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Auf den Hund gekommen

Ausstellung Das Kunstmuseum Bern feiert den 150. Geburtstag des im Thurgau aufgewachsenen Bilderbuchkünstlers Ernst Kreidolf mit einer vielseitigen Werkschau. «Faltertanz und Hundefest» stellt seine Tierliebe ins Zentrum, würdigt Kreidolf aber auch als wissenschaftlich präzisen Zeichner – und als Maler. Bettina Kugler
Doggen im Glück: In Kreidolfs Buch «Das Hundefest» (1928) ist das «Karussell» ein Vorgeschmack künftiger Festfreuden – und auf das Ende im Hundehimmel. (Bild: Katalog)

Doggen im Glück: In Kreidolfs Buch «Das Hundefest» (1928) ist das «Karussell» ein Vorgeschmack künftiger Festfreuden – und auf das Ende im Hundehimmel. (Bild: Katalog)

Die Wiese war sein liebstes Buch. Ein Kosmos, den Ernst Kreidolf schon als Kind im thurgauischen Tägerwilen aufmerksam studierte; eine Welt, in der er als Zeichner seine Figuren fand, um ihnen ein märchenhaftes Dasein anzudichten.

Die «Sommervögel» und das «Lenzgesind» dürfen denn auch nicht fehlen in einer Ausstellung, die den 1863 in Bern geborenen Malerpoeten umfassend würdigen will. Ebenso wenig die «Grashupfer», grazile Sportsfreunde beim Rössliballspielen, bei Seiltanz, Kegelfreuden und beim Ständchen im Abendrot. Allesamt wurden sie zu über viele Jahrzehnte hindurch beliebten Bilderbüchern, die bis heute nichts an kindlich-hintersinnigem Charme eingebüsst haben. Taufrisch wirken sie, in buchstäblichem Sinne, auch für Kinder der Generation Pokémon. In ihrer Zeit waren Kreidolfs Kreaturen und die dazugehörigen Verse geradezu revolutionär – verspielt, naturgetreu, poetisch, ohne erzieherischen Zweck. Reiner Bilderzauber für das Kind in jedem Menschen.

Schmetterlingsleicht

Allein schon die Namen der Schmetterlinge, die Ernst Kreidolf als Bub ins Herz schloss und später mit Liebe zum zoologischen Detail in Szene setzte, geben der Phantasie reichlich Nahrung. Trauermantel und Kleiner Fuchs, Schwalbenschwanz und Admiral erzählen bei Kreidolf auf einem einzigen Blatt ganze Geschichten von Lebenslust und Vergänglichkeit. Als «Blumen, die fliegen können», beschrieb er sie in der Zeitschrift «Der Türmer». Mit ebenso viel Sinn für botanische Genauigkeit widmete er sich den Stiefmütterchen und Silberdisteln, gab ihnen Charakter und Rollen in der Natur und schuf eine behagliche Welt im Wiesengrund. Allerdings nicht ohne das zeittypische «Stirb und werde»: Die Vorläufigkeit des Schönen und Heiteren gehört untrennbar zu Kreidolfs Idyllen.

Seine Kindheit und Jugend verbrachte er am Seerücken, auf dem Bauernhof des Grossvaters: Hier gehörten der Hofhund, die Katzen, Kühe und Federvieh zur vertrauten Lebenswelt. Schon früh zeigte sich bei Ernst Kreidolf ein ausgesprochenes Talent beim Zeichnen von Tieren und Pflanzen – was dem Grossvater gar nicht gefiel. Er sah den Enkel als Nachfolger auf dem Hof. Der aber rebellierte auf seine leise Art, liess sich in Konstanz zum Lithographen ausbilden und verabschiedete sich bald in Richtung München, seinerzeit Mekka für junge Künstler. Das Studium an der Kunstakademie brach Ernst Kreidolf jedoch aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig ab.

Satans Himmelfahrt

So kommt er, zur Kur im oberbayrischen Partenkirchen, auf den Hund: den Dackel Satan nämlich, der Ausstellungsbesuchern im Kunsthaus Bern gleich auf dem ersten Bild entgegenknurrt. Immer wieder hat Kreidolf den vierbeinigen Spezl seines Freundes Leopold Weber porträtiert; mal friedlich auf dem Schoss des Herrchens, mal inmitten kläffender Gspänli in einem «Hundepark», mal beim Wandern oder im Schatten einer geheimnisvoll-düsteren «Dackelburg» (1892) in Öl.

An den Hunden zeigt sich exemplarisch die gestalterische Vielseitigkeit und Experimentierlust des Malers Kreidolf. Darüber hinaus die Neigung, Humor, kindliche Phantasie und Melancholie zu vereinen, oft in ein- und demselben Bild. Bestes Beispiel: die Blätter des 1928 erschienenen Buches «Das Hundefest», im zweiten Raum neben anderen Wauwaus aufgehängt. Mit augenzwinkernder Theatralik inszeniert Kreidolf die Vergnügungen; es menschelt sichtbar, ohne sich gross von der Hundenatur zu entfernen – und nach dem Schmausen und Tanzen bis in die Puppen endet das Fest in einer mystischen Heimkehr. «Zurück ins All» heisst es da; wilde Köter schweben wölkchenweiss ins Himmelsblau.

Der erste Raum widmet sich dem selten zu sehenden Frühwerk. Dabei wird augenfällig, wie genau Kreidolf die Natur beobachtete und in präzisen Detailstudien von Schnecken, Fröschen, Grashüpfern oder auch Wölfen festhielt. Naturwissenschaftliche Akribie und Freude an der exakten biologischen Terminologie legen den Grundstein zur später scheinbar so traumtänzerisch leichten Tiermärchenwelt.

Mit Kindern: Taburett nötig

«Faltertanz und Hundefest» fügt sich in eine Reihe thematisch fokussierter Ausstellungen zu Kreidolfs Schaffen, die in den letzten Jahren zu sehen waren – regelmässig auch in Konstanz, wo Co-Kuratorin Barbara Stark ein sachkundiges Auge auf den Malerpoeten und seinen Freundeskreis hat. Die Schau lädt ein zum Lustwandeln, zum genauen Hinsehen und Neuentdecken. Für kleine Träumer jedoch hängt der Hundehimmel leider etwas weit oben.

Bis 29. September 2013, Kunstmuseum Bern. Ab März 2014 ist die Ausstellung in der Wessenberg- Galerie Konstanz zu sehen.

Der Künstler mit Katze: Selbstbildnis aus frühen Jahren (1893). (Bild: Katalog)

Der Künstler mit Katze: Selbstbildnis aus frühen Jahren (1893). (Bild: Katalog)

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