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Auf der Suche nach dem Kehlkopfschlag

Jodeln kann jeder lernen – mit ein bisschen Musikgehör. Eine 30-minütige Selbsterfahrung unter kundiger Anleitung vor dem Nordostschweizerischen Jodlerfest. Gesucht wird der geheimnisvolle Übergang zwischen Brust- und Kopfstimme.
Christoph Zweili

Gejodelt? Noch nie, hört sich aber ab und zu nach Gänsehaut an! Da, wo der Körper in Alarmbereitschaft versetzt wird und Stresshormone ausgeschüttet werden, im Mandelkern also, da soll unser Oberstübchen bereits nach 20 Minuten Jodeln auf Glücksempfindungen schalten. Ob das bei allen geht? – Die Entdeckungsreise in innere Klangräume und das Wechselspiel von Zwerchfell und Rippenbogen beginnt – richtig: mit Atmen.

Der erste Schritt. Aufrecht hinstehen, damit im Oberkörper alles offen ist und die Energie fliessen kann. Die Gossauer Jodellehrerin Monika Krapf hat es schon über 1000 Schülerinnen und Schülern beigebracht: Spannung aufbauen, Atemtechnik üben, ein Fundament legen: Das ist der Ansatz zum Erfolg. «Bis das sitzt, geht's bis zu einem Jahr.» Bis zum Jodlerfest sind es aber nur noch ein paar Tage. Die Luft ist ein Strom aus dem Energiezentrum, dem Bauch, der nicht abreissen darf. Diese Tiefenatmung ist das Wichtigste für den guten Ton. Also: Mit «fffff» ausatmen, der Bauch spannt sich – «und loslassen!» Weitere «fffff» folgen, in kurzen Abständen, wieder im Wechsel mit dem Anspannen der Bauchmuskeln. Durchs Musikzimmer der Lehrerin rollen «rrr», gehauchte «hhhh», abgehackte «tttt», «gggg», «tsch» und «pffff», bevor sich alles in einem befreienden «huiiiii» auflöst.

Der Kopf ist im Weg

Mit dem gespannten Theraband in der Hand fällt das rhythmische «schschsch» leichter. Der Kopf ist abgelenkt, der Bauch arbeitet dank des einfachen Hilfsmittels richtig. Zusammen singen wir «S'isch mer alles ei Ding». Die Melodie ist bekannt, die Worte auch. Bleibt also Zeit, sich auf die Atmung zu konzentrieren. Beim «Schluss-g» wird das Theraband entspannt. Das Atmen klappt. «Trick 77», sagt Krapf knapp, die viel mit derartigen Hilfsmitteln arbeitet. Jetzt die Stimme aufwärmen. Wenn es ganz schnell gehen muss, ist Stimmband-Gymnastik gefragt: Mit «Mmmmmmm» heulen wir uns in Höhen, bis der Ton abbricht. So werden die Stimmbänder auseinander gezogen und wieder losgelassen. Die tiefen Töne gehen, die hohen auch – schwierig ist der Übergang. Genau den brauchen wir aber. Diesmal also die Gummibandtechnik im Rachenraum anwenden. Je besser die Stimmlippen schliessen, desto klarer ist der Ton. Auf zu den Brusttönen: Mit «O» den Mundraum öffnen lernen, die Brust, den Rachen, die Kiefer-, Nasen-, Stirnhöhle und den Kopf als Resonanzraum nutzen.

Tonleiter rauf und runter

Mit «Jooo» gehts die Tonleiter rauf und runter etwa bis zum «G», dem Wechsel zur Kopfstimme. Den Mundraum zwei Fingerbreit auf für die «innere Öffnung». Aufwärts mit «Juuu» in die Kopftöne und Ton für Ton wieder langsam runter. Und dann heulen wir vom brustigen «Jooo» ins kopfige «Juuu». Wenn das keinen Spass macht: Das ist der Kehlkopfschlag. Mit den Vokallauten «Joo», «lüü», «uuu», «luuu», «ooo», «luu», «uuuu» wird er gleich beim ersten Vers vom Singjodel aus «E Traum» von Robert Fellmann eingesetzt.

Gleichzeitig Noten ablesen und die Akzente richtig singen – eine Herausforderung. «Aufgabe bestanden!», rühmt die Lehrerin den Tenor. Muss sie ja. Mich freut's. Hinter den einfach gestrickten Jodeltexten steckt eine ausgeklügelte Technik – alle Achtung!

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