knoten zusammen und zog sich in die Werkstatt zurück, entwarf wuchtige Rahmen und hantierte gleich selber mit Metallsäge –fräse und Lötkolben. Einkäufer von Grossbetrieben wie Spitäler, Restaurants und Banken gingen ein und aus; die junge Kunsthandwerkerin war in ihrem Element; 1996 bespielte sie mit ihren ausladend-bühnenreifen Objekten den Klosterhof zu Katharinen, und als 1999 die Galerie «art gallery one» an der Zürcher Löwenstrasse aufging, war sie auf dem Höhepunkt ihres Erfolges angelangt. Man richtete sich hier auf Originale und Druckgrafiken aus, was mit sich brachte, dass die Galeristin den Kontakt zu den Künstlern suchen und pflegen und sich mit ihrer künstlerischen Sicht-Arbeitsweise auseinandersetzen musste.

Dieser Austausch hinterliess Spuren. Nach einer schmerzvollen Zeit der Trennung von ihrem damaligen Partner und der Auflösung des gemeinsamen Geschäfts wagte sie 2004 einen Neuanfang. Auf der Hälfte der früheren Ausstellungsfläche startete sie mit einem festen Kreis von Kunstschaffenden nochmals von vorn. Sie besetzte Felder, von denen sie wusste, dass sie dem Bedürfnis eines Kundensegments entsprachen, die menschenleere Galerieräume eher meiden.

Sie selber zählt sich zur fröhlichen, kommunikativen Sorte – kein Wunder, dass der Künstler und frühere Lehrer an der ZHdK, Henrik Frei Larsson, länger blieb, als nur gerade für die Zeit eines Galeriebesuches.

Für Profis und Neueinsteiger

Seit einem Jahr betreiben Kuriger/Larsson in Altendorf im Kanton Schwyz die gemeinsame Galerie «Kunst7» für zeitgenössische Kunst, kombiniert mit einer Kunstschule. Während ihr Partner den Werkunterricht leitet, betätigt sich Sonja Kuriger neben ihrer Galerie als weitergebildete Art-Coach. Viele Kunstschaffende hätten keine Ahnung davon, wie sie ihre Werke präsentieren müssten, geschweige denn, wie eine Dokumentation in Form einer Mappe oder einer Website zu gestalten wäre, sagt Sonja Kuriger. Dass es sich bei ihrer «Klientel» häufig um Quereinsteiger handelt, störe sie kein bisschen. Vielmehr habe sie in all den Jahren ihrer kontinuierlichen Annäherung an Kunst herausgefunden, dass die Künstlerseele eine vielfältige und alterslose sei.

Zur festen Gruppe der Ausstellenden gehören die in St. Gallen lebenden Künstler Rik Beemsterboer und Margot Schneider. Franz Felfer hat sie übrigens nur ein einziges Mal den Rücken zugedreht. Aus der damaligen Begegnung entwickelte sich eine jahrelange Freundschaft – und eine geschäftliche Verbindung: Felfer gehört zum festen Kreis der von Sonja Kuriger vertretenen Künstler.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.