Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

T.C.Boyle schreibt im neuen Roman über LSD - auf der Suche nach göttlichem Licht

T. C. Boyle und LSD – das klingt nach einer hochexplosiven Mischung. Doch leider hat der US-Kultautor das Thema seines jüngsten Romans verschenkt.
Anne-Sophie Scholl

Mit einem diabolischen Lächeln liess er die Buchstaben auf seiner Zunge zergehen: «L – S – D». Das war vor zwei Jahren. T. C. Boyle war auf Lesereise mit seinem letzten Buch. «Am Anfang wurde LSD in der Psychiatrie verwendet, um den Leuten den Zugang zu den Sinnen zu ermöglichen», erzählte er damals. «Man nennt das ein Entheogen: Es ermöglicht einem, Gott zu sehen. Diese Idee fasziniert mich.»

T. C. Boyle und LSD – das klingt nach einem hochexplosiven Gemisch. Der 69-jährige Boyle ist der Rocker unter den Literaten. In seiner Jugend hat er selber mit Drogen rumgemacht – bis er seine Rettung im Schreiben gefunden hat. Seither wirft er fast im Jahrestakt einen neuen Titel auf den Markt. Sein jüngstes Buch ist sein 17. Roman, und wie auch schon erscheint es zunächst in der deutschen Übersetzung mit dem Titel «Das Licht», bevor im April das amerikanische Original publiziert wird. Boyle hat im deutschsprachigen Raum eine grosse Fangemeinde, die ihn für seine Themen liebt: Da sind die Hippiekommunen – ihnen hat Boyle in «Drop City» ein Denkmal gesetzt. Da ist der Sex, Hoffnung auf Erlösung in einer höheren Form des Seins und zugleich Ursache zutiefst menschlichen Versagens, prominentes Thema im Roman «Dr. Sex» über den US-amerikanischen Sexualforscher Alfred Kinsey in den 1940er-Jahren. Da ist die Rebellion gegen die Normen – auf die Spitze getrieben in «Hart auf hart» über waffenverliebte Prolls, aus denen sich heute die Gefolgschaft Trumps nährt. Und da ist die Liebe zu Frauenfiguren oder allgemein zu Idealisten, die auf verlorenem Posten stehen. Im psychedelischen Farbstrudel der zunächst hochgejubelten und dann verteufelten Wunderdroge LSD scheinen all diese Themen zu verschmelzen.

Irre Radelei nach Bottmingen

«Jedermann weiss, was mit LSD nach 1965 passiert ist. Deswegen schreibe ich nur über die frühen Tage», hatte der Autor vor zwei Jahren gesagt. Nun, das Buch ist da. Und es beginnt wie angekündigt mit einem Prolog, der in Basel spielt – Albert Hofmanns genau protokollierte irre Radelei heim nach Bottmingen im Frühling 1943 nach seinem legendären Selbstversuch mit LSD. Zuvor hatte der Wissenschafter durch Zufall die psychoaktive Wirkung der Substanz im Forschungslabor von Sandoz entdeckt.

Nach diesem Auftakt ist man gespannt: Welche Facetten wird der Autor dieser mythischen Substanz abgewinnen? Nach dem Prolog wechselt Boyle ins Jahr 1962 und nach Amerika, an die berühmte Elite-Universität Harvard in Boston, wo ein charismatischer Professor namens Timothy Leary am Zentrum für Persönlichkeitsforschung der psychologischen Fakultät arbeitet. Er und Professor Dick Alpert galten als «die jungen Wilden, die eine ganz neue, nicht auf Autoritäten und Hierarchien, sondern auf Transaktion basierende Methodologie» entwickelt hatten. «Es war eher, als würde man mit dem Patienten ein Bier trinken, anstatt ihn auf eine Couch zu legen und wie ein Inquisitor zu befragen», schreibt Boyle. Leary hatte ein Buch herausgegeben, das mit den Schulen des Behaviorismus und der Freudschen Analyse brach. Er und Alpert forschten mit Psilocybin, das Chemiker aus mexikanischen Zauberpilzen synthetisiert hatten, und mit dem schon früher synthetisierten LSD. Ziel der klinischen Versuche war es, das Unbewusste freizulegen. «Man brauchte keine langwierige Psychotherapie – man brauchte nur diese kleine rosarote Tablette. Es war wie Zauberei», so Boyle. Um die menschliche Psyche besser kennen zu lernen, wurden Selbstversuche mit Ausgewählten durchgeführt, die zum «inneren Kreis» gehörten.

Mystische Suche oder Party?

War das noch Wissenschaft, Suche nach Bewusstseinserweiterung und göttlichem Licht oder nur noch eine Drogenparty? Aus der Perspektive des Doktoranden Fitz, dessen Frau und dem Teenagersohn erzählt Boyle vom Strudel dieser Ambivalenz. Er erzählt davon, wie der verschworene Kreis aus Harvard rausgeworfen wird. Er erzählt von der Einstellung der Sandoz-Lieferungen, von Geldnöten, von der Ausweitung der Sitzungen zu riesigen Partys, gruppensexuellen Experimenten, zunehmend höheren Dosen und der Ausweitung der Sessions auf Jugendliche.

Boyle erzählt gut, in seiner unverkennbaren Mischung von Wärme und Ironie, wenn auch manchmal auf geschwätzige Art. Neue Erkenntnisse aus dem Leary-Umkreis sind nicht auszumachen. Schade scheint auch, dass der vor zwei Jahren geplante Epilog fehlt. Boyle hatte Albert Hofmann noch einmal zu Wort kommen lassen wollen. Das wäre interessant gewesen. Denn auf der Gedenkveranstaltung zu dessen 100. Geburtstag 2006 in Basel wurde seine Entdeckung neu belebt. Bundesrat Pascal Couchepin gab als Pionier in Europa grünes Licht für die Wiederaufnahme der Forschung in «wissenschaftlichem und ethischem Rahmen». Eine Pilotstudie brachte vielversprechende Resultate. Seither wird LSD in der Schweiz in Einzelfällen in der Therapie eingesetzt. Im Buch erfährt man davon nichts.

T. C. Boyle: «Das Licht», Hanser, 384 S. Lesung: 11.2., 19 Uhr, Kunstmuseum, Basel.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.