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Auf einen Kaffee mit ... Galerist Erich Hausammann

Die Galerie Kirchgasse in Steckborn pickt Kunstrosinen und positioniert sich in einem internationalen Umfeld.
Dieter Langhart
Erich Hausammann vor einem Bild André Butzers in der laufenden Ausstellung der Galerie Kirchgasse Steckborn. (Bild: Dieter Langhart)

Erich Hausammann vor einem Bild André Butzers in der laufenden Ausstellung der Galerie Kirchgasse Steckborn. (Bild: Dieter Langhart)

«Es ist ein Vorteil, dass unsere Galerie an der Peripherie liegt.» Erich Hausammann sagt das fast entschuldigend. «Unser Experiment ausserhalb der Kunstszenen hat sich bewährt.» Das Experiment umfasst 18 Ausstellungen in drei Jahren. Erich Hausammann und seine Frau Heidy, wohnhaft in Ermatingen, haben die Galerie Kirchgasse in Steckborn 2015 gegründet.

«Wir sind anders», sagt Erich Hausammann in der laufenden Ausstellung von André Butzer. Er präzisiert: «Wir müssen einiges anders machen.» Welche Strategie verfolgt die Galerie Kirchgasse? «Wir legen den Fokus auf zeitgenössische Kunst in einem internationalen Umfeld. Wir zeigen mindestens einen etablierten Künstler pro Jahr – Mary Bauermeister, Ulrike Ottinger oder André Butzer – und ergänzen sie mit jüngeren Positionen, an deren Potenzial wir glauben.» Also ein klares, geschlossenes Programm mit konsequent hoher Qualität, beim Inhalt wie beim Auftritt.

Unser Auftritt ist nicht provinziell,
also werden wir auch nicht als provinziell wahrgenommen.

Das hat sich längst herumgesprochen im Dreieck Zürich–München–Stuttgart. Besucher und Sammler reisen aus Hamburg und London, Basel und Zürich an. «Weniger um der Vernetzung willen, sondern unseres Programms wegen», sagt Erich Hausammann. «Unsere Galerie pickt Rosinen.» Wirkt eine Galerie in Steckborn nicht provinziell? Er lacht und verneint. «Wir verkaufen auch nach Deutschland, in die USA oder nach Grossbritannien. Unser Auftritt ist nicht provinziell, also werden wir auch nicht als provinziell wahrgenommen.»

Heimfahren oder in den See springen

Die Kirchgasse lockt mit Kunst an einem schönen Ort: «Wir liegen quasi am Bodensee, den die halbe Welt kennt.» Und es wird da eine gute Idee umgesetzt: Die Vernissagen finden samstags statt – und beginnen um 15 Uhr. «So können Besucher am Abend heimfahren, wenn sie nicht noch in den See springen und dann im Hotel übernachten wollen.»

Die Galerie Kirchgasse ist wirtschaftlich orientiert, stellt sich dem internationalen Markt, der tendenziell weniger Kunst verkauft, aber zu höheren Preisen. Wie aber kommt Hausammann an Qualität heran? «Wir sind gut vernetzt, arbeiten auch mit Externen zusammen.» Und Anne Gruber, Dozentin an der ZHdK, nimmt im September ein Teilzeitpensum auf. Hausammann sagt, er wende viel Zeit auf, um Künstler im Atelier zu besuchen und sie zu betreuen oder zu beraten. «Jüngere Künstler haben oft kaum Erfahrung in administrativen Dingen.» Übrigens schliesse er mit seinen Künstlern nie einen Vertrag ab, Handschlag reicht. «Vertrauen ist entscheidend, das wird geschätzt.» Dazu gehöre auch, dass er seine private Kunstsammlung seit der Eröffnung der Galerie nicht ergänzt: «Ich picke nicht die Rosinen heraus.» Unter den Kirchgasse-Käufern sind neben Privatsammlern auch Museen und Banken.

Der Kunstmarkt ist global, und Hausammann misst sich an ihm. Er nutzt konsequent die digitalen Kommunikationskanäle: Website und Newsletter, Facebook und Instagram. Vergangenes Jahr bekam die Kirchgasse eine ganze Seite auf dem Portal Artsy, mehrmals schon ist sie im Magazin des «Wallstreet Journals» präsentiert worden.

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