Kolumne

«Auf ein Wort»: Früher bestellte man keine Stange Bier, sondern einen ... Bier

Die Mundartkolumne von Niklaus Bigler diesmal zu einem Mass, das heute nur noch wenige Leute verwenden.

Niklaus Bigler
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Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Bild: CH Media

Der Schoppe hat mit dem Verb schoppe (stopfen, althochdeutsch scoppēn) nichts zu tun. Offenbar ist er im 17. Jahrhundert zu uns gelangt, und zwar aus dem Französischen (chopine, chopaine), wo er schon im Mittelalter aus dem Niederdeutschen entlehnt worden war.

Das niederdeutsche Femininum Schoppe ist verwandt mit schweizerdeutsch Schueffe, Schüeffi; bei uns hat die hochdeutsche Lautverschiebung aus -p- ein -ff- gemacht. All diese Wörter bezeichneten in erster Linie Schöpfgefässe.

Vor allem war die Schoppe ein Gerät der Bierbrauer, und zusammen mit der Brautechnik wurde auch der Name dieses Gerätes über Sprach- und Landesgrenzen hinweg exportiert.

Bis zur Einführung des Meters und des Dezimalsystems gehörte der Schoppen zu den amtlichen Hohlmassen; er war definiert als ein Viertel der Mass, und diese entsprach je nach Herrschaftsgebiet einem Volumen von 1,2 bis 1,7 Litern.

Ein Schoppen ergab also etwa drei bis vier Deziliter; heute sind es je nach Gegend zwei, drei oder fünf. Er war somit das übliche Bestellquantum im Wirtshaus, wenn zwei sich unterhielten oder wenn ein stiller Zecher Durst hatte.

Handwerker beanspruchten neben dem Lohn einen Schoppen Wein am Vormittag und einen oder zwei am Abend; das ist noch im 19. Jahrhundert in Abrechnungen belegt. Das Verb schöpple (schoppenweise trinken) kennzeichnete den Alkoholiker.

Auch Speiseöl wurde per Schoppen gehandelt; sogar die Milchflasche des Säuglings (Schoppe-fläsche) fasste etwa einen Schoppen. Weinpanschern wird folgende Mischrechnung zugeschrieben: Drei Schoppe Wii und e Schoppe Wasser gänd au e Maass.

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).

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