Auf Lutz folgt Ruchti

Bernhard Ruchti ist in St. Gallen kein Unbekannter. Der bisherige Organist von Linsebühl und St. Georgen tritt ab Dezember die Nachfolge von Rudolf Lutz als Hauptorganist der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde St. Gallen C an.

Martin Preisser
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Bernhard Ruchti ist auch von der Atmosphäre seines neuen Arbeitsortes St. Laurenzen begeistert. (Bild: Luca Linder)

Bernhard Ruchti ist auch von der Atmosphäre seines neuen Arbeitsortes St. Laurenzen begeistert. (Bild: Luca Linder)

In die Fussstapfen von Rudolf Lutz zu treten sei eine inspirierende und sehr motivierende Herausforderung, sagt Bernhard Ruchti: «Rudolf Lutz hat die Messlatte sehr hoch gelegt und der Orgelmusik in St. Laurenzen ein prägendes Gesicht gegeben. Das ist für mich auch ein Ansporn.» Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde St. Gallen C hat die Stelle von Rudolf Lutz, der am 1. Dezember in Pension geht, nicht ausgeschrieben, sondern Bernhard Ruchti berufen und mit ihm auf einen Musiker gesetzt, der in letzter Zeit in St. Gallen selbst nicht unwichtige Akzente im Konzertleben wie in der Liturgie gesetzt hat. So ist er schon seit längerem verantwortlich für die drei gut eingeführten Veranstaltungsreihen der «Mittwoch-Mittagskonzerte», der St. Laurenzen-Konzerte und des «Linsebühler Orgelfrühlings».

Ein Traumjob

Mit Bernhard Ruchti wird ein hervorragender Musiker der Nachfolger von Rudolf Lutz auf der Orgelbank von St. Laurenzen. 1974 in Berkeley (USA) geboren, besitzt Ruchti seit neun Jahren sowohl ein Konzertdiplom als Pianist wie ein Solistendiplom als Organist. Die Stelle als Hauptorganist von St. Laurenzen ist für ihn ein «Traumjob». «Der Raum von St. Laurenzen ist sensationell, und wir verfügen über eine tolle Orgel und über einen wunderbaren Konzertflügel. All das ist auf meine persönliche Künstlerdisposition wie zugeschnitten», freut er sich.

Stilistisch ist Bernhard Ruchti vielfältig orientiert. Er mag den norddeutschen Orgelbarock genauso wie die amerikanische Moderne. Besonders schlägt sein Herz aber für die deutsche Orgelromantik, und hier vor allem für Liszt, mit dem er sich auch theoretisch intensiv auseinandergesetzt hat. Der Pianist und Organist, der Singer Songwriter wie Tom Waits oder Paul Simon liebt, scheut sich nicht, die anspruchsvolle Minimal Music eines Philip Glass auf der Orgel oder dem Flügel vorzuführen. Auf seiner zweiten CD «Liszt and the black Hills» hat sich Ruchti letztes Jahr auch als Komponist vorgestellt und sich mit Stücken wie «Landscapes» oder «Five Songs of the Wind» als Tonsetzer ganz spezieller, feinfühliger Klaviermusik erwiesen.

«Ich pflege ein breites Repertoire, und das wird sich auch in meiner Arbeit im Gottesdienst widerspiegeln. Nur Bach oder Pachelbel wird es am Sonntagmorgen nicht geben», sagt Ruchti. «Wir verfügen für die Liturgie über einen kräftigen musikalischen Grundstock, über eine starke Tradition, aber wichtig ist mir, daneben ein breites stilistisches Angebot für den Gottesdienst gediegen zu pflegen.»

Emotionen mittragen

Die Arbeit des Organisten für die Liturgie sei eine anspruchsvolle Gratwanderung. «Einerseits geht es darum, ein genaues Einfühlungsvermögen für die Gedanken im Gottesdienst zu haben, und diese musikalisch zu spiegeln, andererseits geht es auch darum, eigene musikalische Akzente zu setzen.» Wichtig ist Ruchti auch die bewusste Liedbegleitung. «Die Gemeinde ist beim Gesang unmittelbar ins liturgische Geschehen mit einbezogen. Wenn sie singt, ist das immer auch ein sehr emotionaler Moment. Hier gilt es, dass ich als Organist diese Emotionen bewusst musikalisch mittrage.»

Bernhard Ruchti wird neben St. Laurenzen weiterhin St. Georgen musikalisch betreuen. Die Kirche Linsebühl wird er verlassen, was ihm nicht ganz leicht fällt. Bisher schon mit vielen Aufgaben betraut, denkt er auch über neue Konzertideen nach. Im Köcher ist eine Reihe von Vespern, die an Freitagabenden eine gelungene Mischung aus Text-Musik-Meditation präsentieren könnten, im Sinne einer musikalischen Andacht.

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