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Dieser Film vertraut ganz auf die Sicht des Kindes

Carla Simón erzählt in ihrem Spielfilmerstling «Summer 1993» vom Umzug eines verwaisten Mädchens in die Familie ihrer Verwandten – ein berührendes kleines Meisterwerk.
Irene Genhart
Die sechsjährige Frida verliert ihre Eltern und kommt zu Verwandten aufs Land. (Bild: Cineworx)

Die sechsjährige Frida verliert ihre Eltern und kommt zu Verwandten aufs Land. (Bild: Cineworx)

Barcelona, 1993: Mit einem Feuerwerk, Ah- und Oh-Ausrufen und jubelnden Kindern feiert man den Sommeranfang. Die sechsjährige Frida aber schleicht sich weg vom Rummel in die Wohnung, in der sie bisher mit ihrer Mutter hauste und wo nun Verwandte ihre Koffer packen. Die Stimmung, obwohl der Onkel Gitarre spielt, ist bedrückt. Frida schweigt und schaut. Ihre Mutter wird nicht wiederkommen, ist gestorben wie vor einiger Zeit ihr Vater. Nun kommt Frida zu Verwandten aufs Land – zu Esteve, dem Bruder ihrer Mutter, seiner Frau Marga und zu deren dreijähriger Tochter Anna. Hier soll sie künftig leben, zu Hause sein.

Frida – von Laia Artigas berührend konzentriert gespielt, oft auch kindlich vergessen – schaut und schweigt fast immer. Vieles ist ihr neu und fremd. Den gackernden Hühnern weicht sie aus, Grünzeug kann sie voneinander nicht unterscheiden, Milch mag sie nicht, auch wenn Marga behauptet, dass diese gesund sei. Stattdessen klammert sie sich an ihre Puppen und verbietet Anna, diese zu berühren. Es sind Geschenke ihrer bisher wichtigsten Menschen: ihrer Mutter, ihrer Lieblingstante und der Grosseltern, die sich bisher um sie gekümmert hatten.

Gleichwohl beginnt Frida im Spiel mit Anna ihr neues Zuhause zu erkunden: Schopf, Hühnerstall, den bis ans Haus wachsende Wald mit seinen riesigen Bäumen, die zum Spielen und Klettern einladen. Irgendwo steht eine Madonnafigur, der Frida manchmal ein Geschenk für ihre Mutter hinlegt: Mama seit zwar tot, schaue ihr aber vom Himmel aus zu, hat die Grossmutter gesagt und Frida das Vaterunser beigebracht.

Am Ende kann Frida wieder lachen – und weinen

Carla Simón lässt sich in «Summer 1993» ganz auf die Sicht ihrer Protagonistin ein. Dabei bleibt viel Faktisches, weil von Frida nur fetzenweise erhascht, im Vagen. Doch darin liegt auch der Reiz des Films, dessen Regisseurin – selber Erlebtes verarbeitend – mit feinem Fingerspitzengefühl schildert, wofür es kaum Worte gibt: die unendliche Trauer und tiefe Einsamkeit eines Kindes, dem die letzte Garantie seines Lebens genommen wurde.

Dass der Film weitere Ebenen hat, macht ihn umso wertvoller. Etwa wenn Frida im Spiel ihre Mutter als grell geschminkte, endlos Zigarette rauchende, an ihr nicht interessierte Frau zeigt. Oder wenn durch Fridas Reaktionen auf Arztbesuche und Margas Unwohlsein auch Aids angesprochen wird, das ihre Mutter ins Grab brachte und Anfang der 1990er-Jahre die ganze Gesellschaft lähmte.

Allmählich beginnt Frida zu reden und zu fragen. Auch wenn Marga und Esteve nicht immer eine Antwort wissen und Frida ihre Geduld bisweilen überstrapaziert, wachsen sie allmählich zur Familie zusammen. Und als Frida ihr Lachen wiederfindet, kann sie endlich auch weinen. So einfach, so berührend kann das Leben sein – und das Kino.

Ab 26.7. im Kino.

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