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Tanzkompanie St.Gallen zeigt eine artifizielle kalte Zukunft

Was, wenn künstliche Wesen zu leben beginnen? Wie wird das Verhältnis Mensch–Maschine sein? Die Tanzkompanie des Theaters St. Gallen zeigt in der Uraufführung «Coppél-A.I.» eine düster-kalte Welt.
Julia Nehmiz
Künstliche Wesen – und doch voller Anmut. (Bild: Ian Wahlen)

Künstliche Wesen – und doch voller Anmut. (Bild: Ian Wahlen)

Der Abend in der St. Galler Lokremise beginnt mit einer Panne. Das Publikum hat Platz genommen, die Stimmen sind gedämpft, gleich startet die Premiere. Da fallen auf der Bühne zwei Papierbahnen aus ihrer Wandverankerung. Schnell ist die Technik mit Leitern zur Stelle, um die papiernen Wandelemente wieder aufzuhängen.

Der Lapsus zeigt auf rührende Weise, wie analog die Bühnenkunst ist, hier und jetzt und im Moment und nicht perfekt. Ein irgendwie heimeliger Gegensatz zur futuristischen Dystopie, die in der folgenden Stunde von den Tänzerinnen und Tänzern ausgebreitet wird.

Als würden Arme und Beine nicht zu ihr gehören

Er hat es tatsächlich geschafft: Der Erfinder, Forscher, Wissenschafter hat künstliche Wesen kreiert. Und weil er sie als Menschen ansieht und behandelt, werden sie nach und nach zu einer Art menschlich-künstlicher Wesen, die ein Bewusstsein entwickeln. Was nach Science-Fiction klingt, ist eine uralte Geschichte, die schon der römische Dichter Ovid vor 2000 Jahren in seinen «Metamorphosen» beschrieb, und die seither in unzähligen Variationen in Literatur und Kunst weitererzählt wird.

Die Tanzkompanie des Theaters St. Gallen schreibt in Anlehnung an das Ballett «Coppélia» diese Geschichte neu. Choreograf Felix Landerer hat sie entschlackt, reduziert sie auf die Begegnung Mensch – Maschine und verzichtet auf jegliche Emotionalität. Das nimmt seinem Abend «Coppél-A.I.» jede Dringlichkeit.

Seine Erfindungen erwachen zum Leben

Nimrod Poles verkörpert den Erfinder. Staunend betrachtet er, wie seine Geschöpfe zu leben beginnen. Zu Bachs Goldbergvariationen entfaltet sich ein Pas de deux im weissen Halbrund der Bühne.

Ausstatter Till Kuhnert hat mit papiernen Wänden eine zerbrechliche Welt geschaffen. Verwirrende Schattenrisse auf den Wänden verwischen Innen- und Aussenwelt. Choreograf Felix Landerer und sein Ensemble finden starke Bilder.

Der Erfinder und seine Kreatur nähern sich an, ihre Bewegungen wechseln dabei zwischen eckig, roboterhaft, zombiemässig und gummiartig, als würden Arme und Beine nicht zu ihr gehören. Entwickelt sie schon ein Eigenleben? Oder zeigt sie nur Reaktion auf Aktion?

Die Geister, sie verschwinden nicht

Da bevölkert eine ganze Armada künstlicher Wesen die Bühne. Mit einer Portion Ironie lässt Landerer ein Geschöpf zum Publikum sprechen. Die Geister, die der Erfinder rief, sie verschwinden nicht, sie bemächtigen sich der Welt. Reissen die papiernen Wände ein, der ganze Raum wird aufgebrochen, kahl und nackt wirkt er wie eine düstere Vorahnung einer dystopischen Zukunft. Das Wesen, das er erschuf, bemächtigt sich seiner, macht sich den Erfinder untertan.

Die starken Bilder und die beeindruckenden Körperlichkeiten, die Landerer und seine Kompanie immer wieder finden, erschöpfen sich in Wiederholungen. Es fehlt an Emotionalität, bleibt glatter, perfekter Tanz einer düsteren Zukunft. Die Frage, was dies mit dem Menschen macht, lässt der Abend leider offen.

«Coppél-A.I.», bis 2.6., Lokremise St. Gallen; theatersg.ch

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