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Museum Burg Zug: Aus dem KZ direkt in die Schweiz

Mit der Sonderausstellung «gezeichnet. Die ‹Buchenwaldkinder› auf dem Zugerberg» widmet sich das Museum Burg einem kurzen Zuger Kapitel der unmittelbaren Nachkriegszeit. Für die Besucher ist die Ausstellung rührend und verstörend zugleich.
Andreas Faessler
Museumsdirektor Marco Sigg (links) und Kurator Manuel Fabritz in der Sonderausstellung «gezeichnet. Die ‹Buchenwaldkinder› auf dem Zugerberg» im Museum Burg Zug. Bild: Maria Schmid (20. November 2018)

Museumsdirektor Marco Sigg (links) und Kurator Manuel Fabritz in der Sonderausstellung «gezeichnet. Die ‹Buchenwaldkinder› auf dem Zugerberg» im Museum Burg Zug. Bild: Maria Schmid (20. November 2018)

Buchenwald – ein symbolträchtiger Begriff, assoziiert mit den Gräueln der Nationalsozialisten an unschuldigen Menschen, assoziiert mit dem Holocaust, assoziiert mit unsäglicher Gewalt und Tod. Aber selbst als der Zweite Weltkrieg in vollem Gange war, war dieses Buchenwald bei Weimar weit, weit weg von der Beschaulichkeit des ländlichen Zug.

Doch unmittelbar nach Ende des Krieges gelangte Buchenwald plötzlich ein Stück weit ins Bewusstsein der Zuger. Nämlich dann, als hier 107 junge Männer aus dem befreiten Konzentrationslager eintrafen und im Heim Felsenegg auf dem Zugerberg einquartiert wurden. Wie kam’s?

In Zug begann ihr neues Leben

Das Hilfswerk «Schweizer Spende an die Kriegsgeschädigten» ermöglichte es 374 jugendlichen Jüdinnen und Juden aus dem KZ Buchenwald, sich in der Schweiz von ihren schweren Traumata zu erholen und den Grundstein für ein neues Leben zu setzen. In Rheinfelden wurden sie in die Schweiz und von hier aus in zwei Erholungsheime gebracht – die Mädchen ins Neuenburgische Vaumarcus, die Buben auf den Zugerberg. Hier begann für die Jugendlichen eine Zeit der Aufarbeitung ihrer Misshandlungen durch Deportation, Gewalt und KZ-Haft, dies unter der beherzten Obhut empathischer Betreuerinnen und Betreuer. Die Knaben erhielten Unterricht und reichlich Gelegenheit, ihre neu gewonnene Freiheit mit Dingen zu gestalten, die ihnen lange Zeit verwehrt gewesen waren. Nach der Zeit auf dem Zugerberg wurden die jungen Männer für ihre Ausreise vorbereitet – einige von ihnen blieben auch in der Schweiz.

Es ist dies eine kleine, aber umso bedeutungsvollere Episode in der Geschichte der Stadt Zug der Nachkriegszeit, welcher das Museum Burg Zug nun eine aufwendige, sorgfältig erarbeitete Sonderausstellung widmet. Der Anstoss hierzu kam von Manuel Fabritz, der im Rahmen seines Forschungsprojekts «Performative Räume. Von Buchenwald in die Schweiz» die Spuren und Wege von jungen befreiten Häftlingen aus dem KZ Buchenwald in die Schweiz nachverfolgt. Die Zuger Ausstellung ist ein anschauliches Teilresultat der ausgiebigen Forschungsarbeit von Manuel Fabritz, welcher hier als Gastkurator in Erscheinung tritt.

«Dieses Ausstellungsprojekt war für uns eine willkommene Gelegenheit, einen Beitrag für die Erinnerung und gleichsam gegen das Vergessen zu leisten», sagt Marco Sigg, Direktor Museum Burg Zug. Und mit dem Akzent auf die Bildsprache werde dies über einen sinnlichen Zugang möglich, zumal das Thema Holocaust und allgemein die Gräuel des Zweiten Weltkrieges ansonsten mehrheitlich mit drastischen Darstellungen einhergingen.

Aufwühlende Kinderzeichnungen

Die Ausstellung «Buchenwaldkinder» arbeitet die schwer verdauliche Thematik vorderhand mit den kindlich kolorierten Erinnerungsbildern der Betroffenen auf, welche auf dem Zugerberg insbesondere über den zeichnerischen Weg das Erlebte zu verarbeiten begannen.

So findet sich das Kernstück der Ausstellung in der Form einer Art Bilderzyklus des Juden Kalman Landau (*1928), der vom Vernichtungslager Auschwitz den Todesmarsch Richtung Gross-Rosen antrat und danach ins KZ Buchenwald kam. Nach der Befreiung des KZ durch die Amerikaner am 11. April 1945 bestieg er als einer der 374 Jugendlichen den Zug Richtung Schweiz, wo sein neues Leben begann.

Von Kalman Landau sind in der Ausstellung 39 Zeichnungen chronologisch geordnet ausgestellt, welche seinen Weg von der Deportation ins KZ bis zur Ankunft auf dem Zugerberg dokumentieren. Dies insofern auf zuweilen höchst verstörende Weise, als der Betrachter die kindlichen Zeichnungen eines unschuldigen Buben vor sich sieht, welche jedoch unzensiert das nicht fassbare Grauen hinter den KZ-Mauern darstellen – ungeschönt! Gehängte, Gefolterte, Menschen in Gaskammern und Kremationsöfen, Berge von Leichen begleiten die Bilderreihe, welche schliesslich mit dem Bus endet, der die Überlebenden durch eine gepflegte Baumallee fahrend auf den Zugerberg bringt.

Auch von anderen «Buchenwaldkindern» sind zahlreiche Skizzen und Zeichnungen wie auch rührende Textdokumente erhalten, die in der Ausstellung fein und sauber beschrieben gezeigt werden. Damit der Besucher den gesamten Kontext wie auch die Hintergründe jener Schweizer Aktion im April 1945 versteht, wird er mit einer Fülle an wichtigen Rahmeninformationen sowie unterschiedlichen Exponaten an die Materie herangeführt. Dazu gehört reichlich audiovisuelles Material, darunter auch erstmals gezeigte Original-Filmaufnahmen von der Reise der 374 Jugendlichen in die Schweiz, wo sie nach langem endlich wieder ein würdiges Menschsein erlangten.

Den Blick immer wieder auf die Geschichte lenken

Mit seinem Ausstellungsprojekt will Manuel Fabritz nicht nur die Erinnerungskultur pflegen, sondern spielt erklärtermassen auch auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen an. «In einer Zeit, wo die Rechtstendenz erneut so erschreckend zunimmt, ist es besonders wichtig, dass wir den Blick immer wieder auf die Geschichte lenken», so Fabritz. Tatsächlich – angesichts der von wachsendem Rassismus und Fremdenhass geprägten Entwicklungen rund um den Erdball scheint die Ausstellung «Buchenwaldkinder» wie eine stille, doch dringliche Mahnung, sich bewusst zu werden, was solches Gedankengut für Folgen haben kann.

Die Sonderausstellung «gezeichnet. Die ‹Buchenwaldkinder› auf dem Zugerberg» im Museum Burg Zug dauert bis 31. März 2019. Info: www.burgzug.ch

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