«Auf ein Wort»-Kolumne
Wenn etwas «süürelet», dann schmeckt es nach ...

In seiner aktuellen Mundartkolumne erklärt Niklaus Bigler, weshalb Schweizerdeutsch besonders gut geeignet ist, um verschiedene Gerüche zu benennen.

Niklaus Bigler
Niklaus Bigler
Drucken
Teilen
Viiele Grosskonzerne schaffen es nicht, Werbung in korrekter Mundart zu machen.

Viiele Grosskonzerne schaffen es nicht, Werbung in korrekter Mundart zu machen.

Keystone

Mit dem Slogan «So schmöckt’s Dihei» versucht ein Werbespot, Gemüsebouillon mit Heimatgefühlen zu verknüpfen. Nur: Der Sprecher sagt auf eine Art Zürichdeutsch «bi öis z Schaffuuse», die Herstellerfirma gehört einem britischen Grosskonzern, und als Hintergrund präsentiert sich ein Schneeberg aus Oberbayern ­– wo sind wir nun eigentlich dihei?

Am meisten aber beschäftigt mich unter diesen Umständen das Wort schmöcke. Was ist damit gemeint? Mit «Hats geschmeckt?» wird der Gast gefragt, ob ihm das Essen geschmacklich zugesagt hat. Das gilt auch für Süddeutschland und Österreich, in der Schweiz aber bedeutet schmöcke riechen, einen Geruch haben (Du schmöcksch aber gspässig) oder wahrnehmen (Me schmöckts vo wiitem).

Ein Verb im Sinne von «es mundet» ist im Schweizerdeutschen kaum zu finden. Wer munden einfach in muule umformt, ist völlig auf dem Holzweg. Früher sagte man etwa (im Thurgau) S nimmt mi nünt me aa (nichts schmeckt mir mehr) oder (im Zürichbiet) Lönd i s b(e)liebe (lasst es euch schmecken).

Die Stärke unserer Mundart liegt anderswo; sie kann mit einem Wort ziemlich genau ausdrücken, wonach etwas riecht oder schmeckt. Auf diesem Gebiet sind die Ableitungen auf -ele fast unerschöpflich: süürele (säuerlich riechen/schmecken), säuele (verkocht, nach Schweinefutter), böckele (nach Geissbock), bääggele, määggele (widerlich, ranzig), wildele, herrschele (nach Wild), rämsele (unangenehm, nach Bärlauch), tökterle, apiteeggerle (nach Arzneien), schmüürzele (verbrannt).

Sogar nüütele (nach nichts, fade schmecken) ist bezeugt. Die meisten Wörter meinen etwas Negatives und sind damit für Werbetexte ungeeignet.

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).

Aktuelle Nachrichten