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Auf neuen Schienen

Nach vier Jahren melden sich All Ship Shape mit einer neuen Platte zurück. Die Gruppe aus St. Gallen ist musikalisch gereift und hat sich klanglich neu erfunden.
David Gadze
Inspirierendes Jahr: 20 neue Songs haben die Musiker von All Ship Shape während ihres Aufenthaltes in Berlin kreiert. (Bild: pd/Reto Wettach)

Inspirierendes Jahr: 20 neue Songs haben die Musiker von All Ship Shape während ihres Aufenthaltes in Berlin kreiert. (Bild: pd/Reto Wettach)

Ziellosigkeit war für All Ship Shape schon immer ein Fremdwort. Es ist vielmehr die Rastlosigkeit, welche die St. Galler Band auszeichnet: den musikalischen Stillstand verhindern, niemals in der eigenen Komfortzone verweilen, neue Wege suchen. Entsprechend haben sie ihre neue Platte «Dri#ter» getauft. Bereits als sie im Oktober 2009 ihr Début «Aboard/Abandoned» veröffentlichten, sprachen sie davon, damit das Kapitel der ersten paar Bandjahre abzuschliessen. «Uns war schon damals klar, dass wir nur dann als Band ernsthaft weitergehen können, wenn wir uns auf etwas Neues einlassen», sagt Sänger Severin Walz.

Neues Territorium

Bereits die vor drei Jahren veröffentlichte Single «Colour TV» hatte angedeutet, dass All Ship Shape neue Pfade einschlagen würden. Auf «Dri#ter» gehen Walz, die beiden Gitarristen Fabian Füllemann und Michael Städler, Bassist Martin Klester und Schlagzeuger Thiemo Legatis diese nun konsequent weiter und betreten ganz neues Territorium.

Ihr schnörkelloser Britrock hat sich in psychedelischen Klangmustern aufgelöst, die zwischen Post-Punk und Shoegaze pendeln, aber ein in sich geschlossenes, stimmiges Werk ergeben. Von den ersten Klängen von «Pensillis», das mit losen Klangfiguren beginnt und dann immer mehr Spannung aufbaut, über das Herzstück aus «Anemia» und «Moon Stone» bis zum schleppenden Schlussstück «Sprechgesang» fliessen Songs und Stimmungen nahtlos ineinander. Die kühle, von viel Hall und Echo geprägte Aura der Songs wird dabei immer wieder von einem warmen Grundgefühl durchbrochen.

In Berlin gewachsen

Die Grundlagen für die Neuausrichtung legten All Ship Shape in Berlin. Anfang 2011 zog die Gruppe für ein Jahr in die deutsche Kapitale, um dort stärker zusammenzuwachsen und an ihrem Sound zu feilen. Im Studio des ehemaligen The-Shell-Sängers Patrice Lambeau hatte sie sowohl die professionellen technischen Möglichkeiten als auch genügend Zeit, um an neuen Songideen zu arbeiten. So entstanden insgesamt 20 Songs, von denen es acht auf die Platte geschafft haben. Bass und Schlagzeug wurden komplett in Berlin aufgenommen, die Gitarren später in Zürich, der Gesang in Spanien.

Einen grossen Anteil an der musikalischen Entwicklung hatten auch die handwerklichen Fertigkeiten, die sich die Bandmitglieder über die Jahre angeeignet hatten – nicht nur an ihren Instrumenten, sondern auch beim Basteln eigener Effektgeräte oder beim Beherrschen des Studioequipments. «Das ist wie ein zusätzliches Instrument, das man nützen kann», sagt Füllemann, der die Platte selbst mischte. Es sei hilfreich, wenn man das bereits beim Songwriting anwenden könne. So haben All Ship Shape mit «Dri#ter» nicht nur ihre Reifeprüfung abgelegt, sondern auch eine der spannendsten Schweizer Rockplatten des Jahres geschaffen.

Den Traum gelebt

Nach der Rückkehr aus Berlin sei es nicht schwierig gewesen, den Schwung innerhalb der Band aufrechtzuerhalten, sondern vielmehr in den Alltag mit all seinen Verpflichtungen zurückzufinden. Füllemann und Walz, die an der Universität St. Gallen Jus studiert hatten, zogen nach Zürich und setzten dort ihr Master-Studium fort, das sie vor wenigen Wochen abgeschlossen haben. Städler baute ebenfalls in Zürich mit Coldkings eine Musikagentur auf, Klester wohnt und arbeitet in der Limmatstadt. Einzig Legatis ist in St. Gallen geblieben. «Für mich war schon in Berlin klar, dass ich meinen Traum lebe, aber hierher gehöre», sagt der Schlagzeuger.

Dennoch und trotz der beruflichen Herausforderungen werde die Band, die ihren Proberaum nach wie vor in St. Gallen hat, weiterhin eine zentrale Rolle in ihrem Leben spielen, sind die Musiker sicher. «Gemeinsam nach Berlin zu gehen war ein Bekenntnis jedes einzelnen zur Gruppe», sagt Walz. «Und momentan könnte ich nicht auf sie verzichten. Es würde mir etwas fehlen.»

Letztendlich sei die Frage bloss, wie wichtig jedem einzelnen die Musik sei und wie viel Zeit er dafür aufwenden wolle, ergänzt Füllemann. Auch Legatis sieht das so: «Die Band ist die einzige Konstante in meinem Leben, seit ich 15 Jahre alt bin. Sie wird wohl nie der bestimmende Inhalt meines Lebens sein, aber noch lange ein wichtiger Teil davon.»

All Ship Shape: Dri#ter (Coldkings) Live: am Samstag, 19. Oktober in St. Gallen im Palace (Plattentaufe)sowie am Mittwoch, 23. Oktober, in Zürich im Exil

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