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Konzerte: Auf dem Pilatus zeigten Preisträger ihr Können

Andrew Tyson und Varvara spielten mit Solisten des Luzerner Sinfonieorchesters zwei berühmte Klavierquintette. Abendkonzert und Matinee im Queen-Viktoria-Saal des Hotel Pilatus Kulm überzeugten durch Vielschichtigkeit.
Gerda Neunhoeffer
Zu Gast auf dem Pilatus: Géza-Anda-Preisträger Andrew Tyson. (Bild: Christian Steiner)

Zu Gast auf dem Pilatus: Géza-Anda-Preisträger Andrew Tyson. (Bild: Christian Steiner)

«Gipfelwerke auf dem Pilatus» hatten schon letztes und vorletztes Jahr im Herbst viele Musikliebhaber auf den Berg gelockt. Der Intendant des Luzerner Sinfonieorchesters, Numa Bischof, sagte, man wolle diesem Ort auf dem Pilatus, an dem viele Komponisten waren, seine Seele zurückgeben. Nun gab es zusätzlich das letzte Wochenende, an dem erste Preisträger des Géza-Anda-Wettbewerbes zusammen mit Solisten des Luzerner Sinfonieorchesters musizierten.

Dass dieser Wettbewerb etwas Besonderes ist, zeigte das Gespräch, das der SRF-zwei-Musikredaktor Moritz Weber nach dem Konzert am Samstagabend im Hotel Pilatus-Kulm mit Andrew Tyson (Gewinner 2015) und Varvara (2012) führte. Die Gewinner des Klavierwettbewerbs, den die Witwe des Pianisten Géza Anda 1978 gründete, erhalten ein dreijähriges Konzertmanagement, das nun für Andrew Tyson endet. Denn im Juni findet der nächste Wettbewerb in Zürich statt.

Das sei kein Problem für ihn, aber er werde das Familiäre der Stiftung vermissen. Auch für Varvara waren diese drei Jahre auch das Sprungbrett für ihre jetzige Karriere. Von Solo-Auftritten über Kammermusik bis zu Konzerten mit Orchester haben beide schon an vielen Orten gespielt.

Glitzerndes Kaleidoskop an musikalischen Farben

Andrew Tyson (31) fesselte die Zuhörer am Samstagabend von der ersten Note an mit seinem feingliedrigen und dynamisch ausgefeilten Spiel. Wie er zwei Sonaten von Domenico Scarlatti mit vielen Trillern und Verzierungen leuchten liess, passte stimmig in den Saal, an dessen Wänden und der Decke sich filigrane Muster befinden.

In Maurice Ravels «Miroirs» entfaltete er ein glitzerndes Kaleidoskop an Farben. Wie die Nachtfalter schwebten seine Hände über den Tasten, man hörte die Vögel, sah die Barke auf dem Ozean und liess sich über das rhythmisch akzentuierte Morgenlied des Narren ins Tal der Glocken entführen. Mit grandioser Leichtigkeit gab er der Musik inneres Leben, und selbst das Fortissimo blieb edel und in jedem Ton klar umrissen.

Ideale Voraussetzung für das Zusammenspiel mit den Solisten des Luzerner Sinfonieorchesters, mit denen er Schuberts Forellenquintett interpretierte. David Guerchovitch, Violine, Alexander Besa, Viola, Jonas Vischi, Cello, und Randy Barboza, Kontrabass, spielten sich mit Lust durch das berühmte Werk, und Andrew Tyson war wie einer von ihnen. Subtil im gemeinsamen Spiel, glasklar, virtuos, gesanglich und mit hoher Sensibilität entstand eine Interpretation, die neben den vielen Aufnahmen geradezu neu klang – das mag zum einen an den Orchestermusikern gelegen haben, zum anderen an der Zurücknahme im Klavier, das oft zu dominant und laut erscheint. Nicht so bei Tyson, es war ein beglückendes Zusammenklingen, in dem jeder seine Solomomente auskosten konnte.

Liebe zur Barockmusik voll ausgelebt

In der Matinee gestern Morgen konnte Varvara (34) ihre Liebe zur Barockmusik in der Klaviersuite E-Dur von Händel voll ausspielen. Klar artikuliert und wie erdverbunden gab sie den Sätzen Struktur und liess die Läufe in der Courante perlen. Mit Schumanns Klaviersonate Nr. 3 f-Moll op. 14 zeigte sie vollgriffiges Fortissimo, in allen Sätzen überwog Klangwucht, die sanften melodischen Phasen nahmen wenig Raum ein.

Nach dieser düster-schweren Sonate zeigte sich die Pianistin einfühlsam im Klavierquintett A-Dur op. 81 von Antonin Dvořák. Wie am Abend zuvor gelang eine fantastische Interpretation; mit Lisa Schatzman und David Guerchovitch, Violinen, Alexander Besa, Viola, und Heiner Reich, Cello, fanden sich die Orchestersolisten zu hervorragender Kammermusik zusammen, und Varvara spielte mit sensiblem Klang sowie durchsichtigem Pianissimo. Die Streicher nahmen die böhmischen Melodien schmelzend auf.

Das Finale wurde in flottem Tempo mit müheloser Virtuosität zum krönenden Abschluss. Musik auf solcher Höhe hat einen speziellen Reiz, die Ruhe am Abend, der Sonnenaufgang am Morgen, der weite Blick sind unvergleichlich; im Oktober werden die Gipfelwerke auf dem Pilatus an drei Wochenenden mit Musik von Robert Schumann fortgesetzt.

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