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Auf der Bühne regiert die Dame: Ein Musical-Klassiker auf St.Galler Bühne

Mit «Hello, Dolly!» bringt das Theater St. Gallen einen Broadway-Klassiker auf die Bühne, mit Dagmar Hellberg und Walter Andreas Müller in den Hauptrollen.
Rolf App
Grosser Auftritt von Dolly, von den Kellnern besungen. (Bild: Andreas J. Etter)

Grosser Auftritt von Dolly, von den Kellnern besungen. (Bild: Andreas J. Etter)

Wir überqueren die Bühne und sehen zuerst einmal – nichts. Nur Kulissenteile von hinten. Aber wir hören es schon. «Hello, Dolly!», singen die Kellner des noblen New Yorker Restaurants «Harmonia Gardens» gerade, die Musik kommt vom Klavier. Natürlich kommt einem Barbra Streisand in den Sinn, wie sie es im Film von Gene Kelly zusammen mit Louis Armstrong im Duett anstimmt. Ein Welthit, der dem Musical von Jerry Herman aus dem Jahr 1964 seinen Namen gegeben hat und der einem nicht mehr aus den Ohren gehen will.

Umso erstaunlicher, dass das Musical am Theater St. Gallen nur gerade ein Mal gespielt wurde: in der Saison 1968/69 und dann fünf Jahrzehnte nicht mehr. Lange ist es auch andernorts in Vergessenheit geraten – bis Bette Midler mit ihm am Broadway ein Revival feierte. Mit der schrägen Komödie um die Heiratsvermittlerin Dolly Levi, die den geizig-missgünstigen Horace Vandergelder unter Inkaufnahme von allerlei Turbulenzen unter ihre eigene Haube bringen will – und drei andere Paare gleich auch noch erfolgreich verkuppelt.

«Hello, Dolly!» ist Nostalgie mit Hintersinn

Es ist «ein wunderbar nostalgisches Stück» und «eine hübsche Reminiszenz an unser Theater- jubiläum», sagt Opernchef Peter Heilker. Denn 1968 hat das Theater St. Gallen seinen – mittlerweile arg sanierungsbedürftigen – Neubau bezogen.

Allerdings handelt es sich bei «Hello, Dolly!» um Nostalgie mit Hintersinn. Denn, merkt Heilker am Tag der Bundesratswahl an: «Alles passt ganz wunderbar: Wir haben zwei neue Bundesrätinnen, und auf der Bühne regiert die Dame.» Zwar hat Horace Vandergelder entschieden das Gefühl, er treffe die Entscheidungen. Doch in Tat und Wahrheit weiss Dolly Levi genau, wie und wohin sie ihn dirigieren will. «Es ist», sagt Peter Heilker, «ein totales Emanzipationsstück.» Für das er in der Sängerin und Schauspielerin Dagmar Hellberg eine ideale Besetzung gefunden zu haben glaubt – und in Walter Andreas Müller den zu ihr passenden Horace Vandergelder.

Während wir miteinander sprechen, hat sich auf der Bühne die choreografisch ziemlich knifflige Hello-Dolly-Szene aufgelöst, unten im Orchestergraben treffen die ersten Musiker ein und stimmen ihre Instrumente. Ricarda Regina Ludigkeit hat jetzt Zeit für ein kurzes Gespräch. Sie hat die Choreografie erarbeitet und leitet für Josef Ernst Köpplinger die Proben. Er ist noch in Wien beschäftigt mit Ferdinand Raimunds Zaubermärchen «Der Bauer als Millionär», das zwei Tage vor «Hello, Dolly!» Premiere hat. «Wir arbeiten seit 25 Jahren zusammen, da lernt man sich gut kennen», sagt sie. «Es ist ein wenig wie bei einem alten Ehepaar – auch wenn wir zwischendurch gern unsere eigenen Wege gehen.» Dieser Musical-Klassiker stelle besondere Anforderungen. Denn, sagt Ricarda Regina Ludigkeit, «‹Hello, Dolly!› stammt aus einer Zeit, da die Darsteller ganz selbstverständlich gleichermassen singen, spielen und tanzen konnten. Das macht die Inszenierung anspruchsvoll.»

Die Musik schillert in vielen Farben

Ausserdem, fügt Ricarda Regina Ludigkeit noch hinzu, bevor Koen Schoots im Orchestergraben auftaucht: «‹Hello, Dolly!›ist ein Stück für grosses Orchester, ich mag die Musik sehr.» In der Tat: Sobald Schoots den Taktstock hebt, entwickelt Jerry Hermans Musik einen enormen Sog und leuchtet in vielen Farben. «Das ist alles handwerklich auf hohem Niveau», sagt Koen Schoots in der Pause. «Und es ist stilistisch sehr abwechslungsreich, mit Walzer, mit Swing, mit Polka. Ich habe viel Freude dabei, ‹Hello, Dolly!› ist Broadway im besten Sinne.»

Freude hat Schoots auch wegen der Umstände, unter denen er arbeitet. «‹Hello, Dolly!› ist sehr klassisch orchestriert», sagt er. «Deshalb verdient dieses Musical auch ein grosses Orchester, das ich hier bekomme. Deswegen arbeite ich so gerne in St. Gallen.» Andernorts, auch am Broadway, mache man heute grosse Abstriche bei der Orchesterbesetzung und verwende das Geld lieber anderswo.

«Man unterschätzt diese Form des Musiktheaters»

Schoots hat als klassischer Kapellmeister angefangen und Oper dirigiert, bevor sich gezeigt hat, dass er ein Händchen fürs Musical hat. «Viele Dirigenten unterschätzen diese Form des Musiktheaters», sagt er. «Man muss sich aber gut auskennen, muss beispielsweise wissen, wie man einen Swing spielt, bei dem vieles nicht in der Partitur notiert steht. Ich sage den Trompetern in der ‹Hello, Dolly!›-Nummer immer, sie müssten sie ‹faul› spielen, also nicht nach vorne und mit viel Energie. Sie muss etwas Anzügliches haben.»

Die Pause ist zu Ende, Koen Schoots muss wieder los. Gleich erklingt eine seiner Lieblingsnummern, «Eleganz», die «pfiffig und witzig gemacht» sei, später dann «Hello, Dolly!» mit einem prachtvoll grossen Orchester.

Samstag, 19.30 Uhr, Theater St. Gallen

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