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Auf Besuch in Handkes Exil

Nach ihrem vielbeachteten Filmporträt über den Maler Gerhard Richter widmet sich Corinna Belz dem Schriftsteller Peter Handke in einem stimmigen, feinfühligen Porträt.
Hansruedi Kugler
Peter Handke in seinem Künstlerhaus in Chaville. Seine Partnerin lebt in Paris. (Bild: Look now)

Peter Handke in seinem Künstlerhaus in Chaville. Seine Partnerin lebt in Paris. (Bild: Look now)

Die zart tröpfelnde Klangschalenmusik zu Beginn des Filmporträts mag zu viel des Guten sein: Still und in sich gekehrt lebt Peter Handke in seinem Haus im Pariser Vorort Chaville mitten in einem verwilderten Garten. Aber säuselnd-esoterisch ist dieses Filmporträt von Corinna Belz dann zum Glück nicht. Vielmehr findet die Filmemacherin zu jeder Lebens- und Schaffensphase des 74jährigen Autors Archivaufnahmen (oft schwarz-weiss), ringt dem Autor Erklärungen ab, begleitet ihn auf Spaziergängen, beim Pilzeschneiden, beim Vorlesen aus eigenen Büchern. Das macht Belz zugleich aufdringlich und behutsam. Handke, der sich selbst als gleichzeitig menschenscheu und frech charakterisiert, zeigt sich so als ganz und gar introvertierter Mann, der mit emotionsloser Sanftmut Auskunft gibt, nachdenkend spricht, nie direkt in die Kamera schaut. Kein Radio, kein Fernsehgerät, kein Computer, kein Handy ist zu sehen.

«Rettung in der scheissdurchkalkulierten Welt»

Der Mann lebt in seiner Künstlerklause ein «romanhaftes» Leben. So nennt er sein Lebensprogramm und meint damit die radikal selbstbestimmte Künstlerexistenz. Dass dazu auch Kinder und eine Frau gehören, sieht man erst in der zweiten Hälfte des Films. Eigenwillig war Handke immer schon, sein Nonkonformismus ist legendär. Corinna Belz fängt faszinierende Szenen ein: Wenn Handke von seiner Menschenscheu erzählt, ist man erschüttert von so viel Unvermögen; wenn er in seinem Garten einen Weg mit Muscheln verziert, sieht man ihn fast schon als Zen-Mönch. Dazu passen Sätze wie: «An einem geglückten Tag wird eine Meinung verschwinden», oder: «Meine kleinteilige Welt ist eine Rettung in der scheissdurchkalkulierten technischen Welt», oder: «Phantasie ist nicht Gaukelei, sondern herzliche Erwärmung des Vorhandenen, ohne dieses ganze Storytelling und all diesen Scheissdreck.»

Corinna Belz setzt allerdings voraus, dass man Handke mit seiner Schrulligkeit, seiner eigenwilligen Künstlerinszenierung, den öffentlichen Provokationen schon kennt. So bleiben Nicht-Insidern Handkes Wutausbruch 1966 gegen die Gruppe 47 («Beschreibungsimpotenz») oder die gehässigen Diskussionen um seine umstrittenen Serbien-Texte ohne Einordnung. Zu kurz sind die Filmsequenzen, zu schnell gibt sie sich mit seinen einsilbigen Erklärungen zufrieden. Insgesamt sieht man hier einen Film, der für Handke-Kenner ein äusserst stimmungsvolles, schönes Wiedersehen, aber wenig Neues bringt – für Nicht-Insider hingegen rätselhaft bleibt.

ab 17.11., Kinok St. Gallen

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