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Atlasarme, Herkulestaten

Reichlich Applaus – und dann etwas zu viel des Guten: Zwei Konzerte mit Daniel Behle und Luca Pisaroni an der Schubertiade in Schwarzenberg.
Bettina Kugler

SCHWARZENBERG. Die Sängerkehle leidet unter den Kapriolen des kühlen, feuchten Frühsommers. Letztes Jahr war es der in Venezuela geborene Bassbariton Luca Pisaroni, gefeierter Mozart-Sänger und seit Jahren Dauergast an den Salzburger Festspielen, der sein Solodébut an der Schubertiade absagen musste – wegen Erkrankung. Dafür konnte er am Wochenende kurzfristig einspringen: für die an einem Atemwegsinfekt erkrankte Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter.

Schubert, der Italiener

Er kam mit dem fabelhaften Christian Koch am Klavier, einem Pianisten, der sängerisch denkt und artikuliert, und mit einem eher schlanken Schubert-Programm. Darunter drei italienische Gesänge: selten zu hörendes Randrepertoire also, was Pisaroni und Koch weidlich zur Gestaltung nutzten. Ohnehin wählte Pisaroni die Liedblöcke klug und dramaturgisch geschickt aus, mit Respekt vor dem kritischen Schubertiade-Publikum, das einen Sänger schon sehr ins Herz geschlossen haben muss, um in Schubert-Liedern nach Heinrich Heine oder gar Johann Wolfgang von Goethe über sprachliche Unsauberkeiten grosszügig hinweg zu hören.

Längst hatte Pisaroni mit seinem farbenreichen, flexiblen Bariton, mit Charme und etwas Augenzwinkern im Vortrag – subtil ausgeleuchtet von Christian Koch – für sich eingenommen. Da erntete er denn auch für die Schmerzenstiefe seines «Der Atlas» und «Schwager Kronos» schliesslich stürmischen Applaus. Und für die ohrenschmeichelnden Bellini- und Rossini-Lieder sowieso.

Viel Beifall gab es dann auch im Abendkonzert für Tenor Daniel Behle und das Barockorchester L'Orfeo unter der Leitung von Dirigentin Michi Gaigg, die bei Nikolaus Harnoncourt ihr Handwerk gelernt hat. Sie und ihre vif agierenden Musiker feierten ebenfalls ihr Schubertiade-Début als Ensemble.

Lyrische Operngala

Sie hätten durchaus noch mehr Applaus verdient für ihre Herkulesaufgabe, den allgemein gering geschätzten Opernkomponisten Schubert aufs Podest zu stellen (was gleichwohl nicht immer überzeugt; zwanzig Opern schrieb er für die Schublade, ihr Erfolg blieb ihm verwehrt). Allerdings verhinderte die Aneinanderreihung von Ouvertures und Tenorarien jeglichen Spannungsbogen. Nummer für Nummer wurde zwar kompetent, mit lyrischem Schmelz in der Stimme und mit viel Liebe zum Detail präsentiert (und brav beklatscht), doch blieb zu wenig Zeit, sich auf die jeweilige Welt von Stücken wie «Die Zauberharfe», «Adrast» oder «Fierabras» einzulassen.

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