Attentäter töteten prominente französische Karikaturisten

Die vier Zeichner Charb, Wolinski, Cabu und Tignous, die beim Anschlag von Paris getötet wurden, gehörten zu den besten Karikaturisten Frankreichs. Sie griffen mit dem Zeichenstift Fanatiker aller Konfessionen ebenso an wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz.

Drucken
Teilen
Das sind die getöteten Karikaturisten: Bernard Verlhac aka Tignous, Charb, Georges Wolinski und Cabu (von links). (Bild: Keystone)

Das sind die getöteten Karikaturisten: Bernard Verlhac aka Tignous, Charb, Georges Wolinski und Cabu (von links). (Bild: Keystone)

Stéphane Charbonnier, Charb genannt, leitete seit 2009 das Wochenblatt «Charlie Hebdo» und war der Herausgeber. Er zeichnete für andere Satireblätter und die kommunistische Tageszeitung «L'Humanité». Politisch stand Charb klar links, während der Präsidentschaftswahl 2012 engagierte er sich für die Linksfront «Front de Gauche».

Eine seiner Karikaturen für die französische «Bewegung gegen Rassismus und für die Freundschaft unter Völkern» (MRAP) zeigt einen weissen Chef, der einem schwarzen Bewerber eine Abfuhr erteilt. «Ich würde Sie ja gerne einstellen, aber ich mag die Farbe Ihrer ... euh ... Krawatte nicht», hiess es dazu.

In Interviews verteidigte der Zeichner mit Jahrgang 1967 die bissigen, oft auch derben und respektlosen Karikaturen, mit denen sich «Charlie Hebdo» immer wieder zornige Reaktionen und Klagen einhandelte. Er schrecke vor keinem geschmacklosen Witz zurück, wenn es darum gehe, «die Geschmacklosigkeit der Aktualität anzuprangern», sagte er einmal.

Morddrohungen
Sie gingen so weit, wie es das Gesetz erlaube. Charb hatte keine Angst vor Prozessen − und meistens wurde er freigesprochen. Die Übernahme der dänischen Mohammed-Karikaturen im September 2011 hatte wütende Proteste von Muslimen ausgelöst. Es gab damals auch Morddrohungen gegen Charb.

In Frankreich war er auch recht bekannt für seine Comicserie «Maurice et Patapon». Maurice ist ein bisexueller anarchistischer Hund, der Exkremente liebt und lüstern ist. Patapon ist eine asexuelle Katze mit faschistischen Ansichten, die Tod und Leiden schätzt, aber nur bei anderen. Charbs Kolumne in «Charlie Hebdo» hatte den Titel «Charb n'aime pas les gens» («Charb mag die Menschen nicht»).

Kampf der Geschlechter
Charbs Kollege Georges Wolinski, 1934 im nordafrikanischen Tunis geboren, zeichnete seit mehr als 50 Jahren. Neben der «Charlie Hebdo» gehörten auch die sozialistische Parteizeitung «L'Humanité» und die inzwischen eingestellte Tageszeitung «France Soir» zu seinen Auftraggebern.

Sein bekanntestes Werk ist die Serie «Paulette», die er in den frühen 70er Jahren als Autor mit dem Zeichner Georges Pichard entwickelte. Die Titelheldin ist eine junge Milliardenerbin, die Vergewaltigern und Folterknechten in die Hände fällt.

In vielen Karikaturen Wolinskis spielt der Kampf der Geschlechter eine grosse Rolle. In einer zeigt eine Frau in durchsichtiger Unterwäsche stolz das Wort «Freiheit», das als Handschelle ihre Hände zusammenkettet.

Äusserliche Ähnlichkeit mit Comic-Helden
Wolinskis vier Jahr jüngerer Kollege Cabu, bürgerlich Jean Cabut, war ein Grandseigneur der Comicszene. In der Kultzeitschrift «Pilote» begann seine Serie «Le Grand Duduche» bereits 1963. Sein junges Alter Ego mit Seitenscheitel, Nickelbrille, Jeans und Basketballschuhen machte Cabu bekannt.

Die Comicfigur geht mit der Zeit, wird schliesslich Anhänger der Umweltbewegung und macht unangenehme Erfahrungen mit Polizeigewalt. Cabu − inzwischen bei «Charlie Hebdo» und «Le Canard Enchaîné» Zeichner − ähnelte seinem jüngeren Helden auch noch optisch sehr stark, als er auf die 80 zu ging.

Eine seiner Karikaturen war überschrieben mit: «Es gibt keinen Gott!» Darunter stehen der Papst, ein Mullah und ein Mann mit dem typischen Hut jüdischer Orthodoxer, alle drei schwer bewaffnet. Der Mann mit dem

Turban droht: «Doch!»
Der 1957 geborene Bernard Verlhac, Künstlername Tignous, setzte ebenfalls auf eine drastische Bildsprache. Bei einer Karikatur steht ein dicker Europäer mit saurer Miene am Stacheldraht der EU-Aussengrenze. Hinter der Absperrung wartet eine grosse Menge schwarzer Menschen. «Kaum lässt man Amadou und Miriam (bekannte Weltmusiker aus Westafrika) herein, ist das hier ein Saustall!» (sda)