Auf der anderen Seite – ein Film von Fatih Akin

Der vielfach ausgezeichnete Spielfilm des in Deutschland lebenden Filmers Fatih Akin ist der zweite Teil einer Trilogie über Liebe, Tod und Teufel, die 2004 mit «Gegen die Wand» begann.

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Ali (Tuncel Kurtiz) im Gefängnis. (Bild: pd)

Ali (Tuncel Kurtiz) im Gefängnis. (Bild: pd)

Ali ist Witwer, er lebt mit seinem Sohn Nejat in Deutschland, dieser ist Professor für Germanistik. Auch Yeter lebt in Deutschland, sie arbeitet als Prostituierte, um ihrer Tochter Ayten in der Türkei das Studium zu finanzieren. Susanne ist eine bürgerlich gewordene Alt-Hippie-Frau, ihre studierende Tochter Lotte lebt noch bei ihr.

Aus diesen sechs Figuren entfacht Fatih Akin ein wahres Feuerwerk sich kreuzender Schicksale zwischen Deutschland und der Türkei. Alles beginnt damit, dass Ali sich im Bordell in Yeter verliebt und sie so lange bedrängt, bis sie einwilligt, gegen Bezahlung mit ihm zusammenzuleben – was seinen Sohn Nejat schockiert. Als Ali im Streit Yeter erschlägt, kommt er ins Gefängnis. Sein Sohn macht sich nach Istanbul auf, um Ayten zu suchen. Mit der Fassbinder-Muse Hanna Schygulla als Susanne und Tuncel Kurtiz – dem bevorzugten Schauspieler von Yilmaz Güney, dem Übervater des türkischen Kinos – als Ali setzt Fatih Akin in diesem so kunstvollen wie hochemotionalen Drama ganz nebenbei zwei der bedeutendsten früh verstorbenen Regisseure seiner zwei Heimatländer ein bewegendes Denkmal.

Fatih Akin entdecke den Blues der Erinnerung und es gelinge ihm, die abstrakte Frage, ob die Türkei zu Europa gehört und umgekehrt, in die konkreten Schicksale von Menschen zu übertragen. Migration sei hier keine Einbahnstrasse, heisst es über den Film des türkischstämmigen Regisseurs. (pd/bsg)

Einzige Vorstellung morgen Do, Kinok, 19.30 Uhr. Philosoph Martin Booms, Dozent für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Universität St. Gallen, führt in den Film ein und diskutiert nach der Vorstellung mit dem Publikum über Fragen der Migration.