«Auf der Bühne versuche ich, selber der Idiot zu sein»: Kabarettist Jan Rutishauser hat ein neues Soloprogramm erarbeitet

Der Güttinger Kabarettist Jan Rutishauser eckt auch mal mit Blockflöten-Witzen an. Doch sein Publikum soll sich wohlfühlen. Im neuen Soloprogramm «Absolute Perfektion» erzählt er auf der Bühne vom Zusammenziehen mit der Freundin.

Roger Berhalter
Hören
Drucken
Teilen
«Absolute Perfektion» heisst das dritte Soloprogramm von Jan Rutishauser, das am Samstag in Kreuzlingen Premiere feiert.

«Absolute Perfektion» heisst das dritte Soloprogramm von Jan Rutishauser, das am Samstag in Kreuzlingen Premiere feiert.

Bild: Ralph Ribi

Dass er mit Blockflötenwitzen einmal anecken würde, hätte er nie gedacht. Und doch ist es Jan Rutishauser passiert. Während eines Auftritts zog der Kabarettist über das Instrument her, ­verglich es «visuell mit einem Schlagstock» und rief ins Publikum: «Rette Leben! Zerbrich eine Blockflöte!» Nach dem Auftritt sprach ihn der Ehemann der Präsidentin des lokalen Blockflötenensembles an. «Er fand meine Witze gar nicht lustig.»

Spätestens seit diesem Abend weiss er: «Egal, wie harmlos die Themen sind, man kann trotzdem nicht allen gefallen.» Er sagt aber auch: «Ich möchte, dass sich das Publikum während meiner Auftritte wohl fühlt.» Am Samstag gibt es dazu die nächste Gelegenheit. Dann feiert Rutishausers neues Soloprogramm «Absolute Perfektion» im Theater an der Grenze in Kreuzlingen Premiere.

Laubbläser und skurrile Stellenanzeigen

Nein, bissig ist Jan Rutishauser nicht. Politische Satire liegt dem 32-Jährigen ebenso wenig wie Beleidigungen. «Auf der Bühne versuche ich, selber der Idiot zu sein. Ich mache lieber mich fertig als andere.» Statt bissig ist er lustig, und darin ist er gut. Er beweist dies in seiner monatlichen Kolumne im Kulturmagazin «Saiten», wo er über Laubbläser, skurrile Stellenanzeigen und ja, auch Blockflöten schreibt. Er beweist es bei Kurzauftritten als Slampoet. Und er beweist es in seinen abendfüllenden Solo­programmen.

Im Gegensatz zu vielen anderen ist Jan Rutishauser nicht in die Kabarett-Szene hineingerutscht. Er hat den Weg zum Künstler schon früh eingeschlagen. «Etwas trieb mich auf die Bühne», erinnert er sich an seine Kantizeit. Allerdings sei er damals noch viel zu schüchtern gewesen.

Er begann mit der Zauberei; der praktische Teil seiner Maturaarbeit war eine 20-mi­nütige Zaubershow. «Diese Art aufzutreten gab mir Sicherheit. Denn selbst wenn die Präsentation nicht spannend war, hatte ich immer noch die Tricks, die funktionierten.» Nach der Matura bildete sich Rutishauser zum Bühnenprofi aus, absolvierte zunächst die Theaterschule Dimitri und studierte danach Pantomimenkunst in London.

Heute ist von seiner Schüchternheit nichts mehr zu spüren. Rutishauser ist ein eloquenter Redner, die Worte sprudeln aus seinem Mund, im Gespräch erweist er sich als blitzgescheiter Beobachter des Zeitgeschehens. Aus dem Effeff zitiert er französische, deutsche und amerikanische Kabarettisten, lässt seine Gedanken fliegen und bleibt doch stets am Boden.

Klischees aufzugreifen, reicht ihm nicht

Seit zwei Jahren wohnt er in St.Gallen; er ist mit seiner Freundin zusammengezogen. Ein biografischer Fakt, der bei anderen Privatsache bliebe, ­Rutishauser aber macht ihn auf ­humoristische Weise öffentlich: Die «Ängste, Bedenken und Möglichkeiten», die sich durch die erste gemeinsame Wohnung mit der Freundin ergäben, bilden die Rahmenhandlung seines neuen Soloprogramms.

Man erwartet jetzt vielleicht Witze über die Unterschiede von Mann und Frau. Doch Rutishauser möchte mehr als nur Klischees aufgreifen. «Das machen andere schon, mich interessiert es viel mehr, Alltägliches aus einer neuen Perspektive zu zeigen.»

Was er aber oft nicht lassen kann, sind ein, zwei Witze über Thurgauer Klischees. Zu Beginn eines Auftritts, um das Eis zu brechen. Danach wechselt Rutishauser aber jeweils schnell von Mundart zu Hochdeutsch und sagt: «Gern geschehen.»

Premiere «Absolute Perfektion»: Sa, 18.1.2020, 20 Uhr, Theater an der Grenze, Kreuzlingen

COMEDY: «Föhn, Sie zu sehen!»

Der Thurgauer Kabarettist Jan Rutishauser stellt sein zweites Soloprogramm als Vorpremiere in Romanshorn vor. Nach dem ersten Soloprogramm «Burnout» wendet er sich der «Gepflegten Langeweile» zu.
Brigitte Elsner-Heller

KRADOLF: Jan brennt

Am Freitagabend gastierte der Kabarettist Jan Rutishauser mit seinem Programm «Burnout» beim Kulturverein Steinacker. Dabei gewährte er den 50 Zuschauern einen Einblick in sein Privatleben.

«Jeder Abend ist nur zum Teil planbar»

Der Güttinger Jan Rutishauser ist 27 und bereits mehrfach ausgezeichneter Kabarettist. Er kennt sich mit schlafenden Hasen, Groupies und Nebel aus und macht auch defekte Liebeslieder. In zwei Wochen nimmt er am Kleinkunstfestival «Die Krönung» in Aadorf teil.
Dieter Langhart