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E-Sportler kämpfen um Anerkennung

Gamen als Sportart boomt: Das deutsche Unternehmen Knorr sponsert seit neustem das Schweizer E-Sports-Team, Postfinance steigt ebenfalls ein. Doch die Vorurteile halten sich hartnäckig.
Federico Gagliano
E-Sportler im Final eines Turniers der Swiss E-Sports League.Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 21. April 2018)

E-Sportler im Final eines Turniers der Swiss E-Sports League.
Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 21. April 2018)

In der E-Sport-Szene tut sich was: Beim elektronischen Sport wollen immer mehr Leute mitmischen. Der letzte Clou: Der deutsche ­Lebensmittelhersteller Knorr ist seit letzter Woche Hauptsponsor der Swiss ESports League (SESL). Dies nur wenige Tage vor dem Start der Herbstsaison der Liga, die am nächsten Montag mit sechs Spielen beginnt.

Die Nachricht wurde aber ­Anfang Woche von den traurigen Ereignissen in Jacksonville, Florida, verdrängt. Ein Mann eröffnete dort vergangenen Sonntag bei einem Videospiel-Turnier das Feuer. Er tötete zwei Menschen und richtete sich danach selbst. Elf Menschen wurden verletzt. Die Episode hat die in den USA bereits angeheizte Diskussion über Waffenrechte weiter entflammt. Es ist aber auch zugleich ein Weckruf für die E-Sports-Szene: Die amerikanischen Organisatoren haben durch den Tod zweier junger Talente am Turnier endlich erkannt, dass bessere ­Sicherheitsvorkehrungen an solchen Anlässen notwendig sind (siehe Kasten).

Prominente US-Spieler wie Dominique «SonicFox» McLean hatten bereits vor dem Amoklauf in Jacksonville gewarnt, dass sie sich an Turnieren unsicher fühlen. Auf Twitter wiederholte er am Sonntag: «Wir brauchen wirklich Sicherheitskräfte bei Events. Diese Nachricht ist furchtbar, aber ich wusste, dass sie unvermeidbar war.» Ano­nyme Drohungen sind für Mc-Lean nichts Neues. Er gehört ­momentan zu den bestbezahlten E-Sport-Athleten der Welt. In 66 Turnieren hat er in den letzten vier Jahren fast eine halbe Million Dollar verdient. Der 20-Jährige, der offen über seine Homosexualität spricht, holte Anfang August den ersten Platz im Spiel «Dragonball FighterZ» an der EVO-Championship, einem E-Sport-Turnier rund um Prügelspiele wie «Tekken» oder «Street Fighter». Nach seinem Sieg verkündete McLean auf Twitter: «Ich bin schwul. Und ich bin der beste Dragonball-Spieler auf diesem Planeten, vergesst das nicht.»

Akzeptanz werde immer grösser

Die Schweizer E-Sport-Szene kämpft noch mit ganz anderen Problemen. Es fehlen nicht nur Spieler mit Starpotenzial, die Preisgelder an Schweizer Turnieren erreichen auch nicht Millionenbeträge wie in Deutschland, den USA oder Südkorea. Bevor es überhaupt dazu kommen kann, kämpfen Schweizer Teams immer noch um Anerkennung. Jacksonville hat wieder gezeigt: Für Aussenstehende ist die erste Assoziation beim Thema E-Sport immer noch die der Killerspiele. Die Diskussion über Verbote ist in der Politik zwar seit einigen Jahren versiegt. In Bern spricht man heute eher vom Potenzial der Game-Industrie und will diese fördern, wie dem Bundesratsbericht «Games. Ein aufstrebender Bereich des Kulturschaffens» vom letzten März zu entnehmen ist. Trotzdem scheint das Bild der Gewaltspiele in der breiten Bevölkerung noch präsent zu sein. Dabei spielte man am Turnier in Jacksonville gar kein Ballerspiel, sondern die Football-­Simulation «Madden».

