Auf Viren- und Terroristenfang

Immer mehr Flughäfen führen zur Seuchenprävention und Kriminalitätsbekämpfung hochmoderne Geräte wie Wärmebildkameras und Gesichtserkennungssysteme ein. Bald sollen auch Atmung und Herzschläge erfasst werden.

Adrian Lobe
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Flugreisende auf dem Weg nach Kenia oder Nigeria konnten sich im letzten Jahr zuweilen wundern: Vor ihnen tauchten Mitarbeiter mit Schutzanzügen auf, die ihnen eine Laserpistole an die Schläfe hielten. Mit dem Gerät, einem Thermalscanner, konnte die Körpertemperatur der Einreisenden gemessen werden, die einen Anfangsverdacht auf das gefährliche Ebola-Virus indiziert. Wer eine erhöhte Körpertemperatur hatte, wurde sofort in Quarantäne geschickt.

Auf Herz und Nieren

Das Verfahren wurde bereits bei der Schweinegrippe angewandt. Zahlreiche internationale Flughäfen, darunter Singapur, Heathrow und Gatwick, haben mittlerweile Wärmebildkameras in ihren Terminals installiert, um etwaige Ebola- oder MERS-Infizierte zu identifizieren. Der Passagier wird auf Herz und Nieren überprüft. Mit dem «Border Screening» wollen die Gesundheitsbehörden verhindern, dass gefährliche Krankheitserreger ins Land gelangen. Doch ist das Verfahren effektiv?

Das Problem ist, dass Flugreisende, die sich mit einer Influenza oder einem Virus angesteckt haben, bereits in der Inkubationszeit infektiös sind – also dann, wenn noch gar keine Symptome vorliegen. Passagiere, die kein Fieber haben, können von einem Thermalscanner nicht erkannt werden. Umgekehrt muss nicht jeder Fluggast mit erhöhter Temperatur mit Ebola infiziert sein.

Wie eine Studie australischer Forscher zeigt, konnten viele Reisende die Gesundheitskontrolle passieren, obwohl sie das Influenza-Virus in sich trugen. In Singapur konnten von den ersten 116 Influenza-Patienten nur 15 mittels Screening identifiziert werden. Das ist eine Quote von 12,9 Prozent. In Japan waren es nur 6,6 Prozent. «Thermal-Scanner sind nicht sehr effektiv in der Erkennung von Fieber», erklärt die Epidemiologin und Studienautorin Linda Selvey.

Keine definitive Sicherheit

Bei Verdachtsfällen müsste man im Einzelnen durch eine weitere Temperaturmessung prüfen, ob sich der Verdacht erhärtet. Und selbst dann ist noch nicht endgültig geklärt, ob der Reisende ein Virus mit sich trägt. Wer als roter Punkt auf der Wärmebildkamera zu sehen ist, wird zum Risikofaktor – und muss unter Umständen in Quarantäne. Selbst wenn es nur ein leichter Schnupfen ist.

Wärmebildkameras sind nicht die einzige technische Neuerung. Der Washington Dulles International Airport testet derzeit ein Gesichtserkennungssystem. Bei der Passkontrolle wird von zufällig ausgewählten Einreisenden ein Foto gemacht. Die Beamten lassen das Foto durch eine Software laufen, die die biometrischen Daten vermisst und mit den gespeicherten Informationen auf dem Datenchip des elektronischen Passes abgleicht.

Ein Algorithmus errechnet auf der Grundlage der Ähnlichkeiten und Unterschiede einen «Score». Ist die Zahl nicht hoch genug oder weist der Schnappschuss Ähnlichkeiten mit einem Fahndungsfoto auf, wird dem Passagier die Einreise verwehrt. Der «1:1 Facial Recognition Air Entry Pilot», wie das Programm heisst, soll Betrüger entlarven. Doch an der Gesichtserkennungssoftware gibt es Kritik von Datenschützern.

Körperanalyse

Es gibt schon seit einigen Jahren Überlegungen, physiologische Merkmale der Passagiere wie Herzschlag, Atmung und Blicke zu erfassen, um potenzielle Terroristen überführen zu können. Das Department of Homeland Security 2008 hat ein Programm namens «Future Attribute Screening Technology» (FAST) entwickelt, das die Körpertemperatur, Augenbewegungen und Gesichtszüge von Flugreisenden analysiert. Indes dürfte sich die Machbarkeit durch die Vielzahl von Sensoren verbessert haben.