Art Basel
Acht Tipps für Interessierte und Laien: So entdecken Sie die grösste Kunstmesse der Welt

An der Art Basel läuft viel mehr als nur die Hauptausstellung. Ein Überblick über alle Veranstaltungen, die dieses Jahr einen Besuch wert sind.

Anna Raymann
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Für den Glamour: VIP Preview

Bild: Key/zvg

Am Montag beginnen die Preview-Tage der wohl bekanntesten Kunstmesse. Normalsterbliche dürfen zwar noch nicht in die heiligen Hallen, aber vielleicht erhaschen sie einen Blick auf prominente Gäste. Brad Pitt ist quasi Stammgast, und sogar Audrey Hepburn war 1991 da.

Die Einreisebestimmungen machen es den VIPs aus Übersee zwar schwer, aber vielleicht schaut Kanye West doch vorbei, erst kürzlich war er in Berlin noch auf Kunstshoppingtour. Wem das an Glamour nicht reicht, kann sich bei DJ Antoine ein 490-Franken-Ticket für dessen opulente «Private Gallery Party» kaufen.

Für das grosse Staunen: Art Unlimited

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An der Unlimited in «Halle 1» sind grosse Plastiken und Installationen ausgestellt, die sonst nirgends Platz haben. Hier atmet man durch – und staunt. Dieses Jahr etwa über die monumentale Boje (Die Mimik der Tethys, 2019), die der deutsche Künstler Julius von Bismarck von der Decke hängen lässt.

Synchron zu einem Gegenstück im tatsächlichen Ozean bewegt sie sich, bei Sturm kann das durchaus turbulent werden. Ein weiteres Highlight ist die Fotoserie «London Fog» (1973) des exzentrischen Duos Gilbert & George. Sie war in Privatbesitz und ist nach langer Zeit erstmals wieder zu sehen.

Für Sportliche: Art Parcours

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Wer die letzten schönen Spätsommertage nicht in Messehallen verbringen will, begibt sich auf den Art Parcours. Dabei lässt sich nicht nur Kunst, sondern auch die Stadt entdecken – und das erst noch umsonst. Am 20. 9. heftet man sich am besten an die Fersen des «walking artist» Hamish Fulton, der um 16 Uhr auf dem Marktplatz die Passanten und Flaneurinnen zur Mitmach-Performance einlädt.

Einige Schritte weiter empfiehlt sich ein Blick auf die neue Installation der Westschweizer Künstlerin Claudia Comte. Mit «After Nature» (2021) pflanzt sie einen futuristischen Wald ins prunkvoll sanierte Stadtcasino.

Für müde Füsse: Kino

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Bilder gibt es an der Art eigentlich zur Genüge, ein Filmabend liegt nicht gerade auf der Hand. Dennoch wird ein Besuch im Stadtkino den müden Messefüssen guttun, und beim abendlichen Apéro im Kunsthallengarten glänzt das Publikum mit spannenden Anekdoten. Über Hilma af Klint etwa.

Die schwedische Künstlerin ist die Erfinderin der abstrakten Malerei – und zwar lange vor etwa Wassily Kandinsky. Die Geometrie, der Forschergeist, die Anthroposophie: Man denkt auch an Emma Kunz. Der Dokumentarfilm «Beyond the Visible» von Halina Dyrschka holt die vergessene Pionierin zurück aufs Parkett.

Für Gesellige: LISTE Art Fair Basel

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Vor 26 Jahren wurde die Liste gegründet, seither ist sie der Kunstmarkt für junge Galerien und Kunstschaffende – die Entdeckermesse. Weil die verwinkelten und gedrängten Räume der eigentlichen Heimat, der alten Warteck-Brauerei, in Zeiten von Corona suboptimal sind, zieht sie für ein Jahr an den Messeplatz.

Dort soll es nicht weniger gesellig sein, dafür sorgt das Pariser Künstlerduo Jacent. Als «Special Guests» bauen sie ihren «Salon Jacent» auf. Die grossräumige Installation ist behagliche Gelegenheit für Begegnung, Debatte und – wer weiss? – den ein oder anderen Verkauf.

Für das Spektakel: Performance

Art Basel: Die Tränen des Salvador Dalí.

Keystone-SDA

Ein Monster ist los auf dem Messeplatz. Genauer: Monster Chetwynd. Die Künstlerin ist bekannt für dramatisch-skurrile Auftritte mit Tamtam. Mit 20 Komplizen wird sie in übergrossen Plastikbällen als Träne aus einem stilisierten Auge hinaus auf den Platz rollen. Die übermütig kullernden Tränen kommentieren die Pandemie verschmitzt und selbstironisch.

Ein Schmuckstück von Salvador Dalí brachte Chetwynd auf die Idee für ­«Tears» (2021). Performances sind an Messen rares Gut. Sie lassen sich nicht an Wände hängen und daher auch schwerer verkaufen als ein Bild. Trotzdem haben sie Tradition an der Art.

Insidertipp: Begleitveranstaltungen

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Wenn die Kunstwelt nach Basel pilgert, trumpft die Stadt mit ihrem ohnehin opulenten Kulturangebot auf. Die Museen zeigen ihre besten Ausstellungen, es gibt Sonderprogramme und Veranstaltungen. Die Fondation Beyeler in Riehen etwa holt jenen Künstler zurück, der ihre Räume den Sommer über giftig grün unter Wasser gesetzt hat.

Die immersive Ausstellung lockte zahlreiche Besucher an, eine Vernissage aber hat es nie gegeben. Im «Artist Talk» am 21. 9. um 18 Uhr denkt Olafur Eliasson nun gemeinsam mit dem Publikum über sein Wechselspiel zwischen Natur und Kultur nach.

Für Denker und Schwätzer: Art Conversations

Bild: Key/zvg

Was wäre Basel für eine Beuys-Stadt, wenn sie am grössten Kunstanlass des Jahres nicht den Geburtstag des Ausnahmekünstlers feiern würde? Joseph Beuys wäre dieses Jahr 100 geworden, zu Basel hatte er eine enge Verbindung, er entwarf sogar filzige Fasnachtskostüme. Darüber, welche Aktion er heute an der Art inszenieren würde, kann man nur fantasievoll sinnieren.

Fundierter geht es auf dem Podium zu, dass die Art am 25. 9. um 17 Uhr veranstaltet. Expertinnen und Experten diskutieren die Aktualität des Beuys’schen Werks. Wem das zu viel Fett und Filz ist, der besuche das Podium an einem anderen Tag.

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