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Auf dem Weg zum Tauschhaus

Wahrer Austausch findet nicht online, sondern vor Ort statt. Deshalb planen Fabian Harb und Nina Paim in der portugiesischen Stadt Porto ein «Haus des Tausches»: ein Experiment abseits der klassischen Ökonomie.
Roger Berhalter
Leer stehende Räume sind Möglichkeiten: Die beiden Grafikdesigner Nina Paim (28) und Fabian Harb (26) planen in Portugal ein künstlerisches Langzeitprojekt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Leer stehende Räume sind Möglichkeiten: Die beiden Grafikdesigner Nina Paim (28) und Fabian Harb (26) planen in Portugal ein künstlerisches Langzeitprojekt. (Bild: Hanspeter Schiess)

HEIDEN. Andere würden eine Facebook-Gruppe gründen. Aber das wäre Fabian Harb und Nina Paim zu simpel. Die beiden Grafikdesigner bewegen sich an der Schnittstelle zur Kunst und wollen einen Ort des (Aus-)Tausches schaffen. Nicht in den sozialen Medien. «Das ist kein wirklicher Austausch», sagt Paim, und Harb ergänzt: «Momente, in denen wirklich Neues entsteht, passieren nicht in einem so starren Rahmen.» Stattdessen planen die beiden eine «Casa do Câmbio», ein «Haus des Tausches», in einem leerstehenden Raum in der portugiesischen Stadt Porto.

Leere Räume beflügeln

Dort, in der hügeligen Altstadt, wo die lokalen Lädeli noch zahlreich und die internationalen Ladenketten selten sind, kamen Harb und Paim auf die Idee zu ihrem Projekt. Das von der Wirtschaftskrise arg gebeutelte Porto bot ihnen ein ambivalentes Bild zwischen bedrückend und beflügelnd. Einerseits zeugten verlassene Häuser von der wirtschaftlichen Not, anderseits sahen die zwei Besucher vor allem Möglichkeiten. «In Berlin, wo wir wohnen, herrscht eine ähnliche Atmosphäre», sagt Harb, der in Heiden und St. Gallen aufgewachsen ist.

Auf keinen Fall mit klarem Ziel

Wie die «Casa do Câmbio» genau aussehen wird und was dort genau ausgetauscht wird, wissen die beiden noch nicht. Viele ihrer Sätze beginnen mit «vielleicht», und voraussichtlich wird es Ende 2015 werden, bis sie für ihren mehrmonatigen Artist-in-Residence-Aufenthalt (siehe Kasten) nach Porto fliegen werden.

Ideen sind aber schon viele vorhanden. Vielleicht werden die beiden ihr Tauschhaus in einem Schaufenster einrichten und wie einen Shop präsentieren. Oder auf ein Hauptquartier verzichten und sozusagen parasitär verschiedene bestehende Einrichtungen nutzen. «Verschiedene Räume führen zu verschiedenen Formen des Austausches», sagt Nina Paim. Deshalb lassen sie bewusst noch vieles offen, und sie wollen keinesfalls mit einem fixen Plan und klaren Zielen nach Porto gehen und den Leuten sozusagen kolonialistisch ihr Konzept überstülpen. Stattdessen soll die erste Phase vor Ort darin bestehen, Leute zu treffen, Kontakte zu knüpfen, Ideen zu sammeln – und sich erst dann festzulegen.

Auf jeden Fall soll die «Casa do Câmbio» ein lebendiger Ort werden, mit viel Kommen und Gehen und Geben und Nehmen: Dinge gegen Dinge, Hilfe gegen Ratschläge, Wissen gegen Fähigkeiten – ein Handelsplatz abseits der klassischen Ökonomie.

Neues Experiment, neues Glück

Im Einrichten neuer Orte haben sie schon ihre Erfahrungen gemacht. Die aus Brasilien stammende Nina Paim hat für ihre Bachelor-Arbeit in Rio de Janeiro eine temporäre Schule aufgezogen. «Ich wollte untersuchen, was einen Bildungsort ausmacht.» Fabian Harb gehörte 2008 zu jener Gruppe, die in Trogen das ehemalige Schlachthäuschen neben dem «Hirschen» zur «Viertel Bar» umfunktionierte. Das Experiment glückte: Harb ist heute zwar nicht mehr dabei, die Bar aber noch immer geöffnet – auch das Tauschhaus darf gerne zu so einem Langzeitprojekt werden.

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