Auch mit 90 noch voll beschäftigt

Als «Vater der Konkreten Poesie» hat Eugen Gomringer Literaturgeschichte geschrieben. Viele, die seinen Gedichten in der Schule begegneten, glauben deshalb, er sei selber Geschichte. Mitnichten. Rund um seinen heutigen neunzigsten Geburtstag ist seine Agenda voll.

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Als «Vater der Konkreten Poesie» hat Eugen Gomringer Literaturgeschichte geschrieben. Viele, die seinen Gedichten in der Schule begegneten, glauben deshalb, er sei selber Geschichte. Mitnichten. Rund um seinen heutigen neunzigsten Geburtstag ist seine Agenda voll. An einigen Anlässen wird auch die Dichterin Nora-Eugénie Gomringer mitwirken – das jüngste von acht Kindern.

Das Leben in Kurzform

Seine Biographie formulierte Eugen Gomringer einmal so: «geboren in bolivien/ jugendjahre in zürich/ erfindung der konkreten poesie in bern/ und heimisch geworden in deutschland». Radikale Vereinfachung analog der Konkreten Kunst ist sein Ehrgeiz, am genialsten gestaltet vielleicht im Gedicht «schweigen»: Darin bildet die Vokabel «schweigen», 14mal wiederholt, den Rahmen um eine weisse Mitte – gleichsam das echte Schweigen. «Konstellationen» nannte Gomringer seine Sprachgebilde nach dem Vorbild von Mallarmé, nicht «Verse».

Die Konkreten als Anstoss

In Bolivien lebte der am 20. Januar 1925 geborene Sohn einer Halbindianerin und eines Schweizer Kautschuk-Kaufmanns nicht lange. Der besseren Bildungschancen wegen wurde er als Zweijähriger zu den Grosseltern nach Herrliberg ZH geschickt. Nach der Schule in Zürich und dem Abbruch einer Militärkarriere studierte Gomringer in Bern. Sein Schlüsselerlebnis hatte er 1944 als Soldat, als er in einer Galerie in Zürich eine Ausstellung mit Bildern der sogenannten «Zürcher Konkreten» sah. Was sie in der Kunst taten, wollte er in der Lyrik. (sda)