Der Ursprung dieser Vorurteile sei nachvollziehbar, meint ­Medienpsychologe Stefan Caduff. Unter den ersten E-Sport-Spielen findet sich der Shooter «Counter Strike». Doch den ganzen Sport damit zu identifizieren, sei zu kurz gefasst. In der SESL locken Spiele wie die Fussballsimulation «Fifa», das strategische Kartenspiel «Hearthstone» oder das Echtzeit-Strategiespiel «League of Legends» ebenso viele Zuschauer an wie Shooter-Spiele. Die Szene sei eigentlich sehr vielfältig, so Caduff. Manuel Oberholzer, Mitgründer der Berner ­E-Sport-Agentur MYI Entertainment, ist sich ebenfalls bewusst, dass E-Sportler noch mit veralteten Stigmas zu kämpfen haben. Er habe dennoch das Gefühl, dass die Akzeptanz immer grösser werde. E-Sport sei das ideale Vehikel, um diese Vorurteile abzubauen: «E-Sportler sind Vorzeigegamer, die gesund leben und nicht nur gamen, sondern auch durch andere Aktivitäten ­einen Ausgleich dazu suchen.» Um E-Sport der breiten Bevölkerung näherzubringen, sei man auch auf eine enge Zusammenarbeit mit Medien und Verbänden angewiesen. Es brauche zwar noch etwas Zeit, bis E-Sport sich in der Schweiz etablieren werde, sagt Oberholzer. Aber die Indizien häuften sich, dass es nicht mehr allzu lange dauern dürfte: Der grösste Schweizer Kabel­netzbetreiber UPC finanziert die Onlineplattform Esports.ch. Auch das Schweizer Fernsehen berichtet inzwischen regelmässig über das Thema. Der Touring Club Schweiz hat eine eigene Liga gegründet, während Post­finance derzeit ein Team rekrutiert, welches vom Finanzinstitut ein Jahr lang finanziert wird.

Medienpsychologe Caduff ist skeptischer als Oberholzer, dass sich E-Sport in der Schweiz etablieren kann: «Der Schweizer Markt ist dafür zu klein.» Zwar sei es durchaus möglich, dass ein­zelne Teams sich durchsetzen können, aber der Berufswunsch E-Sportler werde in der Schweiz für viele Jugendliche unerreichbar bleiben. Dafür sei der Lebensstandard in der Schweiz zu teuer. Preisgelder wie in Vancouver, wo vergangenes Wochenende ein europäisches Team 11 Millionen Dollar mit nach Hause nahm, wird es hierzulande wohl nie geben. Besonders, da solch grosse Turniere von den Studios hinter den Videospielen und nicht von Privaten finanziert werden.

Ist E-Sport ein Sport?

In einem Punkt sind sich Oberholzer und Caduff einig: E-Sport ist Sport. Die Professionalität sei entscheidend, erklärt Caduff. Schiessen oder Schach seien ja auch Sportarten – für einen E-Sportler sei ein extrem hohes Level an Training nötig, um international mithalten zu können, wie bei anderen Sportarten auch. Ausserdem biete E-Sport den ­Zuschauern den gleichen Wettkampfcharakter, der auch andere Sportarten reizvoll macht.

Für Oberholzer wäre es wünschenswert, dass E-Sport von ­offizieller Seite als Sport anerkannt würde. Das würde viele weitere Türen öffnen. Er träume davon, dass in Zukunft neben Fussball- oder Tennisclubs auch Videospielvereine entstehen würden, bei denen nicht nur ­Jugendliche professionell betreut werden, sondern auch Eltern kompetente Antworten auf ihre Fragen bekommen könnten.

Eine Million US-Dollar für Familien der Opfer

In Jacksonville, Florida, eröffnete am vergangenen Sonntag bei einem Videospiel-Turnier ein Mann das Feuer. Er tötete zwei Menschen und richtete sich danach selbst. Der amerikanische Veranstalter der Videospielreihe, Electronic Arts (EA), gab am Donnerstag auf Twitter bekannt, einen Spendenfonds für die Hinterbliebenen und die Überlebenden des Amoklaufs eröffnet zu haben. EA spendete zusätzlich selbst eine Million US-Dollar. Die beiden Todesopfer des Schützen waren beide E-Sportler: Elijah «TruBoy» Clayton und Taylor «SpotMePlzz» Robertson. Zuvor hatte der Veranstalter alle weiteren Events abgesagt. In einer Pressemitteilung sagte CEO Andrew Wilson: «Es ist eine undenkbare Tragödie, dass Taylor Robertson und Elijah Clayton, zwei unserer Top-Spieler, auf diese Art und Weise ihr Leben verloren haben.» EA werde deshalb die Sicherheitsprotokolle für Teilnehmer und Zuschauer überprüfen. Der Veranstalter ist damit nicht alleine: Auch andere E-Sport-Turniere haben bereits angekündigt, ihre Sicherheitsmassnahmen zu überdenken. Die EVO-Championship hat bereits versprochen, beim nächsten Turnier an allen Tagen Metalldetektoren an den Eingängen einzusetzen. (fg)

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