Auf einen Kaffee mit... dem Schauspieler Frederik Rauscher, der am  Theater St.Gallen eine komische Raupe und den rücksichtslosen Macho spielt

Seit dieser Spielzeit ist der 26-jährige Augsburger, der sich als Landei bezeichnet, festes Ensemblemitglied.

Urs Bader
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Schauspieler Frederik Rauscher ist neu am Theater St.Gallen.

Schauspieler Frederik Rauscher ist neu am Theater St.Gallen.

(Bild: Michel Canonica)

Als wir uns im St.Galler «Drahtseilbähnli» zu einem Kaffee treffen, kommt Schauspieler Frederik Rauscher gerade aus einer Aufführung von «Alice im Wunderland» im Theater St.Gallen. Darin ist er unter anderem ein Glied der wunderbar komisch-poetischen Raupe. Er spiele gerne für Kinder und Jugendliche, sagt er. «Sie sind ein erfrischendes Publikum, sie nehmen das Geschehen direkter auf und reagieren oft auch so.»

Neben dem Familienstück steht Rauscher in Tennessee Williams «Endstation Sehnsucht» auf der Bühne, in dem er mit starker Bühnenpräsenz den rücksichtslosen Macho Stanley Kowalski gibt. Und als wir uns nach gut einer Stunde verabschieden, geht er zurück ins Theater zu einer Probe des Schauspiels «Der Prozess», nach dem Roman von Franz Kafka, das am Freitag uraufgeführt wird. Alltag eines Schauspielers.

Das Stück ist eine Koproduktion mit der renommierten Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch» Berlin, von wo Frederik Rauscher vergangene Spielzeit ans Theater St.Gallen als Gast gekommen ist. Seit dieser Spielzeit ist der 26-Jährige, der in der Nähe von Augsburg aufgewachsen ist, nun festes Ensemblemitglied.

Frederik Rauscher hat eine Lehre als Koch begonnen, wurde dann aber doch lieber Schauspieler.

Frederik Rauscher hat eine Lehre als Koch begonnen, wurde dann aber doch lieber Schauspieler.

(Bild: Michel Canonica)

Trotz des «frühen Wunsches, Schauspieler zu werden» klappt es aber zunächst nicht. «Irgendwann habe ich mir gesagt: Jetzt reicht’s. Jetzt mache ich mal etwas im echten Leben», erinnert sich Rauscher. Interessiert hat ihn damals vieles: auf einer Alp zu arbeiten, zur See zu fahren, Koch zu lernen. Er beginnt schliesslich in Leipzig eine harte Kochlehre – und bricht sie bald wieder ab. Rauscher sagt:

«Das war zu viel echtes Leben auf einmal.»

Es drängt ihn weiter ins Theater - und jetzt gelingt ihm auch der Einstieg. An Theatern in Leipzig und in der dortigen Off-Szene sammelt Rauscher erste, breite Erfahrungen. In der Spielzeit 2014/15 kann er ein «Theaterjahr» am Burgtheater Wien absolvieren. «Das war eine intensive Zeit. Wir haben damals im Theater gelebt.» Schliesslich folgt die vierjährige Ausbildung an der «Ernst Busch».

Ausbildung – für Rauscher ist sein Beruf zunächst ein Handwerk, das man lernen kann. Und es ist gleichzeitig viel mehr. Dass jemand Schauspieler werden will, hat wohl unterschiedliche Gründe. Für ihn, der sich immer für vieles interessiert hat, wichtig: «Ich kann tausend Werdegängen, Lebensentwürfen nachspüren, kann wegkommen von mir selbst, andere Menschen spielen, mich verwandeln.»

Traumrolle in «Warten auf Godot»

Wenn Rauscher über seine Arbeit spricht, sucht er nach genauen Worten, präzisiert sie mit Händen und Fingern – Fingerspitzengefühl. Dabei merkt er schon mal heiter an: «Das tönt jetzt aber verschwurbelt.» Etwa wenn er erklärt, die Interpretation einer Rolle dürfe nicht «ausgedacht», sondern müsse «organisch, verstoffwechselt» wirken. Man spürt Begeisterung, wenn auch nicht der lauten Art, und kann sich gut vorstellen, wie beharrlich er an ­Details von Rollen arbeitet. «Gelingt ein Abend, ist das jedes Mal aufs Neue grossartig, klappt es nicht so recht, ist es schrecklich.»

Frederik Rauscher lernt seine Texte im Wald spazierend.

Frederik Rauscher lernt seine Texte im Wald spazierend.

(Bild: Michel Canonica)

Bei einem jungen Schauspieler kommt man um die Frage nach der Traumrolle nicht herum. Rauscher antwortet bedacht - mit Stücken, die ihn reizen würden: Becketts «Warten auf Godot» und Brechts «Herr Puntila und sein Knecht Matti». Bald beginnen für ihn die Proben zu «Träume einer Sommernacht», einer Komödie von Theo Fransz, frei nach Shakespeare. Uraufführung ist am 7. März am «Jungspund»-Festival.

Rauscher wird sich zum Textstudium wieder in die Wälder um die Stadt zurückziehen, wo er gelegentlich seinen Part spazierend vor sich hin spricht. Er fühlt sich wohl in St.Gallen, nicht nur am Theater. Das Dauerbrummen von Berlin vermisse er zurzeit überhaupt nicht. Von seinem Herkommen sei er eben ein «Landei».

Premiere «Der Prozess», Fr, 19.30 Uhr, Theater St.Gallen.