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Astrid Lindgrens Tagebuch

Mit 19 Jahren galt Astrid Lindgren als gefallene Frau. In ihrem Tagebuch schrieb sie sich von ihrer schwierigen Jugend frei. Nun wird es veröffentlicht.
Roland Mischke
Astrid Lindgren, die Erfolgsautorin, erlitt schwere Schicksalsschläge. (Bild: ap/Tobias Rostlund)

Astrid Lindgren, die Erfolgsautorin, erlitt schwere Schicksalsschläge. (Bild: ap/Tobias Rostlund)

17 eng beschriebene Hefte, dazu aufgeklebte Ausschnitte aus Zeitungen, Flugblätter und Lebensmittelmarken sind im Buch «Die Menschheit hat den Verstand verloren» ausgebreitet. Intime Einblicke in die Gefühlswelt einer Autorin, deren Klassiker mit über 150 Millionen Exemplaren verkauft wurden. So viel war von Astrid Lindgren noch nie zu erfahren gewesen.

Alleinerziehend ohne Kind

Denn als die Schwedin 19 Jahre jung war, galt sie als gefallene Frau. Sie war schwanger, verriet aber nicht, wer der Vater ihres Kindes war und brachte ihren Sohn Lars in Kopenhagen zur Welt. Sie konnte ihn nicht mit nach Stockholm nehmen, er war die Schande der alleinerziehenden Mutter. Ihr Volontariat bei einer Zeitung musste sie abbrechen. Erst später bekannte sie, dass sie vom 30 Jahre älteren, verheirateten Chefredakteur schwanger geworden war. Solche Erlebnisse prägen fürs Leben. Erst in den 70er-Jahren hat Astrid Lindgren (1907–2002) über ihre schwierige Jugend gesprochen.

Ihre Nachfahren haben denn auch lange gezögert, diese Berichte über die Kriegsjahre zu veröffentlichen – und es nun doch getan. Lindgren hatte sich, nachdem die Ehe mit ihrem fremdgehenden Mann schwierig geworden war, mehr und mehr zurückgezogen. Auf der abgeschiedenen schwedischen Insel Furusund entstanden die meisten ihrer Bücher.

Gegen den Krieg – für die Kinder

In den Tagebüchern schrieb sie gegen die Macht des Krieges an, also gegen die Angst. Schweden war neutral, doch die Bevölkerung verunsichert. Hitler und Stalin waren für Lindgren entartete Herrscher, das wird ausführlich begründet. In dieser Zeit war die Autorin noch nicht berühmt. Das kam erst nach dem Krieg – «Pippi Langstrumpf» erschien 1945. Aber was auffällt, ist ihr geschriebenes Engagement für die Kinder. Lindgren ist überzeugt, dass alles Unrecht in der Welt von Menschen kommt, die als Kinder nicht respektiert wurden, nicht genügend Zuwendung erhielten. Daran hielt sie fest.

Erst jetzt wird ganz deutlich, dass Lindgren aus sehr persönlichen Gründen Kinderbuchfiguren erfand, die unkonventionell und renitent waren, die darauf bestanden, ihre Kindheit ausleben zu dürfen. «Ronja Räubertochter», ihr letztes Buch, 1981 erschienen, ist eine von Mut und Hartnäckigkeit geprägte Geschichte.

Astrid Lindgren: Die Menschheit hat den Verstand verloren. Tagebücher 1939–1945, Ullstein, 575 S.

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