Auf zu neuen Büchern: Der Thurgau ist um einen Verlag reicher

In Warth-Weiningen bringen jetzt vier Enthusiasten Lyrik und Prosa heraus. Der neu gegründete Verlag Caracol ist breit aufgestellt: Er will literarische und künstlerisch-literarische Werke herausgeben und Literaturveranstaltungen organisieren.  Und zwar im Dreieck Winterthur - St.Gallen - Bodensee. 

Dieter Langhart
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Isabella Looser, Irène Bourquin, Ruth Erat, Martin Stiefenhofer (von oben links im Uhrzeigersinn).

Isabella Looser, Irène Bourquin, Ruth Erat, Martin Stiefenhofer (von oben links im Uhrzeigersinn).

Bilder: PD

Der Name klingt fremd: Caracol. Spanisch für Häuschenschnecke. Gefunden hat ihn Irène Bourquin, Schriftstellerin, Herausgeberin, Lektorin und ehemalige Kulturredaktorin. In den 70ern und 80ern hatte sie mehrmals Mexiko, Mittel- und Südamerika bereist, war auch in Chichén Itzá. «Vor einigen Monaten ist mir der Name des Maya-Observatoriums im Internet wieder begegnet», sagt sie. Fremd ist der Name – vertraut die Idee: Autoren zusammenzubringen und ihre Werke herauszubringen.

Caracol soll auch ein Haus für Autoren sein. Ähnliches hat der Frauenfelder Verlag Saatgut vor, der vergangenen Oktober als Verein gegründet wurde, für die Publikation von Autoren und Themen aus dem Thurgau.

Irène Bourquin zieht den Kreis weiter, im Dreieck Winterthur – St.Gallen – Bodensee. Sie hat mit befreundeten und kompetenten Büchermenschen, allesamt Akademiker, eine GmbH gegründet: Caracol Verlag der Autorinnen & Autoren. Sitz ist in Warth-Weiningen; da wohnt Isabella Looser. Sie war bis 2019 im Frauenfelder Waldgut Verlag für Sekretariat, Lektorat, Presse und Vertrieb zuständig – und sie hat die Caracol-Schnecke gezeichnet. Looser und Bourquin leiten gemeinsam den Verlag.

Mit im Team des Bücherboots ist Ruth Erat, Autorin, Künstlerin und Kulturvermittlerin bei den Literaturtagen Arbon und im Literaturhaus Wyboroda in St.Gallen. Sie wird sich bei Caracol vor allem um Veranstaltungen kümmern. Das Quartett vervollständigt Martin Stiefenhofer, der als freier Lektor, Autor und Herausgeber tätig ist. Für Caracol arbeitet er als Hersteller.

Keine Buchtitel, aber die Autoren stehen fest

Der Verlag ist breit aufgestellt. Caracol betreibt laut Handelsregister einen Verlag für literarische und künstlerisch-literarische Werke, insbesondere Bücher. Explizit ist auch die Organisation von literarischen Veranstaltungen genannt. Als weitere Gesellschafter eingetragen sind Irène Bourquins Sohn Raoul Bourquin, der sich um alles IT-Technische kümmert, die Autorin Erica Engeler aus St.Gallen und sowie der Lyriker Thomas Heckendorn aus Flaach.

Das Logo des neuen Verlages Caracol.

Das Logo des neuen Verlages Caracol. 

Bild: PD

Auf der Website des Verlags werden noch keine Buchtitel genannt, aber die Autoren in den drei Reihen «Caracol Prosa», «Caracol Lyrik» und «Caracol WortArt». Bei Erica Engeler begibt sich eine Frau auf Spurensuche: Nach dem faszinierenden Geruch eines Mannes, dem sie begegnet ist, und in ihre Kindheit als Jüngste in einer dystopischen Familie.

Schreib-Ping-Pong und Poesie, die Stellung bezieht

Irène Bourquin und Ruth Erat bringen ein gemeinsames Werk heraus, ein ebenso engagiertes wie humorvolles Schreib-Ping-Pong. Im Forschungsinstitut einer bekannten Hochschule prallen eine der reinen Forschung verpflichtete Professorin und ein skrupelloser Jungforscher aufeinander – es geht um die Tiefsee.

Die Reihe «Caracol Lyrik» startet mit zwei Titeln. Sehr eigenwillige Texte steuert Thomas Heckendorn bei. Der bekannte Autor Jochen Kelter lässt in seinem Band erneut das Private politisch werden und das Politische privat. Die Poesie ist für ihn kein «kulturelles Luxusgut», sie soll Stellung beziehen. Kelter ist auch Redaktionsmitglied beim «Mauerläufer». Dem literarischen Bodensee-Jahresheft ist damit gedient, dass Caracol den Vertrieb des Heftes in der Schweiz besorgen wird. Der nächste «Mauerläufer» erscheint im September.

Die Reihe «Caracol WortArt» ist in der Gestaltung an keine Vorgaben gebunden. Dies ermögliche Reinhard Albers als erstem Autor, Typograf und Buchgestalter eine noch intensivere Arbeit mit seinen Geschichten; Isabella Looser nennt es ein «individuelles, harmonisches Zusammenspiel von Text, Layout und eigenen Illustrationen». Albers‘ drei Geschichten drehen sich um die Themen Reisen, Abschied, Neuanfang: «Egal, wie weit man um den Erdball reist – seinem Schicksal kann man nicht entfliehen.»

Weitere Infos unter caracol-verlag.ch

Wie an den Rand gespült

Die Erzählung «Im Meer treibt die Welt» von Ruth Erat ist auch ein Text über die Brüchigkeit der menschlichen Existenz. Und der Arboner Autorin ist eine Parabel über die Grenzen des Erkennens gelungen.
Martin Preisser