Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Das Kurtheater Baden und den Argovia Philarmonic laden auf ein Tänzchen mit der Fledermaus ein

Robert Hunger-Bühler inszeniert mit dem Argovia Philharmonic und dem Kurtheater Baden Johann Strauss’ Operette «Die Fledermaus».
Dario Pollice
Besuch bei den Proben: Marysol Schalit als Zofe Adele. Bild: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Besuch bei den Proben: Marysol Schalit als Zofe Adele. Bild: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

In der Alten Schmiede Baden hat sich eine Fledermaus einquartiert, die auch tagsüber hellwach ist. Genau genommen handelt es sich bei dieser Fledermaus um eine Ansammlung aufrechter Zweibeiner: Musiker, Schauspieler, Akrobaten, eine Tänzerin und allerlei Technikleute, die in der Werkhalle umherflattern.

Der Regisseur und Schauspieler Robert Hunger-Bühler sitzt mit einem Hut à la Fellini an einem kleinen Tisch vor der ersten Zuschauerreihe und studiert seine Notizen. Er verantwortet die Inszenierung von Johann Strauss’ Operette «Die Fledermaus», die am 30. August Premiere feiert. Seit der Uraufführung 1874 gilt sie als Meisterwerk der Wiener Operette und begeistert die Zuschauer durch ihren mitreissenden Walzer und ihre slapstickhafte Komik.

Vor der Haft noch einmal auf den Putz hauen

Der Dreiakter beginnt damit, dass Gabriel von Eisenstein (Viktor Rud) eine Haftstrafe absitzen muss. Sein Freund Dr. Falke (Daniel Gutmann) überredet ihn, davor noch einmal richtig auf den Putz zu hauen, und zwar auf dem Ball des Prinzen Orlofsky (Annabelle Sersch). In Wahrheit plant Falke, sich wegen eines früheren Streichs zu rächen.

Eisenstein liess Falke einst nach einem Maskenball im Fledermauskostüm betrunken nach Hause torkeln, und machte ihn damit zum Gespött der Stadt.

Am Abend des Balls sind alle verkleidet und jeder gibt vor, jemand anderes zu sein: Die Zofe Adele (Marysol Schalit) erscheint als Schauspielerin, Eisensteins Gattin Rosalinde (Solen Mainguené) gibt sich als ungarische Gräfin aus und Eisenstein selber als französischer Marquis. Der Schampus fliesst in Strömen und so nimmt das irrwitzige Spiel aus Verwechslungen, Flirts und Intrigen seinen Lauf.

Während einer Kaffeepause vor Probenbeginn erzählt Hunger-Bühler, dass die Inszenierung mehr oder weniger aus einem Jux zwischen ihm und Christian Weidmann, dem Intendanten des Argovia Philharmonic, entstanden ist: «Ich habe sofort zugesagt, ohne zu wissen, auf was ich mich eigentlich einlasse. Dabei ist ‹Die Fledermaus› nicht etwas Kleines, Dahingekleckertes – das ist eine währschafte Operette.» Die Entscheidung bereue er aber keineswegs. «Diese Katze im Sack hat sich als eine sehr fruchtbare Fledermaus entpuppt.»

Ironischerweise hatte Hunger-Bühler vor dieser Inszenierung keinen besonders starken Bezug zu Operetten: «Ich habe sie immer als süffige Feierabendmusik abgetan, bei der man den Kopf nicht ganz so anstrengen muss.» Heute sehe er das immer noch ein bisschen so, aber in einem schönen Sinne. «Die Leute arbeiten tagsüber und gehen am Abend nicht frischen Kopfes ins Theater. Doch diese geniale Musik von Johann Strauss durchlüftet den Kopf so gründlich, dass auch sehr geistvolle Geschichten Platz haben.»

Für den gebürtigen Aarauer ist «Die Fledermaus» nicht die erste Regiearbeit. In sei- ner über vierzigjährigen Theaterkarriere war er immer wieder als Regisseur tätig, unter anderem am Theater Freiburg und am Schauspielhaus Zürich. Bekanntheit erlangte er aber vor allem durch seine Schauspieldarbietungen auf den grossen deutschsprachigen Theaterbühnen und in über 50 Kino- und Fernsehproduktionen. Vor kurzem bestritt er seine letzte Saison am Schauspielhaus Zürich, wo er fast zwei Jahrzehnte lang zum festen Ensemble gehörte.

Rückkehr in Heimatkanton «ein Geschenk»

Genau diese langjährige Schauspielerfahrung ermöglicht es Hunger-Bühler, auf die spezifischen Bedürfnisse der einzelnen Akteure auf der Bühne einzugehen. «Ich muss mich nicht mehr allerorts beweisen, und dadurch habe ich die Gelassenheit, meine Erfahrung weitergeben zu können.»

Und wie fühlt es sich für den Theaterschaffenden an, wenn er nach all den Jahren im Zürcher «Exil» wieder in seinem Heimatkanton eine Aufführung auf die Beine stellen kann? «Es ist toll. Für mich ist es wie ein Geschenk. Es gibt keinen grösseren Absprung in eine andere Welt, als vom Ensemble des Zürcher Schauspielhauses nun mit dieser Fledermaus loszufliegen.»

«Ich habe Operetten immer als süffige Feierabendmusik abgetan.» Robert Hunger-Bühler Schauspieler und Regisseur.

«Ich habe Operetten immer als süffige Feierabendmusik abgetan.» Robert Hunger-Bühler Schauspieler und Regisseur.

Die musikalische Leitung der Operette hat der gebürtige Kreuzlinger Tobias Engeli, der seit fünf Jahren als Erster Kapellmeister an der Leipziger Oper arbeitet. Für die «Fledermaus» hat Engeli die Operette neu für 15 Musiker instrumentiert. Diese teilen sich in ein zehnköpfiges Orchester und eine Banda auf. Nebst Musikern und Schauspielern stehen auf der Bühne auch zwei Akrobaten, eine Tänzerin und ein Maler – ein vielsparti-ges, buntes Ensemble.

Bis zur Premiere am Freitag wird das Ensemble hauptsächlich damit beschäftigt sein, am richtigen Timing zu feilen, ein «Geben und Nehmen zwischen den Worten und den Songs», so Hunger-Bühlers Umschreibung. Dass die Akustik dabei durch den industriellen Charakter der Alten Schmiede beeinflusst wird, hat seine Tücken. Doch der Regisseur ist fasziniert von der Spielstätte: «Wir wollen keine Konzerthallen-Atmosphäre, sondern diesen kruden Charakter der Schmiede, wo Eisen und Beton mitschwingen, beibehalten.»

Die Fledermaus

Premiere: 30. August – Alte Schmiede, Baden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.