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AUFTAKT: Liebesträume in Zeitlupe

Die Band Cigarettes after Sex eröffnet morgen das Kulturfestival St. Gallen. Bis 22. Juli gibt es im Hof des Historischen und Völkerkundemuseums einen farbigen, facettenreichen Reigen an ganz verschiedenen musikalischen Stilen zu erleben.
Hanspeter Künzler
Die Band Cigarettes After Sex: Verträumte Melodien können sie eigentlich fast schon einfach aus dem Ärmel schütteln. (Bild: Ebru Yildiz)

Die Band Cigarettes After Sex: Verträumte Melodien können sie eigentlich fast schon einfach aus dem Ärmel schütteln. (Bild: Ebru Yildiz)

Hanspeter Künzler

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Mit ihrem wolkenhaften Debütalbum ist Cigarettes after Sex ein Meisterwerk des Dream-Pop gelungen. Jetzt eröffnet das Quartett aus Brooklyn das St. Galler Kulturfestival. Am liebsten möchte er mit seinem Album die Stimmung eines nächtlichen Sandstrandes samt glimmendem Lagerfeuer heraufbeschwören, sagt Cigarettes-after-Sex-Leader Greg Gonzalez: «Es soll das Gefühl aufsteigen, man wäre selber dabei – mit dem Rauschen des Meeres, mit ein paar Freunden und mit der Person, die einem am allernächsten steht. Friedlichere Vibes kann ich mir kaum vorstellen.»

Es gibt Bands, die reagieren auf das Ungemach in ihrer Umgebung mit punkiger Aggression. Andere wenden sich nach innen und kontern Chaos mit Melodien so schön, dass sie alles andere vergessen machen. Cigarettes after Sex gehören eindeutig in die zweite Kategorie. Egal, ob die Texte von romantischer Sehnsucht oder handfestem Sex handeln, immer verströmt die Musik eine spukhafte Abgeklärtheit, als stünden die Uhrzeiger knapp vor dem Stillstehen.

Ein Teppich warmer und weicher Klänge

Die Instrumentierung ist simpel: Gitarren, Keyboards, Bass, Drums. Damit wird ein dichter Teppich von warmen und weichen Klängen gestrickt, der sich beim Ausrollen sehr, sehr viel Zeit lässt. Über die Jahre hinweg haben diverse Bands ein ähnliches Rezept angewendet: Mazzy Star mit narkotischer Intensität, Low mit einem Hauch Vorahnung auf kommende Katastrophen, Galaxie 500 mit einem Unterton von kindlicher Naivität.

Mit Künstlern wie Beach House, The xx, Ariel Pink oder auch den wieder auferstandenen Ride und Slowdive hat der Stil in letzter Zeit eine Renaissance erlebt und wird je nach Geschmack Dream-Pop oder Chillwave genannt. Was Cigarettes after Sex von ihren Artgenossen unterscheidet, ist die Stimme.

Anderswo wird diese gern in ein Bad von Klängen eingetaucht, in welchem sie vor lauter Echo und Hall gesucht werden muss wie der Wolf in einem Vexierbild. Bei Cigarettes after Sex hingegen steht sie ganz zuvorderst. Jedes Wort ist glockenklar zu verstehen und wirkt umso mysteriöser, als nicht auf den ersten Blick klar wird, ob hier ein Mann oder eine Frau singt.

Ein Eindruck von Schwerelosigkeit

Sängerinnen wie Thalia Zedek oder Jana Hunter von den Lower Dens haben ein ähnliches Tim­bre. Wie sie gleitet Gonzalez scheinbar ohne jede Anstrengung hin und her zwischen einem tieferen, eher männlichen Register und höheren, eher weiblichen Tonlagen. Dass er dabei nie in ein Falsetto kippt, verstärkt noch den Eindruck von Schwerelosigkeit.

Greg Gonzalez wuchs in El Paso, Texas, auf. Sein Vater arbeitete in einem Videovertrieb und brachte zahllose Kinofilme aus der ganzen Welt nach Hause. Greg interessierten vor allem die körnigen Klassiker aus Europa, alles eigentlich, was ein bisschen mysteriös wirkte. Obwohl er sich eher zur Musik hingezogen fühlte, hätten ihn Spielfilme nachhaltig beeinflusst, sagt er.

Melodien fallen ihm fast schon im Schlaf ein

Mit zehn Jahren komponierte er sein erstes Lied. Eine bevorzugte Methode war es, sich in die Stimmung eines bestimmten Filmes einzufühlen und ein Lied zu schreiben, welches dazu passte. Seit jeher sei er ständig auf der Suche nach schönen Melodien gewesen. Heute fielen sie ihm fast schon im Schlaf ein. Seine wahre Stimme fand Gonzalez aber erst, als er anfangs der Dekade nach New York zog, wo er eine Zeitlang ein Kino in der Upper West Side führte.

In Brooklyn begegnete er Musikern, die nicht nur in der Lage, sondern auch gewillt waren, leise und langsam zu spielen. 2012 veröffentlichte die Band ihre erste EP, «I». Es dauerte mehrere Jahre, bis Mund-zu-Mund-Werbung dafür sorgte, dass sich die atemberaubend schöne Melodie von einem der Lieder, «Nothing’s Gonna Hurt You, Baby», Gehör verschaffte. Inzwischen ist das Stück bei fast 60 Millionen Youtube-Klicks angekommen. Die Zahl spricht für sich selber. Und mit dem im Juni erschienenen Debüt-Album «Cigarettes after Sex» beweist Gonzalez, dass er verträumte Melodien tatsächlich aus dem Ärmel schütteln kann.

Di, 4.7., 20.30 Uhr, Innenhof Historisches Museum, St. Gallen; «Cigarettes after Sex» ist beim Label Partisan Records erschienen.

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